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    Kahr: Aussage gegen Aussage

    Kahr: Aussage gegen Aussage

    SCHLADMING. Klasnic-Kommission hatte Hinweise auf Missbrauch erhalten.

    Nach Missbrauchsvorwürfen gegen den ehemaligen ÖSV-Trainer Karl "Charly" Kahr gibt es vonseiten des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) keine Stellungnahme. Die vom ÖSV zur Aufklärung und als Opfer-Anlaufstelle eingerichtete "Klasnic-Kommission" bestätigte indes, dass man bereits in der Vergangenheit Hinweise bezüglich sexueller Übergriffe durch Kahr erhalten habe. Allerdings seien diese anonym gewesen und nicht von unmittelbar Betroffenen gekommen.

    Nun hat eine Ex-Skirennläuferin der "Süddeutschen Zeitung" berichtet, sie sei als 16-Jährige in ihrer Zeit beim ÖSV im Winter 1968/69 vom damaligen Damen-Cheftrainer vergewaltigt worden. Eine zweite Ex-Rennläuferin wirft Kahr in einer eidesstattlichen Erklärung versuchte Vergewaltigung im Winter 1976 vor. Kahrs Anwalt, Manfred Ainedter, der derzeit auch Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser im BUWOG-Prozess vertritt, entgegnete: "Das ist glatte Verleumdung. Tatsache ist, es ist nicht wahr." Für Kahr gilt die Unschuldsvermutung.

    Die rechtliche Situation

    Wie ist der Fall rechtlich gelagert? Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Leoben liegt noch keine Anzeige vor, erklärt Staatsanwalt Walter Plöbst. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt gegen Unbekannt, dabei geht es um jene Vorwürfe, die die Ex-Rennläuferin Nicola Werdenigg erhoben hat: Plöbst betont, "wie kompliziert die Frage einer möglichen Verjährung ist." Grundsätzlich gilt: Die Strafdrohung für Vergewaltigung beträgt zehn Jahre, die Verjährungsfrist ebenso. Früher begann sie mit dem 18. Geburtstag des Opfers zu laufen, nach einer von mehreren Novellen erst mit dem 28. Lebensjahr.

    Video: Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zu Folge erheben ehemalige Skirennläuferinnen Missbrauchsvorwürfe gegen die heute 85-jährige Trainerlegende Karl Kahr.

    "Jede(r) soll sich melden"

    Die steirische Ex-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, Vorsitzende der "Klasnic-Kommission": "Die Menschen brauchen immer ein bisschen Zeit. Aber ich appelliere an jede und jeden, sich zu melden. Dass ich jede Meldung absolut vertraulich behandle, versteht sich von selbst. Es muss sich niemand anonym bei mir melden. Denn es ist schon so: Ich kann nur dann etwas unternehmen, wenn ich weiß, wer mein Gegenüber ist. Wenn ich das nicht weiß, kann ich auch nichts tun."

     

    10.02.2018, 00:04 Uhr

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