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    Black Wings müssen den Turbo zünden

    Dorion: "Ich konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen"

    LINZ. Verteidiger Marc-Andre Dorion spricht im OÖN-Exklusivinterview über seinem Abschied bei den Black Wings, seine sportliche Zukunft und warum er Linz mittlerweile besser kennt, als Montreal.

    Marc-Andre Dorion absolvierte in den jüngsten sechs Spielzeiten insgesamt 387 Spiele im Dress der Black Wings, erzielte 30 Pflichtspiel-Tore, bereitete 204 weitere Treffer vor und arbeitete sich zum Leistungsträger empor. Für die kommende Saison wurde ihm kein Vertrag mehr angeboten. Ein Abschieds-Interview wenige Tage vor seinem Flug zurück nach Kanada:

     

    OÖN: Nach sechs Jahren bei den Black Wings, wie schwer fällt es Ihnen, auf Wiedersehen zu sagen?

    Marc-Andre Dorion: Offensichtlich ist es ziemlich enttäuschend. Es war klar, dass ich gerne geblieben wäre. Linz war das erste Team, bei dem ich Profi-Eishockey gespielt habe und deshalb wollte ich so lange wie irgendwie möglich hier bleiben. Ich war ziemlich traurig.

    Wirklich, Sie haben vorher nie professionell Eishockey gespielt?

    Ja, ich bin vorher aus dem Universitäts-Hockey gekommen und habe in Amerika nie professionell gespielt. Mit 25 kam ich dann nach Linz.

    Was war der Grund für die Trennung von den Black Wings?

    Das Team will eine Veränderung. Man hat jetzt sechs Jahre lang keinen Meistertitel gefeiert und deshalb wollte man einen Umbruch. Für mich persönlich war es eine ziemlich harte Saison. Ich konnte mich in der Vergangenheit jedes Jahr um ein Stück weit verbessern, aber die Scheibe ist heuer einfach nicht für mich gesprungen und so habe ich einige Fehler gemacht. Dazu sei aber gesagt, dass das nichts mit der Vorbereitung oder der persönlichen Einstellung zu tun hat, sondern dass es einfach Konzentrationsfehler waren. Die Leute waren die Fehler von mir einfach nicht gewohnt und dadurch konnte ich die hohen Erwartungen an mein Spiel nicht ganz erfüllen. Ich würde nicht sagen, dass meine Saison schlecht war, die Fehler blieben aber in Erinnerung. Vor allem die Punkteausbeute stimmt mich positiv. Ich weiß, was ich kann und möchte das im nächsten Jahr wieder zeigen.

    Was war der emotionalste Moment für Sie in Linz?

    Das ist eine gute Frage. Ich denke, es waren die Abschiede von großen Spielern. 2013 hat Pat Leahy seine Karriere beendet. Und heuer Philipp Lukas. In beiden Fällen schieden wir im Halbfinale aus und die beiden Spieler hätten es sich verdient, weiter zu kommen. Bei Pat Leahy war es so, dass er mir in meiner ersten Zeit hier in Linz sehr weiter geholfen hat. Ich sehe ihn als Vorbild. Und heuer bei Phil war es genauso.

    Was werden Sie an Linz am meisten vermissen?

    Also vor allem die Mitspieler. Die Leute im Verein und in der Kabine. Wir hatten eine sehr gute Chemie in der Mannschaft. Diese Leute waren Teil meines Lebens in den letzten Jahren und sie werde ich am meisten vermissen. Und zweitens natürlich die Menschen in Linz. Ich kenne Linz nun besser als Montreal. Und natürlich die Atmosphäre in der Eisarena. Aber mal schauen, in welche Richtung es geht. Vielleicht werde ich die ja wieder erleben. Aber keine Frage, es wäre schon seltsam, hinten beim Gäste-Eingang in die Halle zu kommen.

    Sie steigen bald in das Flugzeug in Richtung Kanada. Was wird das erste sein, das Sie nach Ihrer Ankunft in Montreal machen werden?

    Ich werde meine Familie besuchen. Da geht nichts drüber. Wir sind neun Monate im Jahr getrennt voneinander und da ist es schön, die Liebsten wieder zu sehen. Ich weiß noch nicht, wer mich von ihnen vom Flughafen abholen wird, aber wir werden gemeinsam essen gehen und dann hoffe ich, dass ich die Tage nach meiner Ankunft alle besuchen kann. Und dann spiele ich noch bei einem Hockey-Turnier mit ein paar Freunden mit, die mich heuer besucht haben. Aber es war in den vergangenen Jahre immer so, dass ich die Familie zuerst wieder sehen wollte. Sie ist das wichtigste in meinem Leben.

    Apropos Familie: Sie haben in dieser Saison eine Freundin gefunden, Lisa, eine Linzerin. Wird sie Sie begleiten?

    Es ist einfach verrückt. In dieser Saison ist abseits des Eises für mich alles sehr gut gelaufen. Ob es jetzt die Beziehung mit Lisa ist, oder die Stimmung in der Mannschaft war. Ich habe mit ihr darüber gesprochen. Sie ist in dieser Hinsicht so entgegenkommend und wird für mich alles aufgeben und mit mir gehen. Es ist in dieser Hinsicht sehr schade, dass ich gehen muss. Aber ich verstehe, dass ein Verein nicht nach dem Kriterium entscheidet, wer Freundin/Familie hier hat und wer nicht.

    Gibt es eine Wunsch-Destination als Eishockeyspieler für Sie?

    Wir haben es bis vor einer Woche nicht gewusst, ob ein Verbleib in Linz möglich ist oder nicht. Deshalb habe ich daran noch nicht viele Gedanken verschwendet. Ich habe bis zum Schluss gehofft, wieder zurückkommen zu dürfen. Aber ich versuche, positiv zu bleiben. Einige Verträge wurden hier und da schon unterschrieben, aber ich kenne nun die Liga und denke, dass es ein Vorteil wäre, weiterhin hier zu spielen. Aber wir suchen nach dem besten Ort für mich, um Hockey zu spielen. Es gibt keine spezifische Destination.

    Plan A würde für Sie EBEL heißen, oder?

    Es wäre die einfachste Lösung. Für mich, weil ich die Liga kenne und für Lisa, weil sie das Schulsystem kennt (Die Linzerin arbeitet als Lehrerin, Anm.). Sie muss einen Job finden und das geht hier am besten. Würden wir nach Deutschland gehen, wäre es wieder etwas komplizierter, weil beispielsweise das Bildungssystem anders ist. Und dass ich die EBEL und viele Spieler kenne, wäre ein Benefit für das Team, das mich unter Vertrag nimmt.

    Treffen Sie also die Entscheidung, für welches Team Sie in der kommenden Saison auflaufen werden, mit Ihrer Freundin oder alleine?

    Wir werden die endgültige Entscheidung gemeinsam treffen. Es ist wichtig, eine Stadt zu finden, in der sie sich wohl fühlt und ihre Träume verwirklichen kann. Aber an erster Stelle steht, einen für mich passenden Ort zu finden, meinen Job ausüben zu können. Ein Team, bei dem die Eiszeit passt und bei dem die Chancen da sind, um die Meisterschaft mitzuspielen. Denn dafür spielst du als Profi schließlich.

    Was würden Sie einem fremden Spieler, der nach Linz gehen will, über die Black Wings erzählen?

    Ich wurde in den letzten Jahren sehr gut behandelt hier. Ich könnte kein schlechtes Wort über die Black Wings verlieren. Die Verantwortlichen haben immer versucht, mir zu helfen. Und ich habe immer versucht, so viel wie möglich zurückzugeben. Deshalb kann ich nur Positives weitererzählen.

    Und was werden Sie Ihren künftigen Teamkollegen sagen, wenn es zu einem Spiel gegen die Black Wings kommt?

    Wenn wir in Linz spielen, dann wäre es: 'Versuchen wir, die ersten fünf, zehn Minuten zu überstehen.' Man muss in Linz den Fans den Wind aus den Segeln nehmen. Dass ich die Spieler kenne, könnte ein Vorteil sein, aber Eishockey ist ein Sport, in dem man kaum Zeit hat, darüber nachzudenken, welcher Gegenspieler auf dem Eis welche Rolle bekleidet. Und ich müsste mich sowieso auf meine eigene Leistung konzentrieren, weil es sehr emotional wäre, hier wieder aufzulaufen.

    Gibt es da etwas, was Sie Ihren Fans noch sagen möchten?

    Es gibt nicht viel mehr, als Danke zu sagen. Danke dafür, dass ihr mich so herzlich empfangen habt, als ich das erste Mal hier war. Danke für den Zuspruch während der letzten sechs Jahre. Macht weiter so mit eurem Support, das Management tut alles, was es kann, um ein Team zusammen zu stellen, das viel gewinnen kann.

    Markus Prinz, 18.04.2018, 15:41 Uhr

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