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     Ein Radfahrer auf Sturzflug

    Ein Radfahrer auf Sturzflug

    Dennis Muilenburg (55) hat hartnäckig an seinem Aufstieg an die Spitze von Boeing gearbeitet. Jetzt versucht er alles, einen Sturzflug in seiner Karriere zu verhindern.

    Nach dem Absturz der zweiten Boeing 737 Max in Äthiopien griff er zum Telefonhörer, um dem US-Präsidenten höchstpersönlich zu versichern, mit dem Verkaufsschlager des Flugzeugbauers aus Seattle sei alles in bester Ordnung. Die Millionen Dollar an Wahlkampfspenden von Boeing an Donald Trump zahlten sich aus. Der Präsident akzeptierte den Anruf und besprach mit dem ehrgeizigen Muilenburg das weitere Vorgehen. Vermutlich dürfte Trump dem Boeing-Chef gesagt haben, dass angesichts der weltweiten Flugverbote der Druck zu groß geworden sei, die Max in den USA weiter fliegen zu lassen.

    Prompt verkündete der Boeing-Konzern eine 180-Grad-Kehrtwende. Aus einem "Übermaß an Vorsicht" werde man die Flotte erst einmal auf dem Boden halten. Zur Überraschung der Luftfahrtaufsicht FAA preschte anschließend Trump vor, das vorläufige Flugverbot zu verkünden. Den Boeing-CEO bringt das so oder so in die Bredouille. Er sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, die Probleme mit der sogenannten MCAS-Software nach dem Lion-Air-Absturz von Jakarta im Oktober vergangenen Jahres nicht mit Nachdruck verfolgt zu haben. Boeing stellte Verbesserungen der Flugsoftware in Aussicht, tat aber wenig.

    Die Washington Post berichtet, bei einem Treffen des Managements mit Piloten in Reno im November vergangenen Jahres hätten die Flugkapitäne auf sofortige Änderungen gedrängt. Es seien Versprechungen gemacht, aber keine Updates in der Software geliefert worden. Die Spannungen seien enorm gewesen. Der Konzern bestreitet das. Als Boeing die neueste Generation des Kurz- und Mittelstreckenflugzeuges im August 2011 ankündigte, stand Muilenburg noch an der Spitze der Verteidigungs- und Raumfahrtsparte. So gesehen können dem ausgewiesenen Kontroll-Freak Entwicklungs-Pannen nicht angelastet werden.

    Aber das Management der Vertrauenskrise seit dem Lion-Air-Absturz geht auf die Kappe des begeisterten Langstrecken-Radfahrers. Einen Monat nach dem Pilotentreffen in Nevada wollte der TV-Sender CNBC von Muilenburg wissen, ob Boeing genügend für die Sicherheit tue. "Das ist sehr, sehr wichtig für uns", antwortet der Boeing-Chef, der im Jahr 2013 an die Spitze des Konzerns gerückt war. "Die 737 Max ist sicher."

    Dieser Satz verfolgt Muilenburg nun, nachdem erneut ein Flugzeug von demselben Typ abgestürzt ist und erste Hinweise auf die Absturzursache Parallelen aufzeigen. Der Kongress, die Regulierungsbehörde FAA und die Investoren des Konzerns werden die Entscheidungen und Unterlassungen nun unter die Lupe nehmen. Am Ende wird Muilenburg sein Freund im Weißen Haus nicht helfen. Denn der möchte wiedergewählt werden und nicht zusammen mit dem Boeing-Chef auf Sturzflug gehen.

    Thomas Spang, 15.03.2019, 00:04 Uhr

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