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    Muhammad Ali: Der Herr der Ringe fehlt der Boxwelt

    PHOENIX. "Der Größte, der Beste und der Schönste" hätte Montag seinen 80. Geburtstag gefeiert.

    Der Boxsport hängt gegenwärtig in den Seilen. Es fehlt an Superstars und großen Namen, wegen Misswirtschaft und Korruption droht gar der Olympia-Ausschluss. Doch noch immer zehren die Faustkämpfer von den guten alten Zeiten. "Der Größte, der Beste und der Schönste", wie er sich selbst einmal bezeichnete, fehlt vielen am allermeisten. Kommenden Montag wäre Muhammad Ali, Geburtsname Cassius Marcellus Clay junior, 80 Jahre alt geworden.

    Ali starb am 3. Juni 2016 an einer Blutvergiftung. Die Komplikationen seien auf die jahrzehntelange Parkinson-Erkrankung zurückzuführen gewesen. "Er hat nicht gelitten", sollte seine Witwe Lonnie beim Begräbnis in seiner Geburtsstadt Louisville im US-Staat Kentucky sagen und: "Muhammad verliebte sich in die Massen und die Massen verliebten sich in ihn."

    In der Tat war Ali, wie er sich seit 1964 nach der Konvertierung zum islamischen Glauben nannte, mehr als nur ein genialer Boxer, Frauenheld und Sprücheklopfer, einer, der als Einziger in der Geschichte bisher dreimal Weltmeister im Schwergewicht werden konnte und viele unvergessene Kämpfe wie den "Rumble in the Jungle" gegen George Foreman oder den "Thrilla in Manila" gegen Joe Frazier lieferte. Hunderte Millionen auf der ganzen Welt lockte er dabei vor den Fernseher.

    "Er war eine Ikone, die Muslime und Christen, Arme und Reiche, Schwarze und Weiße, Menschen jeder Herkunft und jeder sozialen Klasse zusammenbrachte", sagte Amerikas Ex-Präsident Barack Obama, und einer, "der für das gekämpft hat, was richtig war. Er hat für uns gekämpft." Ali nützte seinen Weltstar-Status immer wieder geschickt für politische Absichten. Etwa, indem er Rassismus anprangerte, den Militärdienst verweigerte und dafür sogar in der Hoch-Zeit seiner Karriere eine gut dreijährige Sperre in Kauf nahm. Auch den Vietnamkrieg kritisierte er offen.

    "Wenn Champions siegen, werden sie auf den Schultern von Menschen getragen. Wenn Muhammad Ali siegte, wurden wir auf seinen Schultern getragen", schrieb der schwarze US-Bürgerrechtler Jesse Jackson einmal. Im Februar 1964 wurde Ali erstmals Schwergewichtsweltmeister bei den Profis, nachdem er sich 1960 bei den Olympischen Spielen als Amateur Gold holte. Seinen eleganten Boxstil umschrieb er blumig mit den Worten: "Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene." Weitere zwei Mal krönte sich Ali danach noch zum Champion. Er bestritt insgesamt 61 Profikämpfe, 56 davon gewann er.

    Unvergessen sind unzählige Auftritte Alis, der acht leibliche Kinder mit vier Frauen zeugte, nach seinen Glanz-Zeiten im Boxring. Etwa der, als er 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta bereits gezeichnet vom zwölf Jahre zuvor diagnostizierten Parkinson das olympische Feuer entzündete.

    Erinnerungen eines Steyrers

    Der frühere Steyrer Box-Funktionär Otto Lorenz erinnert sich an einen besonderen Moment in Berlin 2005. "Ich war Zeitnehmer beim WM-Kampf seiner Tochter Laila. Bevor es losging, wurde es auf einmal mucksmäuschenstill, als Ali mit dem Rollstuhl in die Halle gefahren wurde. Dann hat wer zu klatschen begonnen und es gab minutenlang Standing Ovations. Wir waren den Tränen nahe."

    Der legendäre, frühere OÖN-Sportchef Leo Strasser drang 1976 in München trotz höchster Sicherheitsvorkehrungen zum Superstar vor und überreichte ihm den "Mostdipf"-Ehrenpreis. Alis erste Reaktion: "Der ist aber dick." Doch dick da ist nur er. Damals wie heute – und für immer.

    Alis Bewegendes Leben

    1942: Cassius Clay kommt am 17. Jänner in Louisville (Kentucky) als erster von zwei Söhnen seiner Eltern auf die Welt.

    1960: Bei den Olympischen Spielen in Rom erringt er Gold im Halbschwergewicht.

    1964: Nach mehreren erfolgreichen WM-Titelverteidigungen macht Clay seine Mitgliedschaft in der „Nation of Islam“ öffentlich und nimmt den Namen Muhammad Ali an.

    1967: Der WM-Titel aberkannt, nachdem er sich geweigert hatte, den Wehrdienst anzutreten. Als Grund nannte Ali neben seiner Religion die fehlende Gleichberechtigung der Afroamerikaner. Ali wird zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, geht aber gegen Kaution frei.

    1971: Am 8. März verliert Ali einen seiner größten Kämpfe gegen Joe Frazier nach Punkten. 400 Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt verfolgen den Kampf im TV.

    1974: Im Jänner gewinnt Ali den Rückkampf gegen Frazier. Im selben Jahr gelingt ihm im „Rumble in the Jungle“ gegen George Foreman der wohl größte Sieg. Foreman war bis dahin in 40 Kämpfen ungeschlagen gewesen.

    1978: Ali verliert den WM-Gürtel an Leon Spinks, gewinnt aber den Retourkampf.

    1981: Er verliert gegen Trevor Berbrick den letzten Kampf seiner Karriere.

    1984: Die Krankheit Parkinson wird diagnostiziert.

    1999: Das IOC kürt Ali in der Wiener Staatsoper zum „Jahrhundert-Sportler“.

    2012: Ali erhält die Freiheitsmedaille für sein soziales Engagement. Es ist sein letzter offizieller Auftritt.

    2016: Am 3. Juni stirbt „The Greatest“ zurückgezogen in Phoenix im Alter von 74 Jahren.

    Dominik Feischl, 15.01.2022, 00:04 Uhr

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