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    "Da kannst du schreien, was du willst"

    LINZ. OÖN-Interview: Günther Weidlinger über die Machtlosigkeit eines Rennleiters, die Sinnhaftigkeit einer Rekordjagd und wie es beim Linzer Marathon weiterlaufen wird.

    Vielleicht gab es beim 17. Oberbank Linz Donau Marathon doch noch eine Bestzeit, denn die Geschwindigkeit, in der sich die Landeshauptstadt von einer Sportarena über Nacht wieder zurückverwandelt hat, war rekordverdächtig. Am Tag danach zog Mit-Organisator Günther Weidlinger im Gespräch mit den OÖNachrichten Bilanz und richtete dabei seinen Blick auch schon wieder nach vorne.

    OÖN: Wie schläft man in der Nacht nach so einem Marathon-Wochenende?

    G. Weidlinger: Fast gar nicht. Ich bin kurz vor Mitternacht ins Bett gekommen, um Dreivierteldrei hat schon wieder der Wecker geläutet, weil da die ersten Athleten abgereist sind.

    Wie hilfreich ist es für Ihre Aufgabe im Organisationsteam, dass Sie früher selbst Leistungssportler gewesen sind?

    Das hilft mir sehr, weil ich gelernt habe, mit viel Druck und körperlicher Belastung umzugehen. Außerdem sehe ich viele Dinge mit den Augen eines ehemaligen Leistungssportlers und weiß ganz genau, was sich die Elite-Läufer wünschen. Das beginnt damit, dass für die Afrikaner im Hotel-Restaurant Ugali (Anm.: Getreidebrei aus Maismehl) angeboten wird, bis hin zum Bereitstellen eines speziellen Wassers mit wenig Magnesium.

    In Linz wurden viele Weichen auf Streckenrekord gestellt, letztendlich hat es aber wieder nicht geklappt. Wird man zukünftig eine andere Strategie fahren?

    Wir werden sicher auch weiterhin sehr starke Läufer am Start haben, die Frage ist, ob wir wieder ein so großes, kompaktes Feld wie heuer verpflichten. Außerdem wäre es denkbar, dass wir mehr auf junge Leute setzen, die auf dem Weg zur Spitze sind und weniger auf ältere Athleten, die in der Gegenrichtung unterwegs sind.

    So ein Massenauflauf wie ihn am Wochenende Linz erlebt hat, ist ja in erster Linie ein Fest des Breitensports und der Hobby-Läufer. Warum verzichtet man einfach nicht darauf, Weltklasse-Läufer aus Afrika zu verpflichten, um eine Rekordjagd zu inszenieren?

    Auch das hat natürlich seinen Reiz und ist für mich ein gangbarer Weg. München hat das vor ein paar Jahren gemacht und fährt eigentlich ganz gut damit. Andererseits sind die Elite-Läufer die Attraktion eines Marathons und eine gute Rekordzeit so etwas wie eine Visitenkarte. Und für die Zuschauer ist es schon etwas Besonderes, wenn knapp an ihnen diese Läufer mit ihrem Wahnsinnstempo vorbeirennen.

    Linz scheint sich, was die Starterzahlen betrifft, auf einem hohen Niveau eingependelt zu haben. Wird in Zukunft nur noch an kleineren Schrauben gedreht oder gibt es größere Visionen?

    Wenn wir das Starterfeld noch etwas ausbauen könnten, wäre das sehr gut. Aber sehr viel mehr verträgt die Strecke kaum, da gibt es jetzt schon Passagen, wo es recht eng wird. Persönlich könnte ich es mir vorstellen, dass wir die Startzeiten anders staffeln, um den Marathon und den Halbmarathon zu entflechten. Im Mittelpunkt steht vor allem, dass wir Linz als "Wohlfühl-Marathon" positionieren, bei dem der Servicegedanke großgeschrieben wird und das Dabeisein einfach Spaß macht. Da sind wir schon gut unterwegs, wobei ich natürlich für Kritik ein offenes Ohr habe, so lange diese konstruktiv ist.

    Wie Sie am Sonntag gut zwei Stunden in einer nicht gerade angenehmen Haltung aus dem Fenster des Führungsautos hingen – was ging Ihnen da alles durch den Kopf?

    Körperlich war es wirklich nicht bequem, aber es ist trotzdem ein besonders schönes Gefühl, wenn man die Begeisterung der vielen Menschen an der Strecke so hautnah miterlebt. Gleichzeitig wird die Euphorie immer wieder gedämpft, wenn zum Beispiel unser Top-Läufer schon bei Kilometer neun zurückfällt und die Tempomacher zu langsam sind. Da kannst du als Rennleiter schreien, was du willst, da bist du einfach machtlos.

    Gab es auch den Gedanken: "Da würde ich jetzt lieber selbst den Marathon laufen?"

    Nein, dieses Kapitel ist abgeschlossen. Ich werde sicher heuer auf Spaßniveau an ein paar Läufen teilnehmen, aber an meine früheren Zeiten lasse ich mich nicht mehr messen. Jeder Leistungssportler hat sein Ablaufdatum, ich habe das Gott sei Dank richtig erkannt, rechtzeitig aufgehört und bin gesund geblieben. Mir tut nichts weh.

    Christoph Zöpfl, 17.04.2018, 00:04 Uhr

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