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    Zwei Waizenkirchner retten tausende Zeitungen

    Zwei Waizenkirchner retten tausende Zeitungen

    WAIZENKIRCHEN. Einen riesigen Schatz an Zeitgeschichte haben Pädagoge Christian Humer und Bildhauer Rudolf Pointinger gehoben.

    Schriftsteller Alois Brandstetter aus Pichl schreibt in "Zu Lasten der Briefträger" über Postler, die ihren Job wörtlich nehmen: Statt den "Postwurf" zuzustellen, werfen sie ihn über ein Brückengeländer in den Bach.

    Ein ganz anderes Kaliber dieses Berufsstandes war Ferdinand Humer (1903-1987) aus Waizenkirchen. Sein Leben war geprägt von der Leidenschaft, Alltagsgegenstände zu sammeln. Eine Folge: Im Nachlass fanden sich Tages- und Wochenzeitungen aus den Jahren 1905 bis 1987. Ab dem Zweiten Weltkrieg sind "Tagblatt", "Oberösterreichische Nachrichten", "Die Presse", "Volksblatt" oder das "Welser Echo der Heimat" fast vollständig erhalten.

    Enkel Christian Humer (50) aus Stroheim wird den Schatz nun mit seinem Freund Rudolf Pointinger heben. Auf dem Dachboden des Waizenkirchner Künstlers "Poli" Pointinger (51) sind derzeit die rund 30.000 Zeitungen gelagert – vorübergehend. Nicht nur, weil im Frühjahr die Grieskirchner Brauerei die leihweise zur Verfügung gestellten Biertische wieder benötigt.

    Bis dahin wollen Pointinger und Humer das schier Unmögliche vollbracht haben: Aus den Unmengen an Informationen Texte zu sammeln, die Mitte Juni bei einer Lesung des "Ateliers P 13" im Gasthaus Mayrhuber gelesen werden. Akkordeonistin und Musette-Weltmeisterin Veronique Daelman spielt die typische französische Musik, Iris Heitzinger und Wolfgang Schönleitner werden rezitieren.

    Die Auswahl der Texte ist die riesige Herausforderung: "Das wird Zeitunglesen über die Zeitspanne eines Menschenlebens", sagt Pointinger. "Wir befassen uns sozusagen mit dem Leben von Christians Opa, der so freakig war, alles aufzuheben: Er hat also Spuren hinterlassen." Diese Frage stelle er sich in seiner Künstler-Rolle ja auch regelmäßig.

    Durch einen roten Faden als Generalthema der Lesung will sich das Duo nicht einschränken lassen: "Wir präsentieren Texte, die uns bei der Recherche packen, uns berühren", sagt Pointinger: "Es muss nicht reißerisch sein, es soll auch poetisch sein – wir wollen Inhalte zeigen, über die man im 21. Jahrhundert vielleicht schmunzelt."

    Für Humer steht fest: "Wir bieten ein Stück Zeitgeschichte zum Angreifen." Nicht nur, weil lokale Ereignisse zitiert werden. "Wir werden die Zeitungen nach der Lesung einen Monat im Gasthaus Mayrhuber ausstellen: Wer Interesse hat, kann Exemplare kaufen", sagt Humer. Eine echte Zeitung sei eine andere Qualität als die vielerorts angebotenen Zeitungskopien für Geburtstagspräsente.

    Was passiert mit dem Rest? "Das lassen wir uns offen, vielleicht kommen ja während der Textrecherche noch gute Ideen."

    Friedrich M. Müller, 09.11.2018, 08:09 Uhr

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