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    Die Power-Frau vom Bauernhof

    Vanessa Herzog: Die Power-Frau vom Bauernhof

    Stunde der Wahrheit für Vanessa Herzog: Die 22-jährige Innsbruckerin, die sich mit ihrem Ehemann und Manager Thomas auf einem Bauernhof mit Schweinen, Gänsen und anderen Tieren niedergelassen hat, ist ausgezogen, um olympisches Edelmetall zu gewinnen.

    Ihre Bühne im Eisschnelllauf über die Paradedistanz von 1000 Metern ist heute (11 Uhr) das 8000 Besucher fassende und wohl ausverkaufte Gangneung Oval an der Ostküste Südkoreas.

    Vanessa, die als Erste der 105 ÖOC-Athleten im olympischen Dorf Quartier bezogen hat, fühlt sich bereit für den "Tag X". Und das, obwohl sie zwei Wochen vor den Spielen von einer Grippe heimgesucht wurde. "Das war vielleicht nicht so schlecht. Jetzt habe ich statt 71,5 nur noch 69,5 Kilogramm und 4,5 weniger als vor einem Jahr. Das ist ideal", lächelte die dreifache EM-Medaillengewinnerin von Kolomna (Gold, Silber, Bronze), die auf die 1500 Meter am Montag verzichtet hatte.

    "Das stand nicht dafür, sie wäre vielleicht Zwölfte geworden. Der Substanzverlust wäre groß gewesen", erläutert Thomas Herzog, der seiner Gattin heute alles zutraut. Bis hin zur Goldmedaille. "Hätte sie nicht am Start Nachteile, wäre sie unschlagbar. Vanessa läuft die schnellsten Runden, aber sie hat aufgrund ihrer Größe (1,75 Meter) 20 Kilo mehr als die Asiatinnen, da dringst du in weiches Eis ein", erklärte der "Macher".

    Auch wenn Eisschnelllauf in der heimischen öffentlichen Wahrnehmung noch eine Randerscheinung ist, hat sich in Vanessas Leben einiges verändert. "Jetzt kennen mich schon mehr", lächelte die Aufsteigerin, die schon 2014 als 18-Jährige in Sotschi im Olympia-Einsatz war.

    Asiatinnen schwer unter Druck

    Die gewonnene Erfahrung hilft ihr. Vielleicht auch der mächtige Druck, der auf den Favoritinnen aus Asien lastet. Hunderte japanische Journalisten verfolgen Nao Kodaira, die drei der sechs 1000er-Weltcups gewonnen hat und über 500 m in dieser Saison noch ungeschlagen ist, auf Schritt und Tritt. Noch schlimmer ist es bei der südkoreanischen Lokalmatadorin Lee Sang-hwa, die sich hier nicht ohne Bodyguards bewegen kann und unmittelbar vor den Spielen sogar die Flucht nach Inzell angetreten hat, um ungestört zu sein. Ein riskantes Manöver, glaubt Thomas Herzog: "Sie hat sich zweimal dem Jetlag ausgesetzt." Vanessa nur einmal. Und das ohne Probleme. "Ich fühle mich wohl", sagt die junge Dame, die als erste österreichische Eisschnellläuferin seit Emese Hunyady (1994) eine Olympiamedaille gewinnen könnte.

    Alexander Zambarloukos aus Gangneung, 14.02.2018, 00:04 Uhr

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