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  • Reisen
    Flanieren im "Wien am Meer"

    Flanieren im "Wien am Meer"

    Triest ist einer jener Sehnsuchtsorte an der Adria, die vom (vielfach abgeblätterten) Glanz vergangener, glorreicher Zeiten leben. Die altösterreichische Schönheit erschließt sich dem Besucher oft erst auf den zweiten Blick – dafür kommt er dann nicht mehr los von dieser Stadt.

    Triest ist keine Stadt, die sich dem Besucher sofort an den Hals wirft. Die altösterreichische, zuweilen morbide Schönheit im äußersten Osten Italiens will entdeckt, ergangen – ja, regelrecht erobert werden. Der besondere Charme, das Melancholische, Liebenswerte, Eigensinnige und Lebendige erschließt sich oft erst auf den zweiten Blick. Die drei Winde – Bora, Scirocco und Mistral – haben Triest ebenso geprägt wie die lange Herrschaft der Habsburger und das seit Jahrhunderten existierende Vielvölkergemisch. Das merkt man heute noch.

    Zentraler Dreh- und Angelpunkt der Stadt ist die Piazza Unità d’Italia, einer der schönsten Hauptplätze der Welt. Drei Seiten sind mit wunderschönen Häusern und Palais verbaut – und die vierte Seite ist offen zum Meer. Auf mehr als 15.000 Quadratmeter zeigt dieser Platz, was Triest charakterisiert: Bauten, die an die Wiener Ringstraße erinnern, Offenheit (nicht nur zum Meer hin) und italienisches Flair. Am besten saugt man diese spezielle Mischung auf, wenn man im traditionsreichen Caffè degli Specchi sitzt und dem bunten Treiben längere Zeit zuschaut. Wer dabei einen Kaffee trinkt, kommt der Stadt noch näher.

    Flanieren im "Wien am Meer"

    Vom zentralen Platz aus kann man Triest perfekt zu Fuß erkunden. Dabei sollte man nicht nur den Trampelpfaden folgen, sondern einfach einmal abbiegen. Wer sich treiben lässt, stößt immer wieder auf Kleinode. Da entdeckt man etwa auf dem Türstock eines Gebäudes den Schriftzug "K. K. Staatsgymnasium". Und man stößt in der schmalen Gasse Vicolo delle Ville auf eine Villa eines Anti-Mafia-Richters, in der schusssichere Fenster verbaut sind. Autos können hier gerade einmal durchfahren. Man kann zwar anhalten, aber die Türen lassen sich aufgrund der geringen Breite der Gasse nicht öffnen – zur Sicherheit des einst hier wohnenden Juristen.

    Verschnaufen in der Gran Malabar

    Wer lange genug durch die Altstadt flaniert, landet irgendwann einmal auf der Piazza San Giovanni. Das ist aus zweierlei Gründen gut: Denn gleich neben dem Denkmal des berühmten italienischen Komponisten Giuseppe Verdi befindet sich die "Gran Malabar". Sie ist die wohl bekannteste Weinbar der 204.000-Einwohner-Stadt und bietet eine riesige Auswahl an (offenen) Weinen. Im Keller des Betreibers, der "Herr Walter" genannt wird, lagern angeblich mehrere Tausend Flaschen vom Rebensaft. Zum Wein gereicht werden übrigens stets kleine Kostproben von Wurst und Käse aus der Region. Und natürlich schmeckt auch hier der Kaffee exzellent – wie übrigens in ganz Triest.

    Gleich daneben findet sich wieder eines dieser Kleinode, die Triest so liebenswert machen: In der "Drogheria Toso" scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Halsweh-Zuckerl wie die empfehlenswerten "Gocce di Pino" werden noch aus der Glasdose heraus abgewogen und verkauft, Gleiches gilt für den verführerisch duftenden "Earl Grey"-Tee. Seit der Eröffnung im Jahre 1906 hat sich in diesem nur 85 Quadratmeter großen Verkaufsraum fast nichts verändert – nur die Währung zum Bezahlen ist heute eine andere.

    Flanieren im "Wien am Meer"

    Monumentaler Sichtbeton-Bau

    Den besten Blick auf Triest, den Hafen, den Golf und bis nach Slowenien hinein hat man übrigens von der Wallfahrtskirche "Monte Grisa" aus, die etwa acht Kilometer von der Stadt entfernt auf dem 330 Meter hohen, gleichnamigen Berg thront. Der monumentale Sichtbeton-Bau wurde 1966 vollendet.

    Gebaut wurde die architektonisch ungewöhnliche Pilgerstätte, weil Antonio Santin, der damalige Bischof von Triest, im Jahr 1945 ein Gelübde abgelegt hatte. Er werde, versprach er, eine Kirche bauen, sollte die Stadt im Krieg vor der Zerstörung bewahrt werden. Papst Johannes XXII. gab schließlich die Erlaubnis zum Bau.

    Von Monte Grisa aus ist es nicht mehr weit in eine Osmiza, im Umkreis von Triest gibt es rund 50 dieser Heurigen. Welche von ihnen gerade "ausgesteckt" hat, erfährt man auf der Homepage www.osmize.com. In den Osmize gibt es neben Wein köstliche Jausenplatten und duftende Mehlspeisen.

    Flanieren im "Wien am Meer"

    Stadt des Kaffees

    Nirgendwo sonst in Italien wird mehr Kaffee getrunken als in Triest. Das geht sogar so weit, dass es in der Stadt eigene Bezeichnungen für das beliebte Getränk gibt: Wer einen Espresso will, bestellt einen „Nero“, der Espresso macchiato im Glas heißt „Capo in B“ (das „B“ steht für bicchiere) etc.

    Klassische Cafés gibt es in der ganzen Stadt, die Preise für das braune Gold sind moderat. Ein geschwinder „Nero“ an der Bar kostet in der Regel 1 Euro. Hier einige Tipps für Kaffeefreunde:

    Caffè degli Specchi (Piazza Unità): Sehen und gesehen werden – das ist das Motto in diesem mondänen Café, das seit 1839 existiert und berühmt für seinen Gastgarten ist. Es gibt es unzählige Kaffeevarianten – und zum Aperol Sprizz werden liebevoll belegte Brötchen und Chips gereicht. Hier kann man Stunde um Stunde sitzen und schauen...

    Caffè Tommaseo (Piazza Nicolò Tommaseo 4): Das älteste noch betriebene Kaffeehaus der Stadt wurde 1830 eröffnet. Hier gab es auch das erste Speiseeis in Triest. Die ursprüngliche Innendekoration ist weitgehend erhalten.

    Flanieren im "Wien am Meer"

    Caffè San Marco (Via Cesare Battisti 18): Mit seiner original erhaltenen Jugenstileinrichtung ist dieses Buch-Café ein beliebter Treffpunkt, auch für Literaten. Der in Triest geborene Autor Claudio Magris ist hier Stammgast. Empfehlenswert ist neben den diversen Kaffeevarianten der Apfelstrudel.

     

    Eine Geschmacksexplosion nach der anderen

    Matteo Metullio erkochte im Gourmetrestaurant „Harry’s Piccolo“ einen Michelin-Stern – völlig zu Recht.

    Großartiges Essen gab es in Triest immer schon, doch in Sachen Spitzengastronomie herrschte Nachholbedarf. Nun hat die Stadt mit dem "Harry’s Piccolo" wieder ein Gourmetrestaurant, das mit einem Stern im Guide Michelin ausgezeichnet wurde. Verantwortlich dafür zeichnet Spitzenkoch Matteo Metullio, der mit seinem Küchenteam seit April in dem Traditionslokal im Hotel Duchi d’Aosta an der Piazza Unità werkt.

    Ein Abend im kleinen, feinen "Harry’s Piccolo" (nomen est omen, es gibt nur vier Tische) garantiert eine Geschmacksexplosion nach der anderen – und das ganze drei Stunden lang. Wer sich für eines der Gourmetmenüs (fünf oder sieben Gänge, mit oder ohne Weinbegleitung) entscheidet, braucht allein gut eine Stunde, bis all die köstlichen Grüße aus der Küche verkostet sind.

    Eine Geschmacksexplosion nach der anderen

    Grandios dabei ist etwa die warme Kartoffelcreme mit Safran und gerösteten Mandeln, die in einer speziellen Glaskugel serviert wird. Als Vorspeise überzeugt die gegrillte Gänseleber mit einer Creme von der weißen Melone und Safranschaum. Dann folgen wunderbar-flaumige Gnocchi mit Morcheln und Kalbsbries.

    Ein grandioser Gang ist Zweierlei vom Huhn: zartes, weiches, saftiges Brüstchen mit Kartoffelschaum und ein Huhn-"Doppeldecker". Letzterer wird auf dem Tisch noch mit Kümmel-aroma beduftet – ein Spektakel!

    Matteo Metullios Menü im "Harry’s Piccolo" harmoniert perfekt von Anfang bis zum Schluss. Jeder Gruß aus der Küche, jeder Gang passt. Es ist ein klarer roter Faden erkenn- und vor allem schmeckbar. Auf einen Kaffee zum Abschluss kann man getrost verzichten, damit der Geschmack des Abends noch lange nachwirkt.

    Harry’s Piccolo, Restaurant im Hotel Duchi d’Aosta, Piazza Unità, Triest, Di. bis Sa., 19.30 bis 22.30 Uhr, www.duchi.euwww.harrystrieste.it

     

    Hilfreiche Lektüre zum Triest-Aufenthalt

    Zum Schmökern und Schwelgen: Wer das heutige Triest verstehen will, sollte sich mit der Geschichte der ehemaligen k. u. k. Residenzstadt an der oberen Adria beschäftigen. 100 Jahre ist es her, dass die Habsburger aus dem „Wien am Meer“ vertrieben wurden. Am 3. November 1918 legte der italienische Zerstörer „Audace“ an – und die Herrschaft der Österreicher war Geschichte. Beim Einordnen, beim Entdecken der Zusammenhänge hilft dieses großartige Buch. Und es lädt zum Schwelgen und Schmökern ein. Auch nach der Rückkehr.
    Peter Weinhäupl: „Triest – Der Hafen Mitteleuropas“, Brandstätter Verlag, 224 Seiten, 50 Euro

    Der unerlässliche Pfadfinder: Wer zum ersten Mal in Triest ist, braucht Hilfe bei der Orientierung. Die leistet dieses Buch, das beim Pfadefinden unterstützt und viele wertvolle Tipps bereithält.
    Britta Ramhapp: „Triest“, Styria Verlag, 176 Seiten, 19,90 Euro.

    Die Trampelpfade verlassen: Triest ist nicht überlaufen, aber es gibt Hotspots. Diese meidet das feine Buch und bringt uns die Stadt abseits der Trampelpfade näher.
    Wolfgang Salomon: „Triest abseits der Pfade“, Braumüller Verlag, 176 Seiten, 14,90 Euro

     

    Clemens Schuhmann, 25.11.2018, 00:04 Uhr

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