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    Ob Firma oder Hof: "Ohne Bildung keine Weiterbildung"

    Bauer sein heißt Unternehmer sein

    INNVIERTEL. Die Qualifizierung zum Meister ist in der Landwirtschaft die Top-Ausbildung; zwei Absolventen des Meisterkurses in Braunau im Kurzporträt über ihre Arbeit als Bauer

    Bauer sein ist heutzutage ein komplexes Geschäft. Um fachlich top ausgebildet zu sein, setzen viele auf die Meisterausbildung. 13 Landwirte aus dem Bezirk haben diesen Kurs kürzlich abgeschlossen, im Herbst startet der nächste Lehrgang.

    Die Qualifizierung zum Meister sei nach wie vor die bedeutendste Form der beruflichen Ausbildung in der Land- und Forstwirtschaft, sagt Christian Huber. Der 33-jährige Pischelsdorfer ist Kursverantwortlicher für die Meisterausbildung in der Bezirksbauernkammer Braunau. Landesweit wurden kürzlich 127 Meisterbriefe überreicht und dreimal der Titel „Meister des Jahres“ verliehen. Einmal ging dieser in den Bezirk, nämlich an Simon Kneißl aus Polling (siehe unten).

    Drei Jahre beträgt die Kursdauer, wesentliche Inhalte sind neben Betriebswirtschaft, Pflanzenbau, Unternehmensführung, Tierhaltung, Landtechnik auch Recht und Agrarpolitik. Die Ausbildung ist praxisbezogen, als Forschungsobjekte dienen sozusagen die Bauernhöfe der Teilnehmer. Im Vergleich zu früher sieht das Anforderungsprofil des Bauern von heute anders aus: „Die erfolgreiche Führung eines Betriebes verlangt höchste fachliche und unternehmerische Kompetenzen. Eine blühende Landwirtschaft braucht Betriebsführer, die sich dieser Aufgabe mit Wissen, Innovationskraft und Freude stellen“, sagt Huber.

    Bei angestellten Meistern steigt das Gehalt, bei den Landwirten indirekt: Sie werden dahingehend gelehrt, sich selbst mehr Gewinn zu erwirtschaften. Das Bewusstsein für die Stärken am eigenen Hof schärfen und zukunftsorientiert denken – zwei Handlungen, die nach Huber wesentlich zum Erfolg beitragen.

    Anmeldung für den Meisterkurs in der Bezirksbauernkammer Braunau bis Mitte Oktober bei Christian Huber unter 050/69023423, oder christian.huber@lk-ooe.at. Restplätze sind noch vorhanden, Kursbeginn ist am 9. November

     

    Ob Firma oder Hof: "Ohne Bildung keine Weiterbildung"

    POLLING. Simon Kneißl ist Projektleiter und Landwirt. Die Vereinbarkeit beider Berufe ist sein Ziel.

    Projektleiter in einem internationalen Unternehmen und Landwirt in Polling: zwei Vollzeitjobs, die Simon Kneißl unter einen Hut bringen will – und wird. Diese Aufgabe hat er sich während seiner Meisterausbildung gestellt und eine Variante ausgearbeitet, die trotz Doppelbelastung seine tägliche Arbeitszeit nicht ausufern lässt.

    Zurzeit wird der Bauernhof noch von seinen Schwiegereltern geführt. Kneißl und seine Frau wollen den Schweinemastbetrieb nach der Übernahme nebenerwerblich bewirtschaften. Abläufe müssen dazu optimiert und automatisiert werden, um den Arbeitsaufwand zu reduzieren. Dass ihm seine Firma weitgehend freie Einteilung erlaubt, schätzt er sehr. Dringende Arbeiten in der Landwirtschaft können so erledigt werden. Wichtig ist ihm, dass die Landwirtschaft weiterhin ein Vorzeigebetrieb bleibt. Für seine Abschlussarbeit wurde der frühere St. Veiter Feuerwehrkommandant zum Meister des Jahres gekürt.

    Ob in einer Firma oder auf dem Bauernhof: Der 32-Jährige ist überzeugt, dass man sich ohne Weiterbildung nicht weiterentwickeln kann. "Als Quereinsteiger habe ich mir schnell viel Wissen aneignen müssen. Vieles hat mir der Schwiegervater beigebracht. 2014 machte ich den landwirtschaftlichen Facharbeiter. Hinterher war mein Wissensdurst erst richtig geweckt und so folgte die Meisterausbildung", sagt Kneißl, der den heimischen Bauern ein gutes Zeugnis ausstellt: "Die österreichischen Landwirte produzieren hervorragende Qualität – weit über dem Standard anderer Länder. Ich wünsche mir, dass die Konsumenten diese Top-Ware besser schätzen."

    Zwei Quereinsteiger auf einem Hof: Das funktioniert super

    BURGKIRCHEN. Carmen Steinmaier ist Sachbearbeiterin, Dreifachmama und seit drei Jahren Bäuerin.

    Marans, Orpington, Blumenhühner, Grünleger, Sulmtaler: Auf dem Hof von Carmen und Jürgen Steinmaier gackern seltene Hühner. Die Sachbearbeiterin und Neo-Bäuerin hat sich das Züchten von Hühnern zur Aufgabe gemacht. Vor drei Jahren haben ihr Mann und sie den Bauernhof seiner Tante in Burgkirchen übernommen. „Wir sind zwei Quereinsteiger, denen die Arbeit sehr gut gefällt“, sagt die gebürtige Mauerkirchnerin. Um sich das Bauernhandwerk anzulernen, machte sie die Meisterausbildung.

    Auch die Steinmaiers wollen die Landwirtschaft nebenerwerblich betreiben und deswegen wurde anfangs investiert. Der Rinderstall wurde um- und ausgebaut. Die insgesamt 80 Stiere und Ochsen werden auf Stroh bzw. auf Weiden gehalten und als treue Knechte dienen Hoftrak und Futtermischwagen. Neben den 70 Legehennen werden zweimal im Jahr jeweils etwa 40 Mastputen gehalten. Fleisch und Eier werden ab Hof verkauft. Freilich nicht alles, denn die Selbstversorgung mit Qualitätsfleisch, Obst und Gemüse ist der Familie wichtig.

    Der Dreifachmama macht die Arbeit auf dem Bauernhof Spaß. Auch, dass ihre Kinder den verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren lernen, gefällt ihr. Nur eines stört sie, das verzerrte Bild der Landwirtschaft in der Gesellschaft. „Die Produkte vom Bauern dürften ja nichts kosten. Da traust dich ja schon keine drei Euro für zehn Eier zu verlangen. Aber das Steak aus Amerika um 50 Euro pro Kilo wird gekauft. Bauer muss man mit Herzen sein, um die notwendige Motivation zu finden“. (Kontakt: Brunningerhof@gmx.at)

     

    Marina Mayrböck, 12.07.2018, 01:12 Uhr

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