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  • Reisen
    Wenn zwei Welten aufeinandertreffen

    Wenn zwei Welten aufeinandertreffen

    Auf den zu Indien gehörenden Andamanen lebt eines der letzten autarken und völlig isolierten Völker der Erde. Gleichzeitig hat sich auf Nachbarinseln in den letzten Jahren ein touristisches Angebot entwickelt. Wo man hin und nicht hindarf, weiß Jochen Müssig.

    Ein amerikanischer "Missionar" landet bewusst und verbotenerweise mit der Bibel in der Hand und "Jesus liebt euch" auf den Lippen auf Sentinel Island. Auf der zu den Andamanen gehörenden Insel wird der Fremde jedoch als Feind behandelt, von Pfeilen der Einheimischen getroffen, und er stirbt. Der Vorfall ereignete sich nicht etwa um 1700, sondern dieser Tage.

    Die Sentinelesen sind eines der letzten absolut autark und völlig isoliert lebenden Völker dieser Erde. Und nur wenige Kilometer entfernt sonnen sich Urlauber auf einigen Nachbarinseln, machen Elefantenritte in den Dschungel oder wagen sich zu anderen Indigenen, die allerdings schon Kontakt zur Zivilisation haben und deutlich weniger feindselig sind. Die Fähre braucht 56 Stunden von Kolkata, dem früheren Kalkutta. So abgelegen liegen die Andamanen im Indischen Ozean. 572 Inseln mit dichtem Dschungel, einfachen, spürbar unberührten Inseldörfern und einer hässlichen Hauptstadt: Port Blair – einst Strafgefangenenlager und jetzt Auffangbecken für Zuwanderer vom indischen Festland. Eine ganz und gar unindische Stadt: kein Tempelleben, keine Sadhus, keine Kühe auf den Straßen. Aber auch keine Kinderarbeit, keine Bettler, keine Obdachlosen.

    Insgesamt steckt der Tourismus auf den Andamanen noch in den Kinderschuhen. Der Archipel steht erst seit 1997 Besuchern teilweise offen, und die Mehrzahl der Gäste sind Inder vom Festland oder Rucksackreisende, die für fünf Euro pro Nacht in Einfachsthüttchen ihr Glück finden. Weitere Inseln sollen erschlossen werden, Flüge von Bangkok und Singapur nach Port Blair werden diskutiert. Aber was heißt das schon in Indien? Das kann Jahre oder Jahrzehnte dauern.

    Acht Touristeninseln

    Auf den Nachbararchipel der Nikobaren dürfen bis heute noch keine Urlauber. Havelock Island ist derzeit die wichtigste der acht Inseln, auf denen Touristen übernachten dürfen. Sie verfügt über ein paar Resorts der unteren Mittelklasse und sehr schöne Strände: Beach Seven ist der beste, geschwungen wie eine Banane, goldgelber Sand, mit dichtem Dschungel als grüner Kulisse dahinter. Wenn man seine Türen und Fenster vom Bungalow allerdings nicht zulässt, dann kreucht und fleucht es auch schnell im Cottage: faustgroße fliegende Käfer, Grillen, Zikaden und Moskitos veranstalten nicht nur ein andauerndes Dschungelkonzert, sondern begehren bei offenen Türen auch schnell Einlass.

    Wenn zwei Welten aufeinandertreffen

    Strände und Dörfer tragen auf Havelock keine Namen, sondern Nummern, die gleichen, die einst die Holzfällersiedlungen hatten. Alle anderen Touristeninseln bieten nur ganz spartanische Unterkünfte. Es kommen Taucher und Angler, Schlangen- und Vogelspezialisten. Die einen lockt der Dschungel mit Königskobras und seltenen Vögeln, die anderen die langen, aber meist palmenlosen Strände oder Großfische wie Haie und Speerfische sowie Meeresschildkröten. Aber auch kleine Fische zu Tausenden vermögen zu faszinieren. So vor South Button Island, wo die Schwärme ständig ändernde Formationen bilden, die wie Kunstwerke wirken.

    Ein Ausflug per Boot lohnt auch nach Henry Lawrence Island, wo bei Flut haarscharf über intakte Korallenstöcke, Schwämme und Hirnkorallen bis zur Riffkante geschnorchelt werden kann, die dann jäh ins Tintenblau des offenen Meeres abbricht. Nur wenige Kilometer entfernt sind einige Eilande und Gebiete gänzlich für Besucher geschlossen, da dort autarke Stämme außerhalb der Zivilisation, ohne technische Hilfsmittel oder andere moderne Errungenschaften leben.

    Von den insgesamt rund 300.000 Andamanen-Einwohnern sind nur noch etwas mehr als 500 Ureinwohner, die wie in der Steinzeit leben. Die Engländer bekämpften sie, Zehntausende starben. Der Tsunami vom 26. Dezember 2004 kostete dagegen kein Leben eines Ureinwohners. Die Eingeborenen wussten die Zeichen der Natur, etwa von Tieren und der vorangehenden außergewöhnlich starken Ebbe, richtig zu deuten und suchten höhere Lagen auf.

    Einige respektlose Neugierige brechen immer wieder auf, um "die letzten Wilden" zu sehen, nicht darauf achtend, dass so ein Besuch durchaus lebensbedrohlich sein kann. Für die Indigenen, weil ihr Immunsystem gegen angeschleppte Keime und Bakterien keine Chance hat. Und für die Besucher, weil es ihnen zumindest bei den Sentinelesen so ergehen kann wie dem bibeltreuen Amerikaner. Sogar Aufklärungshubschrauber, die nach dem Tsunami über Sentinel Island kreisten, um die Lage nach der Katastrophe zu erkunden, wurden mit Pfeil und Bogen beschossen. Solche Taten werden im Übrigen von den indischen Behörden nicht verfolgt. Die Indigenen stehen auf ihrem Grund außerhalb des indischen Gesetzes.

    Wenn zwei Welten aufeinandertreffen

    Anthropologen setzten vor Jahren ein Hausschwein auf South Sentinel Island aus. Es wurde sofort getötet, denn die rund hundert Sentinelesen kennen nur ihre borstigen Wildschweine. Vermutlich dachten sie, das Tier sei krank. Die hundert Onges hingegen lieben auch rosa Ferkel und teilen ihr Little Andaman Island friedliebend mit Plantagenarbeitern aus Bengalen. Sie alle sind zwar sprachlich, kulturell und genetisch miteinander verwandt, aber dennoch höchst unterschiedlich im Verhalten.

    Verrückt nach allem, was rot ist

    Die 300 Jarawa etwa sind verrückt nach der Farbe Rot. Da die Andaman Trunk Road – die North und South Andaman Island verbindet – durch ihr Land führt, hielten Stammeskrieger sogar schon Busse an, weil Insassen rote Hemden trugen, die ihnen dann wortlos abgenommen wurden. Außerdem sammelten sie alles ein, was rot war, darunter auch den kleinen roten Abfalleimer beim Fahrersitz ... Seitdem ist die Straße auf 20 Kilometer zwischen Kadamtala und Rangat weitgehend geschlossen. Nur alle zwei Stunden bilden Fahrzeuge einen Konvoi, der von der Polizei eskortiert wird. So ist es, wenn zwei Welten aufeinandertreffen.

     

    In aller Kürze

     

    So geht’s auf die Andamanen: Die Inselgruppe liegt im Indischen Ozean, etwa 1200 Kilometer östlich vom indischen Festland. Alle Wege führen über das indische Festland, über Kolkata (Kalkutta) oder Chennai (Madras). Beide Städte bedient KLM via Amsterdam mehrmals wöchentlich ab etwa 900 Euro (www.klm.com).

    Einreise: Indien ist visumpflichtig. Die Genehmigung ist vor der Einreise für rund 50 Euro einzuholen. Das Sondervisum für die Andamanen wird kostenfrei am Flughafen in Port Blair erteilt. Es besteht keine Impfpflicht für Indien. Allerdings sollte man kein Leitungswasser trinken und sehr guten Sonnen- und Moskitoschutz mitnehmen!

    Währung ist die Indische Rupie. Ein Euro entspricht knapp 80 Rupien. Die Nebenkosten sind extrem günstig. Die Andamanen sind – abgesehen von den von Ethnien bewohnten Gebieten – ohne Vorbehalte zu bereisen.

    Beste Reisezeit ist von Oktober bis Mai mit feuchtwarmen, tropischen Klima um 28 Grad.

    Zeitverschiebung im Sommer: Plus 3,5 Stunden.

    Übernachtung und Essen: „Barefoot at Havelock“-Resort; die Bungalows bewegen sich auf Zwei- bis Drei-Sterne-Niveau mit Terrasse und Bad und kosten ab rund 120 Euro für zwei Personen, inklusive Frühstück (www.barefoot-andaman.com). Das Essen im Resortrestaurant ist gut und günstig, mit köstlichen Gerichten wie täglich wechselnden Tali, verschiedenen Saucen mit Fisch, Fleisch, Huhn und Gemüse zu Reis (um 4-5 Euro). Meist spartanische Unterkünfte bieten rund 20 Resorts auf den weiteren Inseln für Touristen ab fünf Euro pro Nacht und Person.

    Weitere Infos: www.andamantourism.gov.in

    Jochen Müssig, 22.12.2018, 15:00 Uhr

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