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    22-Jähriger soll Taxifahrer ausgeraubt haben: Lange Haftstrafe

    KLAGENFURT. Wegen schweren Raubes ist am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt ein 22-jähriger Kärntner zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

    Er soll im August einem Taxilenker mit einem Notfallhammer mehrmals auf den Kopf geschlagen und ihm die Brieftasche gestohlen haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

    Schon während der Fahrt sei ihm der Fahrgast auf der Rückbank merkwürdig vorgekommen, sagte der Taxifahrer am Donnerstag vor dem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Ute Lambauer: "Er hat mich gefragt, wie viele Fahrten ich heute schon gehabt habe und ob ich einen 500-Euro-Schein wechseln könnte." Nachdem er ihn von Villach nach Klagenfurt gebracht hatte, habe sich das seltsame Verhalten des 22-Jährigen fortgesetzt. Erst lotste er den Taxilenker zu einem Wohnblock wo er einen Freund abholen wollte, danach ließ er sich weiter durch die Stadt fahren - er gab an, dass er sich nicht mehr genau an eine bestimmte Adresse erinnern könne.

    "Ich habe auf den Taxameter geschaut und gesehen, dass die Rechnung schon 102 Euro ausmacht. Also hab ich gesagt, es ist in Ordnung, wenn er mit 100 Euro gibt - und dann habe ich auch schon den ersten Schlag gespürt", erinnerte sich der Taxilenker. Er stieg aus, wo er von dem Mann noch einen Faustschlag ins Gesicht verpasst bekam - als der Taxifahrer flüchtete, sah er noch, wie sein Fahrgast sich auf der Fahrerseite ins Taxi beugte. Der 22-Jährige war nach der Tat entkommen, aber Tage später festgenommen worden.

    Mit den Folgen hat der Mann, der noch immer im Krankenstand ist, noch heute zu kämpfen: "Ich sehe mich ehrlich gesagt nicht mehr in der Lage, den Job so auszuüben, wie ich ihn in den letzten 18 Jahren ausgeübt habe." Er habe den Entschluss gefasst, sein Taxigewerbe zurückzulegen: "Ich habe eine Familie, ich habe zwei Kinder - und in dieser Situation hatte ich keine Möglichkeit mich zu wehren."

    "Sie haben gehört, was der Mann gesagt hat. Was sagen Sie dazu?", wollte die beisitzende Richterin Michaela Sanin von dem Angeklagten wissen. "Was soll ich dazu sagen, ich weiß, dass ich verantwortlich bin", gab der 22-Jährige zurück. Er gab während der Verhandlung zwar zu, dass er dem Taxifahrer die Schläge versetzt hatte. Die Brieftasche mit 150 Euro, die in einem Fach in der Fahrertür abgelegt war, habe er dem Mann aber schon unbemerkt während der Fahrt gestohlen, er bekannte sich also nur einer Körperverletzung und eines Diebstahls schuldig.

    Der Schöffensenat glaubte ihm das allerdings nicht. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass Sie die Brieftasche während der Fahrt gestohlen haben und der Fahrer das nicht bemerkt hat", sagte Lambauer. Auch dass er nach den Schlägen das Handschuhfach des Taxis durchwühlt hatte, passe nicht zu seiner Verantwortung. Der Angeklagte habe massiv Gewalt eingesetzt: "So ein Notfallhammer ist ein brutales Ding, man kann viel Schaden damit anrichten."

    Erschwerend ins Gewicht gefallen sind die insgesamt neun Vorstrafen wegen Vermögens- und Gewaltdelikten. Bereits zwei Mal war der Mann auch schon wegen Raubes verurteilt worden. Einmal hatte er einer Supermarktkassierin einen Stoß versetzt und sie beraubt, ein weiteres Mal hatte er eine Stange Zigaretten mit einer Waffenattrappe erbeutet.

    Der Verteidiger des Angeklagten meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, Staatsanwältin Doris Kügler gab keine Erklärung ab.

    nachrichten.at/apa, 11.10.2018, 12:48 Uhr

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