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  • Gesundheit

    Haustiere: Vom Gezähmten zum Therapeuten

    Das Verhältnis zwischen Mensch und (Haus-)Tier hat sich über die Jahrtausende immer wieder verändert.

    Um das 10. Jahrtausend vor Christus begann sich die Mensch-Tier-Beziehung zum ersten Mal radikal zu verändern. Etwa im gleichen Zeitraum, in dem der Mensch erstmals gezielt Pflanzen anbaute, zähmte er auch die ersten Tiere. Sie lernten, sich etwa Auerochsen, Wildschafe, Ziegen und Hühner untertan zu machen und für ihre Zwecke einzuspannen. Manche Forscher sehen in ihnen sogar Entwicklungshelfer für die Zivilisation. Laut dem US-Biologen Jared Diamond hätten sich Landwirtschaft und Kultur in Europa und Asien auch deshalb weitaus schneller entwickelt als anderswo, weil hier viele verschiedene Tiere lebten, die sich zähmen und anschließend züchten ließen.

    Etwa im 9. Jahrtausend vor Christus lernten die Menschen auch ihre Kraft zu schätzen. Das Rind wurde etwa zum ersten Zugtier der Geschichte. Bald mussten sie auch Menschen tragen. Dank ihnen war man nun nicht nur stärker, sondern auch schneller unterwegs.

    Nutz- und Haustiere

    Im Mittelalter ergaben sich neue Einsatzgebiete. So fungierten Hunde und Schweine als effektive Müllschlucker in den Städten, wo immer mehr Menschen auf engem Raum zusammenlebten. Katzen wurden als Schädlingsbekämpfer gegen Ratten und Mäuse geschätzt, bevor man sie im 13. Jahrhundert als Boten des Teufels verachtete und bis zur Reformation sogar Rechtsprozesse gegen sie führte.

    Mit Beginn der Aufklärung änderte sich das Verhältnis von Mensch und Tier. So erblühte ein naturwissenschaftliches Interesse an ihnen, einhergehend mit einem neuen Respekt für ihre Fähigkeiten, erste Tierrechte und Tierschutzbewegungen entstanden. Einen weiteren Umbruch in der Mensch-Tier-Beziehung brachte die Industrialisierung mit sich. Viele für bestimmte Arbeiten oder gewisse Funktionen gezüchtete Tiere wurden durch Maschinen ersetzt. Eine immer stärker werdende Unterscheidung zwischen Nutz- und Haustieren folgte. Während sich mit der Industrialisierung das Nutztier zunehmend zur Sache entwickelte, ausgerichtet auf Leistung und Profit, erfuhr das Haustier eine immer stärkere Bedeutung in emotionaler und psychosozialer Hinsicht. Haustiere wurden zu Gefährten.

    Warum wir Tiere lieben

    Dass wir Hund und Katz lieben, hat auch biologische Gründe. So verfügen Menschen und etwa höher entwickelte Säugetiere über vergleichbare Hirnstrukturen und -funktionen. Laut jüngerer Forschungen ist bei sozial organisierten Tieren die Hauptursache für Stress meist ebenfalls sozial bedingt und lässt sich über ebendiese Sozialbeziehungen positiv beeinflussen, wie beim Menschen. "Zahlreiche Studien belegen inzwischen, dass vor allem beim Hautkontakt mit Tieren auf beiden Seiten das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet wird", erklärt Andrea Beetz, Psychologin an der Universität Rostock.

    Viele Antrozoologen vergleichen die Beziehung Mensch-Tier gar mit der zwischen liebenden Menschen. Die für das Vorhandensein einer sogenannten Bindungs- bzw. Fürsorgebeziehung ausschlaggebenden Kriterien treffen, laut Beetz, auch bei vielen Haustierbesitzern zu: "Die Bindungsfigur ist eine verlässliche Basis, auch für Trost und Rückversicherung. Sie vermittelt Sicherheit. Die körperliche Nähe geht mit positiven Gefühlen einher. Und Trennungen lösen Schmerz und Vermissen aus."

    Haustiere tun dem Menschen nicht nur gut, sie spielen auch als therapeutische Begleiter eine immer wichtigere Rolle. So helfen sie etwa Angststörungen, Probleme des Bewegungsapparates oder Depressionen zu überwinden.

    Psychologin Beetz fand anlässlich einer Untersuchung mit 31 Kindern heraus, dass der Streichelkontakt mit einem Hund die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel signifikant senkt – deutlicher als beim Kontakt mit einer beruhigenden Person oder einem Plüschtier. Allein die Anwesenheit eines Kanarienvogels in einem Altersheim reduzierte die Depressionsanfälligkeit der Bewohner signifikant, so das Ergebnis einer dreimonatigen Studie mit 144 Senioren. Sogar Gefängnisinsassen erwiesen sich in einer Untersuchung als sozial verträglicher, wenn sie regelmäßig Tierkontakt hatten.

    Roswitha Fitzinger, 15.01.2022, 00:04 Uhr

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