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    Trump: „Die Fed ist verrückt geworden“

    Der US-Präsident kritisiert erneut die Nationalbank scharf für ihre Zinspolitik. Grund ist der Absturz des Leitindex Dow Jones. IWF-Chefin Christine Lagarde hat sich von den Aussagen distanziert. 

    US-Präsident Donald Trump hat die US-Notenbank Fed wegen ihrer Zinspolitik scharf kritisiert. Die Notenbank sei "verrückt geworden", sagte Trump am Mittwoch bei einem Besuch im US-Bundesstaat Pennsylvania. Der Präsident warf der unabhängigen Zentralbank vor, die Leitzinsen zu schnell anzuheben. "Ich denke, die Fed macht einen Fehler", sagte Trump. "Ich denke, die Fed ist verrückt geworden." 

    Zuvor hatte die Wall Street einen schwarzen Tag erlebt. Der Leitindex Dow Jones verlor rund 830 Punkte - der größte Verlust seit Februar. Der Technologie-Index Nasdaq verlor 4,1 Prozent. Das war der größte Rückgang seit dem überraschenden Brexit-Votum im Juni 2016.

    Als einen Grund nannten Analysten Sorgen vor Zinsanhebungen durch die Fed. Andere Gründe sind die anhaltenden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die Unklarheit über den Brexit.

    Trump hatte die US-Geldpolitik schon wiederholt öffentlich kritisiert, was für US-Präsidenten ungewöhnlich ist. Ende September meldete er sich zu Wort, nachdem die Fed die Leitzinsen zum dritten Mal in diesem Jahr angehoben hatte: "Leider haben sie die Zinsen gerade wieder erhöht. Ich bin darüber nicht glücklich." Trump befürchtet, dass die Notenbank den US-Wirtschaftsboom abwürgen könnte. Fed-Chef Jerome Powell betonte aber jüngst die Unabhängigkeit der Notenbanker: "Wir berücksichtigen keine politischen Faktoren."

    IWF-Chefin Lagarde geht auf Distanz

    IWF-Chefin Christine Lagarde ist in wesentlichen wirtschaftspolitischen Fragen auf Distanz zu US-Präsident Donald Trump gegangen. Das internationale System des weltweiten Handels dürfe nicht zerstört werden, sagte Lagarde zur Eröffnung der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Nusa Dua (Indonesien). Ihre Forderung: "Repariert es, aber zerstört es nicht." 

    Die Regeln des Welthandels hätten allen Nationen Nutzen gebracht, sagte die frühere französische Ministerin. Lagarde betonte auch, dass Zentralbanken ihre Zinsentscheidungen entsprechend ökonomischen Indikatoren treffen müssten. Wenn das Wachstum stark und die Arbeitslosigkeit extrem niedrig sei, müssten die Zentralbanken "die Entscheidungen treffen, die sie treffen", betonte die frühere französische Finanzministerin.

    Über die umstrittenen Aussagen von US-Präsident Trump sagte Lagarde, Notenbank-Chef Jerome Powell und der Fed-Vorstand wirkten sehr solide und seriös. "Ich würde ihn nicht mit Verrücktheit in Verbindung bringen", sagte die IWF-Chefin dem US-Sender CNBC.

    Lagarde forderte auch China auf, an seinem Kurs einer Flexibilisierung des Wechselkurssystems festzuhalten. "Wir sehen mehr und mehr Länder, China eingeschlossen, die ihre Währungen freigeben", sagte sie. Der Internationale Währungsfonds unterstütze den Kurs der Regierung in Peking, die Wechselkurse flexibler zu gestalten. Die chinesische Notenbank hat den Yuan zuletzt die psychologisch wichtige Marke von 6,9 zum Dollar durchbrechen lassen, die Währung wertete daraufhin weiter ab.

    Die Regierung in Peking bekräftigte zuletzt, ihre Währung nicht als Waffe im Handelsstreit mit den USA einzusetzen. Analysten verweisen jedoch darauf, dass chinesische Exportgüter bei einer schwächeren Landeswährung günstiger werden. US-Präsident Donald Trump hat der Regierung in Peking wiederholt vorgeworfen, die Währung zu manipulieren und sich so Handelsvorteile zu verschaffen.

    nachrichten.at/apa, 11.10.2018, 10:15 Uhr

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