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    Vor 20 Jahren schrieb die SV Ried Cup-Geschichte

    RIED. Erfolgstrainer Klaus Roitinger erinnert sich an die Tage, die mit einer großen Sensation begannen und mit einer Tragödie endeten.

     Am Samstag ist es 20 Jahre her, dass die SV Ried mit dem ÖFB-Cup-Sieg oberösterreichische Fußball-Geschichte geschrieben hat. Mit einem 3:1 über den damaligen Abo-Meister Sturm Graz sicherte sich die Mannschaft von Trainer Klaus Roitinger damals den Pokal. Im OÖN-Interview erinnert sich der 57-Jährige, der heute als Volksschuldirektor arbeitet, an die Rieder Sternstunde zurück.

     

    OÖNachrichten: Herr Roitinger, Ihre Ansprache in der Kabine vor dem Cup-Sieg 1998 lautete: "Ich will, dass wir uns 2018 wieder alle treffen, um den Cup-Sieg zu feiern." Wann ist es so weit?

    Klaus Roitinger: Ich fürchte, das müssen wir auf die Vierteljahrhundertfeier im Jahr 2023 verschieben. Ich habe öfter daran gedacht, bin aber leider nie dazugekommen, das zu organisieren.

    Sie haben die Mannschaft ja damals ganz besonders auf das Spiel gegen Sturm Graz vorbereitet.

    Mir war wichtig, dass jeder Spieler weiß, dass es das Spiel des Jahrzehnts ist. Eine einmalige Chance. Wir waren im Hotel Pyramide in Vösendorf einquartiert. Der Rezeptionistin habe ich gesagt, sie soll die Fernseher aus den Zimmern entfernen. Die hat mich nur komisch angesehen und erst gemeint: "Ich sperre gerne die Erotikkanäle." Daraufhin hab’ ich noch einmal gesagt: "Die Fernseher müssen weg. Ich will, dass sich alle Spieler nur auf das Match konzentrieren." Das wär’ heute undenkbar.

    Was blieb Ihnen von diesem denkwürdigen Spiel gegen Sturm Graz besonders in Erinnerung?

    Unser Gegner war damals so stark wie Red Bull Salzburg heute. Sturm war Dauergast in der Champions League, hat die Meisterschaft dank des "magischen Dreiecks" Vastic/Reinmayr/Haas mit 20 Punkten Vorsprung gewonnen. Wir waren Achter, ein ständiger Abstiegskandidat eben. Und trotzdem waren wir an diesem Abend der Sieger. Und das nicht durch Spielglück, sondern hochverdient.

    Ihr Gefühl nach dem Schlusspfiff?

    Das ist nicht in Worte zu fassen. Es war ein Sieg für die Ewigkeit. Einer, der für die meisten Spieler der absolute Höhepunkt der Karriere war. Am meisten hat mich gefreut, dass wir den Erfolg gemeinsam erringen konnten. Das war nicht mein Sieg, sondern unser Sieg. Der Herwig Drechsel war damals überragend, aber dahinter waren drei Mittelfeldspieler, die für ihn gelaufen sind, und eine Abwehr, organisiert von Goran Stanisavljevic, die bombensicher gestanden ist.

    Triumph und Tragödie lagen viel zu eng zusammen. Nur drei Tage nach dem Cup-Sieg verstarb ihr Co-Trainer Marinko Ivsic bei einem Autounfall.

    Wir sind alle gemeinsam im Bierzelt auf dem Rieder Volksfest gesessen und haben gefeiert. Da hat mir jemand gesagt, dass Marinko in der Steiermark auf regennasser Fahrbahn verunglückt ist. Ich habe dann sofort im Krankenhaus in Graz angerufen. Der behandelnde Arzt hat nur gemeint: "Ich habe Schweigepflicht, aber es sieht sehr schlecht aus." Für mich war in diesem Moment alles vorbei. Ich bin sofort wortlos nach Hause gegangen, habe auch sonst niemanden informiert, weil die Stimmung in der Mannschaft zu diesem Zeitpunkt so ausgelassen gewesen war und es sowieso nichts gebracht hätte.

    Sie sind ein knappes Jahr später zurückgetreten und später mit einer ganz kurzen Ausnahme als Ried-Interimstrainer für drei Spiele nie wieder als Trainer zurückgekommen. Warum?

    Ich habe es leider übersehen. Ich hätte gleich nach dem Cup-Sieg oder spätestens nach dem Ende unserer Europacup-Spiele zurücktreten sollen. Ich habe meinen Job immer zu 100 Prozent gelebt. Immer öfter habe ich mir gesagt: Ich will das nicht mehr, ich halte das nicht mehr aus. Es gab nichts mehr außer Fußball. Als ich nach einer 1:6-Niederlage gegen den LASK dann viel zu spät zurückgetreten bin, war ich einfach nur erleichtert. Und es ist auch nie wieder der Reiz zurückgekommen, es doch noch einmal längerfristig als Cheftrainer zu versuchen.

    Sie verfolgen die SV Ried auch heute noch?

    Natürlich, ich habe seit ewig mein Sitzplatz-Abo. Ich hoffe, dass durch die Turbulenzen in Hartberg der Aufstieg jetzt doch noch gelingt. Teilweise war es heuer schon sehr schwierig, Ried-Fan zu sein.

    Heute sind Sie Direktor der Volksschule St. Marienkirchen-Geiersberg. Wie geht es Ihnen in jenem Beruf, den Sie auch ausgeübt hatten, bevor Sie Trainer wurden?

    Ich war dazwischen knapp 15 Jahre lang nicht Lehrer. Die Rückkehr war nicht einfach, weil sich die Anforderungen in der Zwischenzeit massiv geändert hatten. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass man auch selber nicht mehr die gleiche Kraft hat. Aber die Begeisterungsfähigkeit und strahlenden Augen der Kinder sind Belohnung genug, und der Grund, warum ich das bis heute mit Freude mache.

     

    Geht hinaus und schreibt Geschichte!

    „Ich möchte, dass wir uns in 20 Jahren – im Jahr 2018 – alle gemeinsam zum großen Jubiläum treffen. Zum Treffen der Rieder Cupsieger-Helden von 1998. Wir können heute Geschichte schreiben. Das kleine Ried als großer Cupsieger – das traut uns da draußen doch sowieso niemand zu. Ihr habt es in der Hand. Nur wer das Cupfinale gewinnt, bleibt später in Erinnerung. Den Finalisten vergisst jeder sofort wieder. Also geht hinaus – und schreibt Geschichte!

    Klaus Roitingers Ansprache in der Kabine an die Mannschaft vor dem Cupfinale am 19. Mai 1998 im Wiener Hanappi-Stadion gegen den SK Sturm Graz.

     

    Cup-Finale 1998

    SV Ried - Sturm Graz 3:1

    Tore: 1:0 (11./Elfmeter) Stanisavljevic, 2:0 (33.) Drechsel, 2:1 (88.) Reinmayr, 3:1 (90.) Scharrer

    Gelb/Rot: Steininger (40.); Schupp (10.)

    SV Keli Ried: R. Unger; Hujdurovic (61. Glasner), Steininger, Stanisavljevic, A. Jank; Rothbauer (90. O. Graf), Angerschmid, (90. St. Hartl), H. Zeller; Scharrer, Drechsel; Strafner

    Sturm Graz: Sidorczuk; Foda; Milanic (30. Posch), Neukirchner (70. Spiteri); Hopfer, Schupp, Mählich, Prilasnig (25. Kocijan); Reinmayr; Vastic, Haas

    Gerhard-Hanappi-Stadion, 5000; Benkö

    Harald Bartl, 17.05.2018, 00:04 Uhr

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