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  • Wirtschaft

    "Zu viele Junge gehen uns bei der Bildung verloren"

    PERG. Christoph Badelt, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts, über Arbeitslosigkeit, Sparpläne und Donald Trump.

    Seit 1. September 2016 ist der Wiener Christoph Badelt Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Am Dienstagabend war der Ökonom in Perg bei der Veranstaltungsreihe "Wirtschaft aus erster Hand" der OÖNachrichten und der VKB-Bank zu Gast. Im Interview mit Dietmar Mascher sprach der 67-Jährige über Fehler im österreichischen Bildungssystem und die Gefahr eines internationalen Flächenbrandes.

     

    OÖNachrichten: Österreichs Wirtschaft wächst, trotzdem geht die Arbeitslosigkeit nur langsam zurück. Zudem klagen viele Unternehmen über den Fachkräftemangel. Wie passt das zusammen?

    Christoph Badelt: Das liegt einerseits daran, dass mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt kommen, etwa durch Pensionsregelungen und Migration. Andererseits ist es ein Qualifikationsproblem. Mehr als 40 Prozent der Arbeitslosen in Österreich haben nur eine Pflichtschulbildung, in Oberösterreich ist dieser Anteil noch höher. Hier müssen wir investieren. Das betrifft sowohl Kinder als auch Menschen mittleren Alters, die einen Job verlieren oder vom Jobverlust bedroht sind, weil sich die Anforderungen ändern.

    Sie waren 13 Jahre Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien. Werden junge Leute in richtigen Berufen ausgebildet?

    In unserem Bildungssystem gehen viele junge Menschen für höhere Bildung verloren. Viele Menschen haben kein Interesse an eigener Bildung oder jener ihrer Kinder, weil sie selbst keinen Bildungshintergrund haben. Da geht es nicht nur um aktuelle Flüchtlinge, sondern auch um die zweite oder dritte Generation. Es betrifft aber auch Kinder aus ländlichen Regionen oder Arbeiterschichten. Dass diese verloren gehen, ist nicht einzusehen. Intelligenz ist keine Frage des sozialen Hintergrunds.

    Das heißt, jeder sollte die Chance haben, ein Doktor zu werden, aber nicht jeder muss ein Doktor werden.

    Ja. Jeder soll das machen, wo er glaubt, dass seine Berufung liegt, und nicht auf den Arbeitsmarkt schauen. Menschen, die gut gebildet sind, machen ihren Weg. Anders sieht es bei der Frage aus, welche Ausbildungen der Staat finanzieren soll. Jedem drei Studien zu zahlen und zu sagen, er kann vorher noch zwei probieren, weil er sich selbst verwirklichen will, halte ich für zweifelhaft. Ich bin von Studenten kritisiert worden, weil ich gesagt habe, dass das Ziel eines Studiums ist, dass man es abschließt.

    Die Regierung ist in der guten Situation, dass die Einnahmen aus den Steuern deutlich gestiegen sind, was auch das Budget entlastet. Öffentliche Haushalte wollen Schulden abbauen. Gleichzeitig gibt es Widerstand, dass in der Hochkonjunktur ausgeglichen bilanziert werden soll. Läuft da was falsch?

    Es gibt kaum jemanden, der sagt, man soll nicht ausgeglichen bilanzieren. Das ist auch wichtig, um die Staatsschulden zu verringern. Durch die Wirtschaftskrise 2008/09 sind sie auf mehr als 80 Prozent des BIP gestiegen. Vor der Krise waren es 60 Prozent. Dass die Regierung nun ein Nulldefizit verspricht, betrifft ja nur den Bund. Und natürlich will man sich einen Spielraum für später schaffen, wenn wieder ein Konjunktureinbruch kommt. Wenn die Zinsen steigen, gehen laufende Ausgaben massiv in die Höhe. Und wenn es ums Sparen geht, ist natürlich jeder dagegen.

    Gespart werden soll unter anderem bei den Sozialversicherungsträgern. Ein guter Ansatz?

    Das sind Teilaspekte, die eher Symbolcharakter haben, aber ökonomisch gesehen nur kleine Probleme lösen. Riesige Beträge sind hier nicht zu holen. Das größere Problem ist, dass es große Unterschiede zwischen den einzelnen Krankenkassen gibt, was Leistungen betrifft. Dass man Unfallkrankenhäuser auch in Zukunft brauchen wird, hat ja nie jemand wirklich in Frage gestellt.

    Will die Regierung die Sozialpartner zurückdrängen?

    Das ist offensichtlich so. Ich verstehe, dass die Regierung an Themen festhält, die sie versprochen hat und für die sie gewählt wurde. Jetzt wird spannend sein, was an Sachthemen kommt. Wenn es zu echten Reformen kommt, wird sich weisen, ob diese Regierung reformfähig ist.

    International beherrscht Donald Trump die Schlagzeilen. Welchen Einfluss hat seine Politik auf die Weltwirtschaft?

    Er spielt mit dem Feuer. Strafzölle, das Aus des Atomabkommens mit dem Iran – diese Dinge haben das Potenzial, sich unkontrolliert zu Flächenbränden auszuweiten. Es reicht ein starkes Wachstum der Erdölpreise. Wenn der Ölpreis um zehn Dollar steigt, würde Österreichs BIP über fünf Jahre zusammengerechnet um 0,3 bis 0,4 Prozent sinken.

    Glauben Sie, dass die EU ihre Rolle findet in den Konflikten der Wirtschaftsblöcke?

    Das hoffe ich. Aber die EU ist über weite Strecken nicht einmal selbst einig. Beim Atomdeal ist sie ein Pressball zwischen dem Iran und den USA.

    Wie wird die Digitalisierung unseren Alltag verändern?

    Sie liegt nicht vor uns, wir sind mittendrin. Jeder technische Wandel ändert die Anforderungen an die Arbeitswelt massiv. Es werden Jobs entstehen und welche wegfallen. Insgesamt wird es aber nur mit einer Höherqualifizierung gehen, das ist klar.

     

    Aufgezeichnet von Martin Roithner

    OÖN, 17.05.2018, 00:04 Uhr

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