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    Ausnahmezustand Patchwork-Familie: Wie es trotzdem gelingen kann

    Ausnahmezustand Patchwork-Familie: Wie es trotzdem gelingen kann

    Psychologe Wolfgang Krüger über "böse Stiefmütter" und die Ängste der Kinder.

    Viele Liebesbeziehungen beginnen heutzutage mit einer Patchwork-Konstellation, das heißt: Einer oder beide Partner haben bereits Kinder, die oft nicht gleich begeistert sind von der neuen Liebe. Wie das Über-Leben in einer Patchwork-Familie dennoch funktionieren kann, erklärt der deutsche Psychologe und Buchautor Wolfgang Krüger. Mit seinem Vortrag am 14. Jänner startet heuer die VHS-Vortragsreihe "Beziehungsfallen" (siehe unten).

     

    OÖNachrichten: Was sind die häufigsten Streitpunkte in Patchwork-Familien?

    Wolfgang Krüger: Der häufigste Konfliktpunkt ergibt sich aus der Tatsache, dass plötzlich ein Fremdkörper in der Familie ist, der mitreden und mitbestimmen will. Mit ihm wollen die Kinder nichts unternehmen, sie wollen nicht Familie spielen und in Urlaub fahren und versuchen häufig sogar, ihn wegzuärgern.

    Im Märchen ist von der "bösen Stiefmutter" die Rede – gibt es die wirklich?

    Stiefmütter haben es tatsächlich besonders schwer, weil sie die Erwartung erfüllen müssen, mütterlich zu sein – ohne mit der tatsächlichen Mutter zu konkurrieren. Aber viel häufiger sind Stiefväter, die nach einer gewissen Zeit in die Familie einziehen. Eine solche Neustrukturierung ist nie leicht und wird oft mit der Zusammenlegung zweier Unternehmen verglichen. Das ist so schwierig, dass in 50 Prozent aller Patchworkfamilien am Anfang ein Ausnahmezustand herrscht, bei dem die Kinder dem neuen Partner signalisieren: Du störst!

    Worunter leiden die Kinder besonders?

    Sie leiden unter Eifersuchtsgefühlen und haben Angst, dass ihnen etwas Zuwendung der Mutter verloren geht und dass sich die Familienkonstellation ändert, ohne dass sie ein Mitspracherecht haben. Mitunter leiden sie auch unter dem neuen Partner, der sich nicht immer geschickt verhält. Ihm signalisieren sie: Du bist nicht mein Vater! Denn meist hätten sie gern den Vater zurück.

    Was bedeutet die Patchwork-Situation für die Partnerschaft?

    Es kann eine große Belastung sein, wenn die Mutter das Gefühl hat, im Streit zwischen Kindern und Partner aufgerieben zu werden. Deshalb ist es problematisch, wenn sich der neue Partner ständig über die unerzogenen Kinder beschwert und von der Mutter erwartet, dass sie die "Monster" bändigt.

    Wie viel Zeit braucht es, bis sich eine Patchwork-Familie konstituiert hat?

    Entweder es geht – vor allem bei sehr jungen Kindern – von Anfang an gut oder es dauert etwa vier Jahre, bis sich alles normalisiert hat.

    Was ist Ihr wichtigster Rat, dass Patchwork gelingen kann?

    Man muss mit Schwierigkeiten rechnen und die Kinder verstehen, die von dieser neuen Konstellation überzeugt werden müssen und zunächst sehr skeptisch sind. Deshalb braucht man viel Geduld, innere Stabilität, soziale Kompetenz und vor allem Humor, um diese Zeiten zu überstehen. Erfreulich ist, dass etwa 70 Prozent der Stiefeltern und Stiefkinder die neue Situation letztlich als Bereicherung empfinden.

     

    Beziehungsfallen 2019

    Die VHS-Vortragsreihe über Liebeslust, Liebesfrust, Partnerschaft und Sexualität findet auch heuer wieder statt:
    14. Jänner: Über-Leben in der Patchworkfamilie, mit Wolfgang Krüger, Berlin
    21. Jänner: Hormongesteuert – Abenteuerreise in den Geschlechterdschungel, Beziehungskabarett mit Isabella Woldrich, Linz
    28. Jänner: Beziehungskniffe, Vortrag von Ann-Marlene Henning, Berlin
    4. Februar: Mit mir sein – Selbstliebe als Basis für Begegnung und Beziehung,
    Vortrag von Univ.-Prof. Michael Lehofer, Graz

    Jeweils Montag, 19 Uhr, Arbeiterkammer Kongresssaal in Linz, Karten (mit OÖNCard) um 7,60 Euro, Vorverkauf im Wissensturm Linz

    Buchtipp: Überleben in der Patchworkfamilie, von Wolfgang Krüger und Katharina Münzer, mit einem Vorwort von Jesper Juul, erschienen bei BoD (Books on Demand), 9,90 Euro.

    Ausnahmezustand Patchwork-Familie: Wie es trotzdem gelingen kann

    Claudia Riedler, 05.01.2019, 15:17 Uhr

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