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  • Reisen
    Fluss, der viel zu erzählen weiß

    Ein Fluss, der viel zu erzählen weiß

    Die Rhone ist eine Lebensader, an deren Puls sich die Geschichte des Abendlandes ertasten lässt. Gladiatoren ließen sich feiern, Päpste residierten, Mönche kasteiten sich. Hannes Fehringer ankerte mit dem Kreuzfahrtschiff an den wichtigsten Ufern.

    Zugegeben, Cluny liegt nicht an der Rhone, sondern man muss deren Schwesterfluss Saône ein gutes Stück hinaufschippern, um am Ufer anzulegen, auf dem einst im Hochmittelalter die größte Basilika der Christenheit stand, bevor in Rom der noch mächtigere Petersdom errichtet wurde. Doch Protz und Prunk war den Mönchen hier zuwider gewesen. Im Saeculum obscurum, dem "finsteren Jahrhundert" der Kirche, ereilte Papst Johannes XII. 964 der Tod im Bett seiner Geliebten. Neueren Forschungen zufolge dürfte es doch nur ein Schlaganfall und nicht der Dolch in der Hand des gehörnten Ehemannes gewesen sein, der das Lotterleben des Nachfolgers Petri mit unzähligen Ausschweifungen beendet hatte.

    In dieser Zeit lehrten die Äbte von Cluny ihre Klosterbrüdern wieder zu beten. Abt Hugo erlegte seinen Mönchen in Cluny sogar auf, jeden Tag statt der 37 Psalmen, die der heilige Benedikt in seiner Ordensregel vorgegeben hatte, gleich 215 zu rezitieren. Die heiße Glut des Glaubens entflammte das Feuer auch ringsum; um das Jahr 1200 hatte Cluny 1500 Niederlassungen auf dem ganzen Kontinent. Wenngleich die Reformer aus Cluny vor lauter Frömmigkeit kaum mehr aus dem Chorgestühl kamen, organisierten sie die Armenfürsorge. Geprägt war der Glaube aber von Gottesfurcht, dem Totenschädel auf dem Tisch und einem Fundamentalismus, bei dem es wenig zu lachen gab. Schon mit Papst Urban II. hatten die Reformer von Cluny einen Kirchenmann aus ihren Reihen auf dem Petrusstuhl, der 1095 zum ersten Kreuzzug aufrief. Gewiss war Cluny auch eine Triebfeder dafür, dass sich der Zölibat als Pflicht für die Priester verfestigte.

    Dieser strenge und militante Glaube muss frei denkenden Menschen und ehrgeizigen Weltveränderern wie Knebel und Fesseln vorgekommen sein. Napoleon, Kaiser der Franzosen ebenso wie ein Kind der Aufklärung, ließ 1810 die massiven Kirchengemäuer ohne großes Federlesen in die Luft sprengen. Aus den Ziegeln, die er aus dem Schutt holen ließ, wurde an der Stelle des Gotteshauses der nationale Reitstall gebaut. Cluny als Bildnis von sturer Engstirnigkeit muss einen derartigen Hass auf sich gezogen haben, dass von dem gewaltigen Hauptschiff und drei gigantischen Türmen nur eine Dorfkirche übrig geblieben ist.

    In Lyon zurückgekommen, kurz vor dem Zusammenfluss der Saône in die Rhone, thront wieder eine Kirche auf einem Hügel über dem Flusstal. Ihre neugotische Gestalt eines Zauberschlosses verleiht der Kathedrale "Notre-Dame de Fourvière" nicht gerade Bescheidenheit. Ihre Grundsteinlegung erfolgte nur zwei Jahre später, nachdem Papst Pius IX. und das Erste Vatikanische Konzil dem politischen Ende des Kirchenstaates mit dem Unfehlbarkeitsdogma trotzten.

     

    In Lyon sitzt die Weltgeschichte aber nicht nur auf dem Schoß der Kirche, denn die Rhone hat an ihren Ufern auch Profanes zu erzählen. Häuserfassaden zu betrachten, ist dabei eine höchst vergnügliche Lektion. "La Fresque des Lyonnais" schmückt über sechs Stockwerke an der Kreuzung "Quai Saint-Vincent" und der "Rue de la Martinière" ein Hochhaus mit 24 historischen Persönlichkeiten und sechs berühmten Zeitgenossen. Die Porträts sind so realistisch gemalt, dass man glaubt, die Leute wie die Gebrüder Lumière, die beiden Kino-Erfinder, kurbelten tatsächlich auf dem Balkon an ihrer Vorführkamera. Im Erdgeschoß bittet der im vergangenen Jahr verstorbene beste Koch der Welt Paul Bocuse in sein Bistro aus Farb- und Pinselstrichen.

    Moderne Architektur aus Österreich

    Direkt am Zwiesel zwischen Rhone und Saône schwappt die Erfolgsstory über die Wellen, dass für das "Museum des Zusammenflusses", das aussieht wie ein Tragflügelboot, die Wiener Architektengruppe "Coop Himmelb(l)au" im Jahr 2001 gegen weltweite Konkurrenz den Zuschlag erhielt.

     

    Spätestens in Avignon kommen wir der Religionsgeschichte wieder nicht aus, Stadt und Kirche haben sich gegenseitig geprägt. Der erste der Päpste in Avignon und dessen Nachfolger kamen ab 1309 freiwillig in die Rhone-Stadt, um hier fernab der Machtkämpfe in Rom ihre Residenz aufzuschlagen. Computergrafiken, die anhand von Fresken und Kupferstichen im Palast erstellt wurden, bezeugen, dass der "Diener der Diener Gottes" wegen der großzügig ausgestatteten Küchen, Gemächer und Speisesäle wie Gott in Frankreich gelebt hat. Dem Kinderlied gemäß, hätten die höchsten Würdenträger dann auch auf der "Brücke von Avignon" tanzen müssen, weil das dort angeblich jeder machen muss. Ein paar Schritte Ringareia können deshalb nicht schaden, weil sowieso kein motorisierter Verkehr auf den "Pont Saint-Bénézet" darf und auch Fußgänger die Brücke nicht überqueren können. Hochwässer haben ein paar Bögen fortgeschwemmt, sodass nur der unter UNESCO-Weltkulturerbe gestellte Torso geblieben ist.

    Eine andere Geschichte – Triumph und Tragik – erzählt die Rhone in Arles. Schon zur Römerzeit wurden in dem um 80 bis 100 n. Chr. erbauten Amphitheater Gladiatoren nach den Kämpfen wie Popstars gefeiert und herumgereicht. Um den Ekelgeruch von Schweiß und Blut in der Sommerhitze zu vertreiben, wurde ein ausgeklügeltes Belüftungssystem mit Parfüms betrieben. Heute sind Stierkämpfer die Helden, und wenn der Wettkampf nach Plan läuft, fließt kein Tropfen Blut. Bei der südfranzösischen Spielart des "Course Camarguaise" muss ein mutiger und vor allem flinker Torero dem Stier eine Masche von den Hörnern reißen, während Gehilfen den Bullen mit wilden Gesten in der Arena ablenken. Die Stiere kommen nach den Shows zur Erholung wieder zurück auf ihre Weiden in der Camargue, wo sie von berittenen Hütern auf die Wiesen getrieben werden.

    Blut ist in Arles aber in dem "gelben Haus" geflossen, auf das eine in den Gehsteig versenkte Hinweistafel des "Van Gogh Trail" weist. Der weltberühmte Maler hat in dem Gebäude gewohnt und sich das rechte Ohr abgeschnitten. Erst dieser Tage ist es gelungen, den Verlauf des fortschreitenden Wahnsinnes des Künstlers genau zu rekonstruieren. Es ist der Vortag des Heiligen Abends 1888, als in der Wohnung in dem "gelben Haus" Vincent van Gogh mit seinem Freund und Malerkollegen Paul Gauguin heftig in Streit gerät. Van Gogh hat ein rastloses Jahr hier in Südfrankreich hinter sich, über 200 Bilder gemalt und kaum einen Tag ausgelassen, an dem er nicht ins Bordell gegangen wäre. In seinem Zornausbruch nimmt er ein Messer und schneidet sich sein rechtes Ohr ab. Dieses wickelt er in ein Tuch und bringt es einer der Prostituierten, die "Rachel" heißt. Van Gogh malt sich daraufhin in einem Selbstporträt, das Gesicht mit weißem Verband umhüllt, eine rauchende Pfeife im Mund.

    Fluss, der viel zu erzählen weiß

    Schiff

    Die MS Thurgau Rhone befährt Saone und Rhone und ist ein Flusskreuzfahrtschiff mit künstlerischem Interieur und Lebensstil. Die hervorragende Küche bekocht kein Buffet, sondern die jeweils vor dem Essen vom Gast gewählten A-là-Carte-Menüs werden zu Tisch serviert. Unsere Flussfahrt wurde in der Bar von einem Pianisten und von einer Dixie-Jazzband begleitet.

    reisetipps

    Buchung Klug Touristik (www.klugtouristik.com) bietet über seinen Partner in Oberösterreich, Mader-Kuoni, (Katsdorf, Linz-Hauptplatz, Linz-Hofgasse, Linz-Interspar, Perg, Leonding, Marchtrenk, St. Valentin und Steyr, www.maderreisen.at) mit der MS Thurgau Rhone achttägige Kreuzfahrten „Flusszauber an Rhone und Saone“ zum Ab-Preis von 1549 Euro (bei Frühbucherbonus bis 31. Jänner) an (inkl. Hin- und Rückflug Linz-Lyon). Die Kreuzfahrt ist auch ohne Flug ab 1099 Euro erhältlich.

     

    01.12.2018, 02:32 Uhr

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