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    Landet er den nächsten Coup? Überflieger Stoch kommt als Favorit zum Kulm

    Landet er den nächsten Coup? Überflieger Stoch kommt als Favorit zum Kulm

    BAD MITTERNDORF. Der Kulm in Bad Mitterndorf darf sich ab heute wohl auch auf viele polnische Skisprung-Fans freuen.

    Ein bekannt feierfreudiges Volk. Dazu gab es zuletzt viele Gelegenheiten. Nach seinem glanzvollen Triumph mit vier Einzelsiegen und dem Gesamterfolg bei der Vierschanzentournee ist Kamil Stoch auch im ersten Skifliegen des Winters der große Favorit. Für den 30-Jährigen sind es wohl die entscheidenden Wochen seiner Karriere.

    Vier der fünf großen Trophäen der Skisprung-Welt hat der Pole nun schon gesammelt, alle fünf hat bislang nur der unvergessene Finne Matti Nykänen in seiner Vitrine stehen. Olympiasieg, Weltmeister-Titel, Vierschanzentournee-Triumph und Gesamtweltcup-Gewinner – alles hat Stoch schon eingeheimst, nur Skiflug-Champion wurde er noch nicht. "Kamil weiß, wie man die ganz großen Dinger gewinnt", sagt Deutschlands Trainer Werner Schuster.

    Weshalb der Flugshow am Wochenende am Kulm große Bedeutung zukommt. Denn gleich darauf folgen die Skiflug-Titelkämpfe in Oberstdorf. Ein guter Auftritt in der Steiermark ist damit fast Pflicht, wenn er sich tatsächlich noch den letzten großen Traum erfüllen will.

    Der momentane "Flow", wie er im Skispringen so gerne beschworen wird, dürfte Stoch auch am Kulm Aufwind geben. Denn Skifliegen kann er, auch wenn der 30-Jährige dabei erst zwei Weltcup-Siege errang und die Weitenjagd ihre eigenen Gesetze hat. "Sein Sprungstil ist eigentlich dafür prädestiniert", sagt sein österreichischer Trainer Stefan Horngacher.

    Doch auch die ÖSV-Adler wollen Stoch ihr Zuhause nicht kampflos überlassen. Vor allem Weltrekord-Halter Stefan Kraft möchte nach einer bisher durchwachsenen Saison zurückschlagen. "Ich weiß, dass ich gut Skifliegen kann", sagt der Salzburger.

    Kopfsache: Wenn anderen schon die Nerven flattern, bleibt Stoch ruhig und gelassen. Der Stoiker lässt sich durch fast nichts aus der Ruhe bringen. Vor allem dann, wenn es um große Siege geht.

    Selbstvertrauen: Polens frischgebackener Sportler des Jahres (vor Bayern-Kicker Robert Lewandowski) galt früher als überehrgeizig und haderte trotz seiner Erfolge ständig mit sich selbst. Nun gilt er im Herbst seiner Karriere als ausgeglichener. Sein Trainer , der Österreicher Stefan Horngacher, hat tolle Arbeit geleistet. Die Erfolge sprechen eine klare Sprache.

    Perfektes Flugsystem: Der 30-Jährige, von Gattin Ewa Bilan-Stoch gemanagt, ist einer der größten Ästheten in der Luft. Sein Absprung ist stark - und weite Sprünge steht er sicher mit Telemark.

    26 Weltcup-Siege hat Stoch bisher zu Buche stehen, darunter auch zwei im Skifliegen (Planica 2011, Vikersund 2017). Dazu gewann er mit Polen auch zwei Teamspringen.

    52 Kilo bringt der drahtige Pole bei einer Größe von 1,73 Metern auf die Waage. Das Leichtgewicht verfügt dabei über ideale Hebel für die Weitenjagd.

    2 Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi nennt er ebenso sein Eigen wie auch einen Einzel-Weltmeister-Titel in Val di Fiemme 2013.

    251,5 Meter ist die bisher größte Weite, die Stoch erreichen konnte. Dieser Flug gelang ihm im Vorjahr in Planica. 2011 gewann er dort auch einen Weltcup.

    Wenn ich nur aufhören könnt’ ...! Zwei „Flugsaurier“ auf Kulm-Jagd

    Janne Ahonen hat fünfmal die Vierschanzentournee und auch sonst alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Bis auf eines: olympisches Gold. Diesem Traum läuft der 40-Jährige, der heute am Kulm auf Weitenjagd geht, unermüdlich hinterher. „Solange ich Spaß habe, mache ich das“, betont Ahonen. Die mächtige Naturschanze in Bad Mitterndorf kennt er wie seine Westentasche. 1996, also vor 22 Jahren, feierte er am Kulm einen Weltcup-Sieg. 2005 sollte Ahonen eine Bruchlandung beim Skifliegen in Planica hinlegen. Nach einem 240-m-Satz wehrte sich der „Schweiger“ mit Händen und Füßen gegen einen Spitalsaufenthalt. Später verriet er, dass er in der Nacht zuvor mit seinem finnischen Kollegen Risto Jussilainen 24 Dosen Bier gekippt hatte. Der Bluttest sei ihm damals peinlich gewesen. Wegen des Restalkohols.

    Noriaki Kasai hat schon 45 Jahre auf dem Buckel, 2014 am Kulm triumphiert und hier mit 240,5 Metern den drittweitesten Sprung in den Schnee gesetzt. Morgen wird der Japaner in der Steiermark von Kulm-Chef Hubert Neuper für sein „Lebenswerk“ geehrt werden.

    Bleibt Noriaki fit, wird er sich in Kürze in den Geschichtsbüchern wiederfinden. Und zwar als derjenige, der an den meisten Olympischen Winterspielen teilgenommen hat. Kasai ist trotz Formkrise für Pyeongchang 2018 nominiert worden. Er steht vor seinem achten Olympiastart seit 1994 und würde den Rodler Albert Demtschenko (Rus/7) überflügeln. Ein neuntes Mal (2022 in Peking) schließt Kasai auch nicht aus: „Ich springe, bis ich 50 bin.“ Also bis 2023 ...

     

    Dominik Feischl und Alexander Zambarloukos, 12.01.2018, 00:04 Uhr

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