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  • Reisen

    Die Wüste lebt – und fasziniert

    60 Prozent von Israel sind Wüste. Die Negev ist nicht nur Einöde, denn inmitten karger Mondlandschaft finden sich Naturwunder, antike Stätten, tausendfach Palmen, ungewöhnliche Lebensweisen und einmal im Jahr auch 1000 Yogis.

    Sie beginnt südlich von Jerusalem, empfängt einen mit gleißendem Licht – die Wüste. Gerade noch hat sich der fahrbare Untersatz die Autobahn 800 Höhenmeter empor mäandert, noch bevor sich die Augen an die neue Helligkeit gewöhnt haben, da geht es schon bergab. Ein Unterschied wie Tag und Nacht, zwischen dem gerade einmal wenige Minuten liegen, eine Straßentunnel-Länge. Die wichtigste Straße Israels von Tel Aviv nach Eilat verbindet the Med, the Dead and the Red, wie die Israelis das Mittelmeer, das Tote und das Rote Meer abkürzen.

    Weiße Gestalten am Toten Meer

    Sichtbare Vegetation suchen die Augen auf der anderen Tunnelseite vergebens. Lediglich ein Schild säumt etwas verloren den Wegesrand und wird nicht nur wegen seines Alleinstellungsmerkmals zum begehrten Fotoobjekt. Vielmehr markiert es den "Sea Level". Man befindet sich auf Meereshöhe, und der Tauchgang auf der Straße führt weiter in die Tiefe. 422 Meter unter dem Meeresspiegel ist die Luft Ende Oktober nicht dünn, sondern trocken und vor allem immer noch mehr als 30 Grad heiß. Die tiefste Stelle der Erde präsentiert sich als vergänglicher Ort.

    Ein stetig ansteigender Verbrauch durch Landwirtschaft und an Trinkwasser haben den Wasserspiegel des Toten Meeres in den vergangenen zehn Jahren um zwölf Meter sinken lassen. Sein Salzgehalt von 34 Prozent lässt die Badenden noch immer schwimmen wie Korken. Der erste Körperkontakt mit dem 27 Grad warmen Wasser unterscheidet sich kaum von herkömmlichem Salzwasser. Doch wer es zu fassen versucht, spürt eine ölige Konsistenz. Doch bleibt kein "Ölfilm" auf der Haut zurück, keine Wasserperlen.

    In Bademäntel gehüllt, wandeln weiße Gestalten auf den Gehsteigen unaufhörlich zum Meer. Die heilende Wirkung des Wassers für Gelenke und Haut und die besonders mineralhaltige Wüstenluft veranlasst Touristen, sich bereits frühmorgens wie Luftmatratzen im Wasser treiben zu lassen oder ihre Haut mit schwarzem Schlamm zu bedecken.

    Eine Seilbahn würde man mitten in der Wüste ebenso wenig erwarten wie eine Festung hoch über dem Toten Meer. In Masada gibt es das. Der römische König Herodes der Große hatte 37 v. Chr. die Festung als strategischen Ort der Zuflucht vor seinen Feinden errichten lassen. Ein Zeugnis römischer Baukunst, angelegt auf drei Ebenen, mit einem Palast, einem ausgeklügelten Wassersystem und mehreren Badehäusern, in denen Architekten in der Gegenwart kunstvolle Mosaike freilegten. Jedes Kind in Israel kennt das tragische Ende der Festung, das sich im Jahr 66 n. Chr. ereignete. Um nicht in römische Gefangenschaft zu geraten, hatten knapp tausend jüdische Zeloten nach sechsjähriger Belagerung gemeinschaftlich Selbstmord verübt. Masada als umkämpfte Festung, umzingelt von Feinden, ist nach wie vor für viele Israelis ein Symbol jüdischen Behauptungswillens. Der Ort hatte lange auch bei der Armee nicht nur symbolischen Stellenwert. Knapp 30 Jahre lang wurden in Masada alljährlich die israelischen Rekruten vereidigt. Seit 2001 zählt die Festung zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein besonderes Erlebnis bietet sich Frühaufstehern, die vor fünf Uhr die Festung auf dem Fußweg besteigen – ein Sonnenaufgang über der Wüste und dem Toten Meer.

    Yoga mitten im Nichts

    200 Kilometer weiter südlich, im Timna-Park, ist die Sonne gerade am Verschwinden, die Hitze des Tages nur noch eine Erinnerung, gespeichert im angenehm warmen Wüstenboden. Tausend vornehmlich weiß gekleidete Menschen folgen auf ihren Matten hochkonzentriert den Anweisungen der Berlinerin Patricia Thielemann und strecken sich erstaunlich synchron in diversen Yoga-Übungen. Sie versuchen am Fuße mächtiger Felsformationen Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen – und zwar gemeinsam. Ein laues Lüftchen umweht die Yogis aus aller Welt. Die ersten Sterne leisten ihnen mittlerweile Gesellschaft.

    Seit neun Jahren treffen sich immer am ersten Wochenende im November Yoga-Begeisterte beim so genannten "Yoga Arava". Mehr als 40 Workshops, geleitet von den besten Yogatrainern Israels und Gasttrainern aus Europa, waren es in diesem Jahr. Die sogenannte "Night of Unity" ist ihre Abschlussveranstaltung, ein großes Come-together mitten in der Wüste. Etwas, das auch ausländische Gäste zunehmend zu schätzen wissen. Ab 2020 soll es deshalb auch im Frühjahr ein Yoga-Arava geben.

    Auch für Nicht-Yogis lohnt sich ein Abstecher in den 60 Quadratkilometer großen Timna-Nationalpark. Dass hier bereits die ägyptischen Pharaonen Stollen in den Fels treiben ließen, um Kupfer abzubauen, davon zeugt ein hollywoodreifer Film im Besucherzentrum. Dort befindet sich auch der Ausgangspunkt für die 40 Kilometer Wander- und Radwege, die durch den Nationalpark führen. Weniger Bewegungshungrige können die rötlich, braun und grünlich schimmernden Felsformationen, die der Wind zu Pilz- oder tempelartigen Gebilden geformt hat und die deshalb Namen wie "The Mushroom" "The Crocodile" oder "Spiral Hill" tragen, auch mit dem Auto entdecken.

    Geologisch nicht minder einzigartig ist der Ramon-Krater in Mitzpe Ramon. Mit seinen 40 Kilometern ist er der größte Erosionskrater der Welt. Über Jahrmillionen wurden weichere Gesteinsschichten wie der Sandstein aus härteren Schichten herausgewaschen.

    Auch hier wartet ein Besucherzentrum auf die Gäste – mit einer ebenfalls beeindruckenden Filmvorführung über die Entstehung des Kraters. Sie zahlt sich allein schon deshalb aus, weil sich zu Filmende der Fenstervorhang hebt und den Blick auf die atemberaubende Kraterlandschaft freigibt. Wer sich sattgesehen hat, kann mit Jeep und Guide das Gelände erkunden, erwandern oder die Nacht im Krater auf dem Zeltplatz verbringen.

    Von der Stille in den Trubel

    Die Freude über das Hotelzimmer mit Meerblick im siebten und obersten Stockwerk währt kurz, gerade so lange, bis das erste Flugzeug zur Landung ansetzt. Würde es auf dem Rücken fliegen, man könnte den Piloten zuwinken. Wer hier landet, kann sich getrost das Taxigeld sparen und den Weg zu Fuß in eines der 55 Hotels antreten. Willkommen in Eilat, willkommen in Israels Bademetropole am Roten Meer mit jährlich 2,8 Millionen Touristen.

    Eilat, das ist Meer und Entertainment auf engstem Raum. Die Touristen werden mit jeglichem Unterhaltungsangebot bespaßt – sie können tauchen, mit Delphinen schwimmen, Haie und Rochen im Unterwasserobservatorium beobachten, auf Kamelen in der Wüste reiten oder doch lieber der Hitze entfliehen und in der Eishalle in kurzen Hosen Schlittschuh laufen oder Cocktails aus einem Eisglas schlürfen. Wer hier Idylle sucht, sollte zurück in die Wüste. Glücklicherweise ist sie nicht weit.

    Leben und Übernachten in einem Kibbuz

    Keine ist so weich, so fleischig, so groß und so süß wie sie. Die Medjoul ist eine Königin – unter den Datteln. Früher nur den Herrschenden vorbehalten, ist sie eine weitere Überraschung der Wüste. Obwohl die Wurzeln der mehr als 20 Meter in den Himmel ragenden Palmen vor allem während der Reifezeit immer nass sein müssen, stehen hier im südlichen Teil der Negev, wo die Sommer schon einmal 55 Grad heiß werden können, ganze Plantagen. Mit recyceltem Wasser werden sie bewässert. Medjoul-Datteln sind darüber hinaus ein Exportschlager und die Haupteinnahmequelle vieler Kibbuze in der Wüste.

    Kibbuze sind eine gute Möglichkeit, in der Wüste zu übernachten. Viele betreiben Gästehäuser, und es bietet sich die Möglichkeit, diese gemeinschaftliche Lebensform, bei der es kein Privateigentum gibt und das tägliche Leben kollektiv organisiert ist, kennenzulernen. Jeder Kibbuz hat seine eigenen Einnahmequellen, welche, darüber entscheidet das Kollektiv.

    Auch im Kibbuz Elifaz kann in einem von 25 kleinen Gästehäusern übernachtet werden. Sie sind schlicht, sauber und komfortabel. Es gibt Klimaanlage und Fernseher, Internetanschluss sowieso. Mit 55 Mitgliedern ist Elifaz einer der kleinsten Kibbuze in der Arava. Man lebt von Tourismus und Landwirtschaft, vorwiegend Dattelproduktion. Zu Ehren der Medjoul wird Anfang November zwischen den abgeernteten Palmen ein Dattel-Festival abgehalten. Die beiden Glashäuser auf der Palmenplantage, in denen Zucchini, Gurken sowie unterschiedlichste Kräuter gedeihen, dienen lediglich Anschauungszwecken. "Die sind für Touristen und Schüler, um ihnen zu zeigen, was in dieser unwirtlichen Gegend möglich ist. Bitte zugreifen und kosten", sagt Plantagenchefin Vita.

    Kibbuz Ketura: Privatsphäre und das alle alles wissen, sei eine der größten Herausforderungen an dieser Lebensform, erzählt Yuval Benhai. Der 38-jährige Wirtschaftsingenieur und dreifache Familienvater lebt seit 17 Jahren in Ketura, mit 170 Mitgliedern einer der größten in der südlichen Negev. In Ketura hat man sich auf Algen- und Solartechnologie spezialisiert, betreibt Israels erstes kommerzielles Solarfeld und braut seit kurzem auch Bier.

    Als Ökodorf hat sich der benachbarte Kibbuz Lotan einen Namen gemacht. Alle Häuser bestehen aus Stroh und Lehm, sind selbstgebaut. Strom und Gas werden selbst erzeugt, Obst und Gemüse kommen aus eigenem Anbau, die Abfälle werden kompostiert, und selbst die Toiletten sind öko. Es gibt mehrwöchige Trainingsprogramme über ökologische Bau- und nachhaltige Lebensweise, und übernachten kann man in einem der Kuppelhäuser aus Lehm.

     

    Infos unter:
    www.kibbutzloton.com
    www.elifaz.co.il/en/
    www.ketura.org.il

     

    Zahlen

    12.000 Quadratkilometer groß ist die Negev-Wüste, das entspricht der Fläche von Oberösterreich.

    1,9 Prozent beträgt das jährliche Bevölkerungswachstum in Israel, das 8,7 Millionen Einwohner zählt, knapp zehn Prozent wohnen in der Wüste. Bei der Staatsgründung 1948 lebten 800.000 Bewohner in Israel.

    43.000 Tonnen Datteln werden jährlich in Israel produziert, der Großteil wird nach Europa exportiert. Forscher fanden 1963 auf der Festung Masada 2000 Jahre alte Dattelsamen. 2005 wurden drei Samen ausgesät, wovon einer – genannt Methusalem – keimte.

    Wüstenwissen

    Die Negev-Wüste bedeckt in Form eines Dreiecks den Süden Israels und erstreckt sich von Be’er Sheva im Norden über Mitzpe Ramon bis nach Eilat im Süden.

    Die Arava(senke) ist ein Teil der Negev und verläuft entlang der jordanischen Grenzen vom Toten Meer bis Eilat in Form eines schmalen Streifens von 160 Kilometer Länge und 10 bis 25 Kilometer Breite. 5000 Menschen leben im Arava-Gebiet, es gibt 13 Kibbuze.

    Das Klima in der Negev ist trocken und heiß. Es kann noch im September an die 50 Grad heiß werden. Als Reisezeit empfiehlt sich deshalb der Spätherbst und das Frühjahr.

    Flugverbindung: Israels nationale Fluggesellschaft El Al fliegt elf Mal wöchentlich Wien–Tel Aviv, täglich außer Samstag; die AUA täglich zwei Mal. Die Flugdauer beträgt dreieinhalb Stunden, MEZ + eine Stunde. Im Frühjahr öffnet der Ramon-Flughafen in der Nähe von Eilat, der den jetzigen mitten in der Stadt ersetzen wird.
    Währung/Geld: Der Schekel ist die Währung Israels. 1 Euro = 3,898 Schekel (ILS oder NIS).

    Tzukim: Ein Zwischenstopp in dem 300 Bewohner zählenden Wüstendorf mitten in der Arava lohnt in vielerlei Hinsicht. Die ehemalige Militärbasis ist heute ein Künstlerdorf. Die einstigen Soldatenunterkünfte wurden zu Ateliers umgebaut, die gleichzeitig als Verkaufsräume dienen. Auch Gästehäuser zum Übernachten gibt es in Tzukim – mit Blick auf die einzigartige Wüstenlandschaft. Den kann man auch im klimatisierten Yogastudio von Anael Motola genießen und dabei bei Yogaübungen entspannen.

    Hervorragendes Essen wird im nahegelegenen Restaurant Ursula serviert. Gegründet von einer Deutschen mit Schwerpunkt auf deutsch-italienischer Küche mit israelischem Einschlag und selbstgebrautem Bier.

    Infos:

    yogaarava.co.il
    www.parktimna.co.il
    www.en.araraway.co.il

     

    Von Roswitha Fitzinger, 01.12.2018, 15:02 Uhr

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