• Olympia 2018

    Hirscher holt Kombinations-Gold

    JEONGSEON. Österreichs Ski-Superstar Marcel Hirscher hat den letzten weißen Fleck auf seiner ohnehin schon so umfangreichen Erfolgsliste ausgelöscht.

    Im ersten Alpin-Bewerb der Winterspiele in Pyeongchang holte sich der Salzburger am Dienstag im Alpincenter von Jeongseon mit dem Titel in der Kombination sein erstes Olympia-Gold. Damit beendete er auch Österreichs aktuell längste olympische Ski-Durststrecke.

    Denn auf den Tag genau 20 Jahre davor hatte Mario Reiter bei den Spielen in Nagano das bisher letzte Olympia-Gold in der Kombination der Herren geholt. Sonst hatte nur 1988 Hubert Strolz 1988 in Calgary für Rot-Weiß-Rot zugeschlagen. Für den sechsfachen Weltmeister und Gesamtweltcupsieger Hirscher ist es die zweite Olympia-Medaille nach Slalom-Silber 2014 in Sotschi. 23/100 bzw. 1,02 Sekunden hinter dem ÖSV-Ass holten die Franzosen Alexis Pinturault und Victor Muffat-Jeandet Silber und Bronze. Nach der Zieldurchfahrt war Hirscher allerdings zunächst richtig grantig.

    "Ich bin stolz auf eine wahnsinnig gute Abfahrt und ziemlich viel Coolness im Slalom. Dass ich mich nicht habe verrückt habe lassen", sagte Hirscher im Sieger-Interview nach einem Torlauf bei speziell bei ihm schwierigen Bedingungen. "Dass wir die erste Chance haben nützen können, ist perfekt." Eigentlich könne er nun schon heimfahren, was er aber natürlich nicht mache. "Jetzt lassen wir es heute einmal krachen und dann schauen wir, was die nächsten Tage noch bringen."

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    Starke Abfahrt

    Die Basis für seinen Triumph hatte Hirscher in der Abfahrt gelegt. Im wegen starken Windes zum Super-G-Start hinunterverlegten Teilbewerb verlor der Annaberger bei einer Fahrzeit von lediglich rund 1:20 Minuten nur 1,32 Sek. auf den vorangelegenen deutschen Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen. Als Zwölftem fehlten ihm nur 28/100 auf Pinturault, den Zehnten. "Heute ist mir speziell am Vormittag etwas Großartiges gelungen", sagte Hirscher. "Das war die beste Abfahrt in meinem Leben."

    Den Technikern im Feld kam auch gelegen, dass in der Abfahrt bei den Sprüngen ein wenig umgeleitet wurde. Recht aussichtsreich war da auch noch Marco Schwarz als 19. mit 1,74 Sekunden Rückstand im Rennen gelegen. Die rot-weiß-roten Speed-Spezialisten Matthias Mayer (+0,13) und Vincent Kriechmayr (0,72) hielten sich als Dritter bzw. Siebenter der Abfahrt gut, beide schieden im Torlauf aber aus. Der norwegische Abfahrtszweite Aksel-Lund Svindal verzichtete auf einen Slalom-Start.

    Im ebenfalls verkürzten, aber schwierigen Slalom hatte Muffat-Jeandet als Zweiter der Startreihenfolge ordentlich vorgelegt. Seine Marke von 45,96 Sekunden wurde nur noch von Hirscher um 1/100 unterboten. Der hatte aber anders als die die meisten anderen mit starkem Wind und schlechter Bodensicht zu kämpfen. Pinturault hatte danach etwas bessere Verhältnisse. "Ich habe Silber gewonnen, nicht Gold verloren", sagte der 26-Jährige. "Marcel ist so stark im Slalom. Ich bin wirklich glücklich."

    Zweites "Blech"

    Schwarz gelang kein optimaler Lauf, der Kärntner landete letztlich 33/100 hinter Muffat-Jeandet auf Platz vier. Es ist der zweite "Blech"-Rang Österreichs bei diesen Spielen nach jenem von Biathlet Julian Eberhard im Sprint. "Ich war ein bisschen zu aggressiv abgestimmt", meinte Schwarz. "Schade. Wenn ich da gut gefahren wäre, wäre etwas drinnen gewesen." Als der 22-Jährige ins Ziel gekommen war, war er Zweiter und durfte noch hoffen. Dann kamen aber noch Pinturault und Hirscher.

    Marco Schwarz

    Kriechmayr und Mayer hatten schon nach der Abfahrt geahnt, dass es für sie nicht für einen Podestplatz reichen würde. "Die Abfahrt war zu leicht", erklärte Kriechmayr. "Ab dem Zeitpunkt (der Verlegung der Abfahrt, Anm.) hat jeder gewusst, dass ein Slalomfahrer gewinnt." Mayer kam etwas schlimmer zu Sturz und verließ den Zielraum recht rasch. Der Kärntner dürfte sich aber nicht verletzt haben, hat wie Kriechmayr noch seine Antreten in Abfahrt und Super-G für sich.

    Es ist die zweite Medaille für das ÖOC-Team bei diesen Spielen, die zweite in Gold. Am Sonntag hatte der 23-jährige Tiroler David Gleirscher im Rodel-Einsitzer unerwartet den Titel geholt. Für Hirscher ist bei diesen Titelkämpfen nun noch einiges drinnen, da das große Ziel schon erreicht ist. Am Sonntag (18. Februar) steht der Riesentorlauf, am Donnerstag nächster Woche (22.) der Slalom auf dem Programm. In beiden Bewerben ist Österreichs aktueller und insgesamt vierfacher "Sportlers des Jahres" Favorit.

    Reaktionen zum ersten Olympiasieg von Marcel Hirscher

    Marcel Hirscher (zunächst auf die Frage, worauf er besonders stolz ist): "Auf eine wahnsinnig gute Abfahrt und auf ziemlich viel Coolness im Slalom, dass ich mich nicht verrückt machen habe lassen. Ich war die ganze Zeit und bin nach wie vor recht entspannt. Dadurch war es einfacher für mich ruhig zu bleiben. Dass wir die erste Chance nutzen können, ist perfekt. Ich fahre nicht nach Hause, keine Angst. Aber eigentlich könnte ich. Das ist unfassbar. Heute die Abfahrt mit der Nummer zwei war alles andere als leicht. Es war alles in allem ein guter Tag. Wir sind ein bisschen sprachlos. Wir waren schwer angespannt, was die Entscheidungsfindung betrifft. Für mich war klar, nach dieser Abfahrt war der Start in der Kombination auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Schade ist, dass ich meine Lederhose vergessen habe, aber ich freue mich sehr auf die Siegerehrung."

    Alexis Pinturault (Gewinner der Silber-Medaille): "Es waren sehr schwere Bedingungen. Ich bin sehr glücklich. Marcel ist so stark im Slalom. Ich bin einen guten Slalom gefahren. Es war ein harter Kampf. Ich habe Silber gewonnen. Jeder versucht auf das Podium zu kommen, es ist unglaublich schwer."

    Victor Muffat-Jeandet (Gewinner der Bronze Medaille): "Ich weiß nicht, was ich denken soll. Ich war enttäuscht nach der Abfahrt, da habe ich ein paar Fehler gemacht. Ich war wirklich hungrig. Ich habe an mich geglaubt und mich auf mich konzentriert. Es ist ganz gut gegangen. Viele haben mir gesagt, dass es reichen wird. Das mit Alexis teilen zu können, ist unglaublich."

    Marco Schwarz: "Im Weltcup nehme ich den vierten Platz gerne. Hier ist es ein bisschen bitter, aber es hilft eh nichts. Vorgenommen hätte ich mir was, aber ich bin oben nicht ganz reingekommen, aber ich habe mir mit dem aggressiven Schnee schwergetan. Unten hätte es eh gepasst, aber so schaut halt nur der vierte Platz raus. Ganz lässig hat es sich nicht angefühlt. Spaß gemacht hat die Kombi, ausgezahlt hat es sich auch. Es war mal was anders und für den Kopf ganz lässig. Ich war mir bewusst, dass Marcel ganz vorne mitfährt, man kann nur gratulieren."

    Vincent Kriechmayr: "Zur Zeit bin ich in der Kombi doch ziemlich eine Schwachstelle. Das darf nicht passieren, da muss ich auf nächstes Jahre doch einiges verbessern."

    Peter Schröcksnadel (ÖSV-Präsident): "Ich habe mir schon erwartet, dass er eine Goldene macht, nicht unbedingt in der Kombination. Er hatte ganz schlechte Bedingungen im Slalom. Wenn er in der Abfahrt etwas weiter weg ist, schaut es anders aus. Im Training war er ja teilweise drei Sekunden hinten. Die Verkürzung hat ihm sicherlich geholfen. Hut ab. Er ist ein ganz konsequenter Mensch. Ein großer Tester. Er gibt sich nie zufrieden. Er kann natürlich noch viel erreichen. Wir brauchen keine Prophezeiungen machen. Eine Goldene hat er. Damit kann er die anderen Bewerbe entspannt angehen. Für uns ist das eine Riesenentlastung. Die Rodler haben uns schon einen großen Gefallen getan. 

    nachrichten.at, 13.02.2018, 07:41 Uhr

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