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    Blühende Geschäfte mit Hanf

    Blühende Geschäfte mit Hanf

    Cannabis sativa oder Kultur-Hanf ist dem Schmuddeleck entwachsen und international zum hippen Milliardengeschäft geworden. Er ist Lebensmittel, Medizin und Dämmstoff. Unsicher ist nach wie vor die gesetzliche Lage in Österreich.

    Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Die ältesten Funde in Europa sind mehr als 5000 Jahre alt. Momentan erlebt die Pflanze weltweit nach ihrer Verbannung in Kiffer- und Drogenkreise eine gesellschaftliche wie wirtschaftliche Renaissance. Von der "weichen Einstiegsdroge" ist sie zur medizinischen Hoffnungsquelle und zum gesunden Nahrungsmittel geworden. Viele Regierungen haben die Gesetze zu Aufzucht und Handel von Hanf gelockert, wodurch die Pflanze international zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftsfaktor geworden ist.

    Abenteuerliche Renditen locken bei der Aufzucht von Setzlingen, die klingende Namen wie "Pot of Gold", "Strawberry Banana" oder "Bohemian Girl" tragen. Die Briten geben mittlerweile ein Viertel des Betrages für Bier für Cannabis-Produkte aus. Auch in den USA greifen die Menschen statt zum Feierabend-Bierchen häufig zu Marihuana – was die Bierindustrie schön langsam unruhig werden lässt. Sie wehrt sich und fährt bereits Anti-Cannabis-Kampagnen. Der Umsatz mit Cannabis in den USA wird 2019 auf rund zehn Milliarden Dollar geschätzt, in Kanada auf 5,7 Milliarden Kanadische Dollar, Tendenz stark steigend. Spektakulär hat vergangene Woche Kanadas Parlament Cannabis legalisiert. Der Staat erwartet sich Steuereinnahmen in Höhe von 400 Millionen Dollar.

    Amerikanische und kanadische Produzenten sind mittlerweile hunderte Millionen Dollar schwer, börsenotiert und gelten als Zukunftsinvestment für Börsianer. Auch in Österreich sind die Hanf-Produzenten im Hippie-Look aus dem Schmuddeleck zu rührigen, mittelständischen Unternehmern mutiert, deren Shops eher mit Nespresso-Ambiente denn Coffee-Shop-Kiffer-Atmosphäre locken.

    Die Hanfpflanze wird in Österreich zur Lebensmittelproduktion (Öl, Tee, Samen für Müsli und Mehl), Arzneimittelherstellung (CBD-Tropfen) und für Dämmstoffe und Textilien verwendet. Allein in Österreich werden monatlich 250.000 Hanf-Stecklinge verkauft, auch nach Deutschland, wo Ärzte seit Kurzem auch Medizinalhanf verschreiben dürfen.

    "Die Nachfrage nach Hanf-Produkten ist in den vergangenen zwei Jahren stark gestiegen", sagt Gerda Steinfellner, Geschäftsführerin des Online-Portals hanfland.at im niederösterreichischen Traditions-Anbaugebiet Hanfthal. Die Menschen wüssten mittlerweile um die gesundheitlichen Vorteile der Pflanze (Omega-3-Fettsäuren, hoher Eiweiß- und Eisenanteil) und würden sie nicht mehr automatisch mit Drogenkonsum verbinden. Sie geht davon aus, dass die Nachfrage nach Hanfprodukten weiter zunehmen wird. Viele Hanfartikel, die überwiegend noch in Bioläden und Greißlereien erhältlich sind, stammen aus heimischer Produktion, wenngleich Billiganbieter aus Rumänien, Litauen oder China schon in den Markt drängen.

    Auch Gerhard Enzenberger, Geschäftsführer in der Synthesa-Dämmstoff-Gruppe, misst Hanf als ökologischem Dämmstoff großes Potenzial zu. Er erwartet sinkende Preise. "Dadurch wird Hanf zum Massenprodukt werden." (Lesen Sie mehr dazu auf Seite 6.)

    150 Millionen Euro Jahresumsatz

    Der sich gerade in Gründung befindliche Verein Wirtschaftsverband Cannabis Austria hat erste Schätzungen über den Wirtschaftszweig Cannabis in Österreich vorgenommen. Demnach existieren bundesweit mehr als 200 registrierte Unternehmen, die ein legales Gewerbe im Bereich Cannabis ausüben. Diese Betriebe bieten etwa 1000 qualifizierte und gut bezahlte Jobs. Gemeinsam dürften die österreichischen Hanfunternehmer laut Verband auf einen Jahresumsatz von ca. 150 Millionen Euro kommen.

    Von der Industriezeile im Linzer Hafengebiet aus wird einer der österreichweit größten Shopbetreiber rund um das Thema Hanf gesteuert. "Schall & Rauch" hat hier nicht nur seine Firmenzentrale, sondern führt an diesem Standort auch einen 1200 Quadratmeter großen Flagshipstore. "Unsere Shops entsprechen ganz und gar nicht dem klassischen Kifferklischee. Es sind helle, moderne Geschäfte mit jungen Verkäufern. Wir legen Wert auf guten Kundenservice und führen auch einen Online-Shop", sagt Robin Juracek, der das Unternehmen mit Partner Raffael Riccabona leitet. Was 2003 als Zwei-Personen-Betrieb begonnen hatte, wuchs mittlerweile auf 20 Beschäftigte an. Neben einer Zweitfiliale in Linz gibt es Geschäfte in Innsbruck und Salzburg. Juracek: "Unsere Produkte zeigen wir nun auf einer Gesamtverkaufsfläche von 3000 Quadratmetern."

    Vielfalt rund um Hanf in vier Filialen

    Lebendpflanzen seien nicht mehr das Hauptverkaufsprodukt. Geboten werde ein breites Spektrum – von Lebensmitteln, Kosmetika und Gewand über Rauchutensilien bis hin zum Groß- und Kleingärtnerbedarf. "Wir beliefern auch Chilizüchter, die Erde und Dünger von uns beziehen", sagt der Schall & Rauch-Chef.

    Während die Weltgesundheitsorganisation den Wirkstoff CBD anerkannt habe und teste, inwieweit er in der Medizin eingesetzt werden könne, bewege man sich in Österreich in einem schwierigen Zwischenbereich, kritisiert Juracek. "Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit verhält sich hier seit langem unschlüssig." In Österreich ist CBD nicht als Arzneimittel eingestuft. "Wir dürfen bei CBD-Produkten keine Dosierungs- und Einnahmeempfehlungen abgeben", sagt Juracek.

     

    Der Konflikt zwischen medizinischer und berauschender Wirkung

    In österreichischen Cannabis-Produkten ist bei 0,4 Prozent des Rauschmittels THC Schluss, international geht es bis 38 Prozent

    Die neue österreichische Bundesregierung will das Geschäft mit Hanfpflanzen und Samen einschränken. So steht es im Regierungsprogramm. Global geht es in die entgegengesetzte Richtung. Denn das nütze der Volksgesundheit und den Volkswirtschaften.

    Es gibt international zwei Entwicklungsstränge: In vielen Ländern wurde der medizinische Einsatz von Cannabis-Produkten legalisiert, weil sie das Leid von Menschen nachweislich lindern können. Die positive Wirkung wird dem Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD) zugeschrieben. Es häufen sich Berichte von Patienten, die sogar von Heilung sprechen, doch dafür fehlen harte wissenschaftliche Beweise.

    Cannabis enthält aber auch – so Kritiker – den sprichwörtlichen Teufel: Tetrahydrocannabinol (THC). Es hat eine berauschende Wirkung und darf in österreichischen Cannabis-Produkten nur in einer Konzentration von weniger als 0,4 Prozent enthalten sein.

    Der zweite Ansatz ist daher die Drogenpolitik. Viele Experten sind restriktiv eingestellt und sehen THC als Einstiegsdroge zu harten Rauschmitteln und als Zutrittspforte zu gesundheitsbedrohlicher Abhängigkeit.

    "Die Cannabis-Lüge"

    Der Linzer Psychiater Kurosch Yazdi warnt vor heutigen Cannabis-Pflanzen. Züchter hätten den THC-Gehalt laufend erhöht, womit er zehnmal höher sei als vor 40 Jahren. In der EU sei heute Hanf mit zehn bis 15 Prozent THC im Umlauf, in den USA mit bis zu 38 Prozent. Yazdi schrieb deshalb das Buch "Die Cannabis-Lüge". Steigender THC-Anteil bedeutet sinkendes Cannabidiol, also weniger Wirkung. Andererseits sollen 0,3 Prozent THC auch wirkungslos sein.

    Doch in mehreren nordamerikanischen Bundesstaaten wurde Cannabis in den vergangenen Jahren auch als Rauschmittel kontrolliert freigegeben, weil es damit aus der Illegalität gehoben wird. Die organisierte Kriminalität verliert einen Großteil ihres Geschäftes. "Die Frage der Legalisierung macht langfristig Fortschritte, auch in Europa", sagt der emeritierte Linzer Universitätsprofessor Fritz Schneider zufrieden. In den USA sollen 300.000 Arbeitsplätze entstehen, mit dem Anbau der Pflanze, der Verarbeitung und der Abgabe in autorisierten Geschäften.

     

    Komplizierte Gesetzeslage

    Wer Cannabis gewerblich nutzt, sollte juristisch firm sein.

    Der Anbau von Cannabispflanzen zum Zwecke der Gewinnung von Suchtgift ist in Österreich verboten. Er ist nur der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit erlaubt.

    Cannabis ist im Suchtmittelgesetz als illegale Droge geführt, dabei geht es um „Blüten- oder Fruchtstände der zur Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen, denen das Harz nicht entzogen ist“.

    Ausgenommen sind die Verwendung von für gewerbliche Zwecke dienende Blüten- und Fruchtstände jener Hanfsorten, die im Sortenkatalog für landwirtschaftliche Pflanzenarten angeführt sind. Deren Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) darf aber 0,3 Prozent nicht übersteigen, und ein Missbrauch als Suchtgift muss ausgeschlossen sein.

    Im Sortenkatalog für landwirtschaftliche Pflanzen sind aktuell fast 60 Cannabispflanzen angeführt, in der Saatgutliste keine einzige Pflanze.

     

    5 Fragen an Christian Eckmair

    Der Jungunternehmer eröffnete im Juli 2017 in der Linzer Herrenstraße Oberösterreichs ersten Shop, der ausschließlich auf Cannabidiol (CBD) basierte Heilmittel anbietet. In der Zwischenzeit betreibt er einen zweiten Shop in Urfahr.

    1 Warum haben Sie sich mit dem Wirkstoff Cannabidiol beschäftigt?

    Weil ich selbst betroffen war. Ich lernte CBD in Kalifornien kennen, als ich dort studierte. Ich bekam schwere Osteochondrose, eine Erkrankung der Knochen und Knorpel. Ein Arzt gab mir den Tipp, es mit CBD-Öl zu versuchen. Nach ein bis zwei Wochen spürte ich bereits große Erleichterung. Ich konnte wieder sitzen und stehen, ohne Krämpfe zu bekommen.

    2 Welche Art von Kunden kommen zu Ihnen in die Geschäfte?

    Die Klientel ist gemischt. Darunter sind viele ältere Menschen, die Beschwerden haben, etwa Entzündungen, Krämpfe, Schlafprobleme oder leichte Depressionen. CBD ist kein Wundermittel, es hilft nicht bei jedem. Aber viele schwärmen von der Wirksamkeit.

    3 Sie verkaufen keine Cannabispflanzen in Ihren Shops?

    Nein. Für mich steht der medizinische Aspekt der natürlichen Nahrungsergänzungsmittel im Vordergrund.

    4 Welches Produkt wird bei Ihnen am meisten nachgefragt?

    Hauptsächlich das CBD-Öl. Das sind Hanftropfen, die es in unterschiedlicher Konzentration gibt. Es beginnt mit einem dreiprozentigen Gehalt an Cannabidiol – das wird auch Haustieren gegeben, wenn sie an Knochenschmerzen oder Arthrose leiden. Der höchste Wirkstoff-Gehalt bei Tropfen beträgt 24 Prozent.

    5 Bemerken Sie ein steigendes Interesse an CBD-Produkten?

    Ja, die Veränderung innerhalb eines Jahres ist unglaublich. Anfänglich regten sich die Leute über den Shop auf. Jetzt ist das Gegenteil der Fall. Es kommen sogar Kunden, die von ihren Ärzten zu uns geschickt werden.

     

    Die Mafia wird auf Entzug gesetzt

    Legalisierte Drogen bringen Arbeit und Steuern: Eine scharfe Drogenpolitik ist kontraproduktiv. Mit den Milliarden könnten Arbeitsplätze geschaffen werden, statt sie der Mafia zu überlassen. 

    Der Linzer Ökonom Friedrich Schneider hat einen Gutteil seines Forscherlebens den dunklen Seiten der Wirtschaft gewidmet. Drogen sind der wichtigste Zweig der organisierten Kriminalität und bringen ihr 500 bis 600 Milliarden Dollar im Jahr. "Wenn man Cannabis legalisiert, würde sich das Drogengeschäft halbieren", schätzt der emeritierte Professor der Volkswirtschaftslehre.

    Neben der wirtschaftlichen sehe er natürlich die moralische Frage: Will ein Staat, dass sich seine Bürger legal mit Cannabis & Co zudröhnen und ihrer Gesundheit schaden? Das müsse er für sich klären. Schneider: "Beim Alkohol lässt der Staat das aber zu."

    Schneider erkennt viel wirtschaftliches Potenzial in Anbau und Verarbeitung von Cannabis-Produkten. Auch die kontrollierte Abgabe in Geschäften bringe Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

    Harvard-Ökonom Jeffrey Miron hat errechnet: Die völlige Freigabe von Drogen in den USA würde rund 41 Milliarden US-Dollar an Regierungsausgaben einsparen und zusätzliche Steuereinnahmen von fast 47 Milliarden US-Dollar lukrieren. Umgelegt auf Österreich: eine Milliarde an Steuereinnahmen.

    Jetzt werden Politiker nach Kanada schauen, wie sich die in der Vorwoche beschlossene Legalisierung von Cannabis auswirken wird. Doch es gibt längst Zahlen aus Portugal, das Drogen 2001 legalisiert hat. Resultat: Die Zahl der Drogentoten sank von 1016 (2001) auf 56 (2012; in Österreich 2013: 138). Weiters: weniger HIV-Infizierte, weniger Begleitkriminalität (Einsparungen in Polizei und Justiz).

    Viele positive Effekte

    Weitere positive Effekte: keine verfälschten, gefährlichen Substanzen wie in illegalen Drogen, weil die Abgabe kontrolliert in Apotheken oder Drogerien erfolgt. Konsumenten zahlen nur noch den Marktpreis, nicht den "Prohibitionspreis". Die Differenz ist freie Kaufkraft für andere Konsumgüter. DieDealer verschwinden aus den Städten. Offene Drogenpolitik ist ein Entzugsprogramm nicht für Konsumenten, sondern Kriminelle: Ihre Gewinne sind weg.

    Und: Drogenkartelle werden geschwächt. Sie verhindern in vielen Ländern des Südens und Ostens eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung.

    Aber: Wenn in Österreich eine Partei für Drogenfreigabe ist, wird sie dienächsten Wahlen verlieren.

     

    Ein Kraut zum Dämmen

    Häuser werden herkömmlich mit "Styropor"/EPS- Platten oder Mineral- und Glaswolle gedämmt. Eine ökologische Alternative stellen Dämmsysteme aus Industrie- oder Nutzhanf dar, wie sie das Perger Unternehmen Synthesa unter dem Namen Capatect entwickelt hat.

    Die Dämmwerte sind hervorragend, die Verarbeitung ist nicht gesundheitsschädlich. 2013 bekam die Gruppe dafür den österreichischen Klimaschutzpreis. Hanf braucht keinen Dünger und keine Pestizide und hinterlässt einen lockeren und unkrautfreien Boden. Bereits durch die Feldpflanze wird klimawirksam Kohlendioxid gebunden. Als Hanfdämmplatten auf den Hausfassaden leisten sie einen jahrzehntelangen Beitrag zumEnergiesparen.

    Pro gedämmtem Einfamilienhaus werden ca. fünf Tonnen CO2 eingespart. Außerdem wandern gebrauchte Dämmplatten nicht in den Müll, sondern können zu neuen Platten recycelt werden. Noch kostet die Hausdämmung mit Hanfplatten doppelt so viel wie mit Mineralfasern (ohne Entsorgungskosten) und rund vier Mal so viel wie die billigsten EPS-Platten. Das wird sich ändern, glaubt Gerhard Enzenberger, Synthesa-Geschäftsführer. Die Preise werden unter dem gesetzlichen Druck zur richtigen Entsorgung von Baustoffen sinken, "dann wird Hanf zum Massenprodukt". Schon jetzt kommt Hanf auch in Verbundstoffen vor, die etwa für Sitzschalen in Autos eingesetzt werden.

     

    Blühende Geschäfte mit Hanf

    Ein Tal, in dem der Hanf zu Hause ist

    Das nördliche Weinviertel ist die Hanf-Region Österreichs, die auch touristisch auf dieses Pferd gesetzt hat.

    Im nördlichen Weinviertel in der Nähe von Laa an der Thaya ist der Hotspot für den Hanfanbau in Österreich: das Hanfthal, wie auch einer der Orte dort heißt. Eine lange Tradition im Anbau und in der Verarbeitung der Nutzpflanze Hanf wurde wiederbelebt. Seit 1995 ist es landwirtschaftlichen Betrieben in Europa wieder erlaubt, Faser- oder Lebensmittelhanf – Cannabis sativa – anzubauen. Und seit vierzehn Jahren bauen auch Hanfthaler Landwirte wieder großflächig Hanf an.

    Die Pflanze ist zumindest regional zum wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden: Touristische Veranstaltungen, Gastronomie, Erlebniswege, Informationsworkshops und Museen ziehen Gäste mit dem Thema Hanf an.

    Viele Produkte aus Hanfsamen werden hier aus dem regionalen Rohstoff hergestellt, mit Ursprungsgarantie. Die äußerst schnell wachsende Pflanze – bis zu sieben Zentimeter pro Tag – ist eine wahre Super-Pflanze. Durch die Doppelnutzung einerseits als Hanfstroh für die Dämmplatten-Erzeugung, andererseits als Lieferant von Hanfnüssen zur Herstellung von Hanföl mit seinen wertvollen Omega-3-Fettsäuren gehen keine Agrarflächen für Lebensmittel verloren.

    Ein teurer Nachteil für die Bauern: Jedes Jahr müssen sie von Gesetzes wegen zertifiziertes (nicht THC-hältiges) Saatgut kaufen und teure Inhaltsstoff-Analysen bezahlen.

    Zurzeit hat die Baugruppe Synthesa rund 800 Hektar Hanffläche unter Vertrag. Damit wurden 2017 rund 100.000 Quadratmeter Hausfassaden gedämmt, dasreicht für etwa 500 Einfamilienhäuser, sagt Geschäftsführer Gerhard Enzenberger. Noch wirft diese Hanf-Sparte keinen Gewinn ab, doch dasUnternehmen sieht das große Potenzial.

    "Hanf bräuchte auch Förderung"

    Enzenberger kritisiert die Politik, die Förderungen für alternative Energiesysteme wie Hackschnitzel vergibt, jedoch den Hanf völlig ignoriere. Würde Hanf als regionaler Wirtschaftsfaktor auch staatlich unterstützt, würde die Nachfrage schnell steigen, ist er sich sicher.

    Der Hanf, den Capatect verwendet, stammt wie auch bei den Produkten von hanfladen.at fast ausschließlich aus Österreich. Capatect hat sich in der Hanfverarbeitung aus Tschechien zurückgezogen und bei Retz ein eigenes Dämmstoffwerk gekauft. Das Unternehmen beschäftigt dort 20 Mitarbeiter.

    Internationaler Wettbewerb wächst

    Einem starken Preisdruck sind Österreichs Hanfbauern aus Osteuropa und China ausgesetzt. "Hanf aus China kostet um ein Drittel weniger und wird zunehmend von großen Firmen in Deutschland verarbeitet", sagt Gerda Steinfellner (Bild), die den Online-Shop hanfland.at betreibt. In den vergangenen Jahren sei jedoch der Hanfanbau für medizinische Zwecke (CBD-Öl) in Österreich stark gestiegen. Die Textilfaser- und Papiererzeugung rentiere sich aus Kostengründen bei uns jedoch nicht. (uru)

    Von Josef Lehner, Ulrike Rubasch und Susanna Sailer, 30.06.2018, 07:16 Uhr

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