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    Blau-Weiß hat im Streit um Torhüter Hankic gute Karten

    Lustenau wird wohl beim Versuch scheitern, den Linzer kostenlos abzuwerben

    Dieser Rechtsstreit hat es auf jeden Fall in sich. Offensichtlich bereits seit Wochen streiten der FC Blau-Weiß Linz und Austria Lustenau darum, wo der Linzer Keeper Hidajet Hankic in der nächsten Saison spielen soll. Die OÖNachrichten brachten den Fall gestern an die Öffentlichkeit.

    Die Lustenauer behaupten, dass die (automatische) Vertragsverlängerung des Torhüters in Linz rechtlich nicht korrekt sei, weil dieser in der kommenden Saison nicht mehr Geld als bisher verdient, und haben zuletzt versucht, den Vertrag ohne die Bezahlung einer Ablösesumme auszuhebeln. Dem entgegnet Blau-Weiß-Sportchef David Wimleitner ganz offensiv: „Wenn Lustenau unseren Torhüter will, dann müssen sie die dafür vertraglich vorgesehene Ablöse bezahlen.“

    Klub-Manager Roland Arminger ließ Hankic’ Vertrag sogar bei der Bundesliga prüfen: „Uns wurde bestätigt, dass der Vertrag rechtlich einwandfrei ist, deshalb sehen wir der gesamten Sache sehr gelassen entgegen.“ Und er verrät auch ein Detail, das entscheidend sein könnte: „Es handelt sich hier nicht um eine Option, die der Verein zieht, sondern um eine Klausel. Das ist ein ganz großer Unterschied.“

    Sprich: Der Vertrag verlängert sich dann automatisch, wenn ein Spieler eine gewisse Anzahl von Spielen absolviert oder der Klub ein sportliches Ziel wie etwa den Klassenerhalt schafft. Peter Vogl, Ehrenpräsident der SV Ried und Arbeitsrechtsexperte, bestätigt die Blau-Weiße Ansicht. „Ich kenne den Vertrag nicht. Aber wenn es sich beim Streit wirklich um eine Klausel und nicht um eine Option handelt, dann wird Blau-Weiß hier nichts zu befürchten haben. Dazu gab es bereits klare Urteile in der Vergangenheit.“

    40 bis 50 kritische Verträge

    Der Spieler wird von der „Vereinigung der Fußballer“ vertreten. Geschäftsführer Rudolf Novotny: „Es stimmt, wir kennen den Fall seit längerer Zeit. Ich kann den Vereinen nur raten, sich gütlich zu einigen und es nicht auf einen Rechtsstreit ankommen zu lassen.“ Unabhängig vom Blau-Weiß-Fall sieht Novotny ein Problem mit den Optionen für Vertragsverlängerungen. „Ich gehe davon aus, dass es in der Bundesliga 40, 50 Verträge mit Optionen gibt, die eigentlich nicht rechtsgültig sind. Das ist kein Problem, so lange beide Seiten damit leben können. Im Falle eines Streits wird es problematisch.“ Vor einem Jahr etwa musste Mattersburg auf eine Millionen-Ablöse für Stürmer Karim Onisiwo verzichten. Die Burgenländer hatten die Option zur Vertragsverlängerung gezogen, die jedoch keine Gehaltserhöhung vorsah. Deshalb durfte er nach einem langen und teuren Rechtsstreit ablösefrei in die deutsche Bundesliga nach Mainz wechseln. Den Blau-Weißen dürfte eine Niederlage wie Mattersburg erspart bleiben.

     
    Rechtlicher Unterschied
    Option:Der Verein behält sich das Recht vor, selbst zu entscheiden, ob er den Vertrag eines Spielers am Ende der Saison verlängert und die Option „zieht“. Um im Falle Rechtsstreits nicht zu verlieren, sollte der Verein dem Spieler dafür (mindestens) 20 Prozent mehr Gehalt geben - und die Dauer der Verlängerung sollte ein Jahr nicht überschreiten. Ansonsten würde die Option als einseitig gelten - also nur dem Verein helfen. Das ist laut OGH-Urteil verboten.  Klausel: Der Vertrag verlängert sich automatisch bei einer gewissen Anzahl von Einsätzen des Spielers oder dem Erreichen eines sportlichen Ziels. Hier ist keine automatische Gehaltserhöhung notwendig.

    Von Harald Bartl, 19.05.2017, 00:04 Uhr

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