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    Ex-Black-Wings-Trainer Rob Daum

    Rob Daums bewegender Abschied: Tränen der Dankbarkeit und Enttäuschung

    LINZ. Es gibt Situationen, da fällt es schwer, die Fassung zu bewahren. Heute, 11.05 Uhr, war so eine. Rob Daum, von dem sich die Black Wings am Montag einvernehmlich getrennt hatten, konnte seine Tränen nicht zurückhalten, als er bei der finalen Pressekonferenz in der Keine-Sorgen-EisArena Bilanz über knapp sechs Jahre in Linz zog.

    Kurz vor 11 Uhr betrat Daum die VIP-Räumlichkeiten. Zunächst leicht distanziert, weil die Dinge in den vergangenen Wochen keineswegs so gelaufen sind, wie es sich der 59-jährige Kanadier vorgestellt hatte. Später sollte er sich aber bemerkenswert öffnen. Er tat dies mit Emotionen, aber als Gentleman. Keine Schmutzwäsche, kein Wort der Abrechnung.

    Der Coach erschien mit einem Zettel, auf dem er sich eine Ansprache vorbereitet hatte. An dieser Version hatte er getüftelt wie zuvor an so manchem Eishockey-System: "Es war nicht einfach, diese Zeilen zu verfassen. Und es wird noch schwieriger, das vorzutragen. Ich hoffe, dass ich hier durchkomme."

    Nach nur wenigen Augenblicken rang Daum nach Worten, Tränen schossen ihm in die Augen, das Ende seiner Ära geht ihm unglaublich nahe, daran gibt es keinen Zweifel. "Ich danke dem Klub, dass er mir diese wundervolle Gelegenheit gegeben hat, hier zu arbeiten."

    "Das ist etwas, das ich nie vergessen werde"

    Besondere Worte der Anerkennung gab es für Präsident Peter Freunschlag und dessen Gattin Andrea: "Nachdem ich gekommen war, hatten sie die Großzügigkeit, mich zu Weihnachten einzuladen und dieses Fest mit ihnen zu feiern. Das ist etwas, das ich nie vergessen werde."

    Daum dankte auch Manager Christian Perthaler - obwohl beide auf arbeitstechnischer Ebene zuletzt nicht wirklich auf einen Nenner kamen. Der "Professor" lobte seinen ehemaligen Assistenten Mark Szücs für dessen "Loyalität": "Er ist mir ein guter Freund geworden und wuchs zu einem exzellenten Trainer heran."

    Ob Zeugwarte, Physios oder Spieler ("Ohne sie wäre ich nichts") - alle wurden von Daum wohlwollend erwähnt. Da floss kein böses Blut.

    Die größte Faszination auf Daum übten die treuen Anhänger des EHC aus: "Das sind die großartigsten Fans, die ich je gesehen habe."

    Daum gab zu, dass die jüngsten zwei Wochen, in denen sich sein Abgang abgezeichnet hatte, "mit Enttäuschung und Trauer gefüllt" waren. Nachsatz: "Ich habe meine Seele und meinen Geist in dieses Projekt investiert. Aus meiner Sicht ist es leicht zu erklären, warum wir in dieser Saison so früh ausgeschieden sind. Ich werde das aber nicht hier in der Öffentlichkeit tun."

    "Im Moment habe ich keine Optionen"

    Und was passiert jetzt? Daums ursprünglich bis 2018 laufender Vertrag ist einvernehmlich aufgelöst, der Kanadier kam dem EHC finanziell entgegen, weil "mein Herz an Linz hängt". Im Umkehrschluss heißt das: Daum ist frei für neue Aufgaben, an der Motivation wird es nicht scheitern: "Im Moment habe ich keine Optionen. Ich muss warten." Auf Angebote, die sein Agent an Land zieht.

    Seine Vita sollte ihm das erleichtern. Immerhin war in den sechs Saisonen in Linz ein Mal Meister und vier Mal im Semifinale. Das ist eine Ansage. Und: "Wo auch immer ich landen werde, werde ich dieselbe Leidenschaft in meine Arbeit investieren, wie es in Linz der Fall war. Diese Phase der Trauer nach dem Ende einer Saison dauert bei mir normal zwei Wochen, diesmal vielleicht ein bisschen länger. Aber ich werde schnell wieder bereit für neue Aufgaben sein."

    Daum ist extrem traurig, aber nicht ausgebrannt: "Ich liebe es zu arbeiten", sagt er. Und: "Ich werde viel vermissen. Ich weiß, dass ich 2011 wirklich Glück hatte, die Chance in Linz zu bekommen. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht Gott dafür danke, dass ich hier sein konnte."

    "Wenn man etwas Gutes hat, dann behalte es"

    Doch damit nicht genug: "Linz ist eine großartige Stadt. In Wien und Salzburg haben sie mich ausgelacht, als ich ihnen sagte, dass ich Linz liebe. Es waren sechs wundervolle Jahre, deshalb ist es jetzt so schwierig zu gehen. Ich bin äußerst glücklich, die Meisterschaft gewonnen zu haben (2011/12, Anm.). Es war nicht nur ein Job, sondern viel mehr. Das ist meine Heimat." Deshalb hat er in den vergangenen Jahren allen Abwerbungsversuchen - und es waren einige dabei - widerstehen können.

    Daum sagt: "Wenn man etwas Gutes hat, dann behalte es. Das habe ich gelernt. Ich habe versucht, einen guten Job zu machen. Aber nicht, um den nächsten Schritt in eine höhere Liga zu machen, sondern um das Beste aus Linz herauszuholen. Ich wurde hier fair behandelt - die meiste Zeit."

    Hätten Sie in den sechs Jahren etwas anders machen sollen, Herr Daum? "Natürlich. Jeden Tag denkt man darüber nach. Würdest du das nicht tun, könntest du dich nicht weiterentwickeln. Mein Ziel ist es, jedes Jahr als Trainer besser zu werden, also konstant zu wachsen."

    Die Erwartungshaltung in Linz sei zuletzt in den Himmel gewachsen: "Wenn du früh in der Saison liest, dass alles andere als der Finaleinzug eine Enttäuschung ist, weiß ich nicht, ob das realistisch ist", sagt Daum. Die Black Wings scheiterten im Viertelfinale in der Endabrechnung deutlich an Bozen - mit 1:4.

    "Hier in Linz ist alles viel entspannter"

    Die Spieler hat Daum am Montag nach seiner Vertragsauflösung via Kurzmitteilung von seinem Abschied informiert und ihnen angeboten, jeden Einzelnen zu treffen, wenn er denn möchte: "Gemessen an den Antworten werde ich 90 Prozent von den Burschen sehen. Die Inhalte der Meetings werden jetzt natürlich andere sein."

    Was passiert, wenn Daum in Zukunft als Gegner nach Linz kommen sollte? "Dann werde ich als Profi versuchen, dieses Spiel zu gewinnen. Aber ein Sieg würde mir keine Extra-Freude bereiten, weil es gegen den Ex-Klub wäre."

    Was nimmt Daum von seiner Zeit in Linz mit? "Der Lebensstil hier ist komplett anders als in Edmonton, wo ich lebe. Dort kannst du nicht die Donau entlang joggen. Hier in Linz ist alles viel entspannter, ich mag das. Hier geht man runter vom Gas und erfreut sich des Lebens. Ich finde es auch in Ordnung, dass die Geschäfte am Sonntag zu sind."

    "Ich fühle mich schlecht, dass ich die Sprache nicht kann"

    In der Keine-Sorgen-EisArena ist es mit der Ruhe freilich vorbei, hier geht die Post ab. Ein Gefühl, das Daum stets genoss: "In dieser Halle konntest du die Energie und die positive Aufregung spüren, das wird mir sehr abgehen. Ich glaube, das beurteilen zu können. Denn immerhin war ich vorher auch Coach in der NHL und in der AHL - und das sind die besten Ligen der Welt."

    Was Kritik an der Person Daum anbelangt, so war öfter zu hören, dass er nie Deutsch gelernt hat. "Dafür hatte ich keine Zeit, weil sich bei mir alles um Eishockey drehte - zehn bis zwölf Stunden pro Tag. Und als ich kam, wusste ich ja nicht, dass es letztlich sechs Jahre sein würden, die ich hier bin. Ich habe zwei verschiedene Kurse besucht, ich fühle mich auch schlecht, dass ich die Sprache nicht kann. Ich wollte sie schon lernen - allein deshalb, um mich auch mit den Fans in ihrer Sprache zu verständigen. Bei den Spielern war das kein Problem, jeder kann hier Englisch." Nachsatz: "Es ist harte Arbeit, Deutsch zu lernen."

    Daum weiß, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, so lange mit einem Klub verbunden zu sein: "Seit ich 2011 gekommen bin, habe ich, glaube ich, 45 verschiedene Coaches in der Liga erlebt. Das sagt alles."

    Und zum Schluss klingt noch einmal große Dankbarkeit durch: "Ich hatte nichts, als ich kam. Jetzt war ich sechs Jahre hier und durfte auch mit dem Nationalteam zu Olympischen Spielen." Es war vieles gut, seinen Abgang hat sich Daum aber anders vorgestellt.

    Sprach's und ging. Danke, Herr Daum, und alles Gute!

     

     

    Alexander Zambarloukos, 14.03.2017, 15:00 Uhr

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