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    Zwei, die auf Kälte heiß sind

    Zwei, die auf Kälte heiß sind

    Walter Steinberg und Siglinde Fischer leben vom Abenteuer in der Wildnis, bevorzugt in nördlichen Gefilden von Alaska bis Skandinavien.

    Fragt man Walter Steinberg, wieso es ihn ausgerechnet in den Norden ziehe, so zitiert der deutsche Reisende den britischen Bergsteiger George Mallory. Als man von diesem in den 1920er Jahren wissen wollte, warum er versuche, den Mount Everest zu besteigen, antwortete Mallory lapidar: "Weil er da ist!"

    Den Drang, die gemütliche, beheizte Komfortzone zu verlassen, löste Anfang der 1980er Jahre eine Fernsehdokumentation über Schwedisch-Lappland und Nordschweden aus. "Es war faszinierend, dass die Jungs da wochenlang durch die Wildnis gezogen sind. Da habe ich mir gesagt: Das musst du auch machen", erzählt der gebürtige Düsseldorfer. Seither hat der 55-Jährige rund fünf Jahre seines Lebens "irgendwo am nördlichen Polarkreis" verbracht, in Schweden, Finnland, Norwegen, Island, Grönland, Kanada und Alaska – "nur Sibirien fehlt in der Liste".

    In Kirchdorf (24. Jänner) und in Steyr (25. Jänner) nimmt Steinberg in seiner Multivisionsschau mit "Durchs wilde Norwegen", in dem er mit seiner Frau Siglinde Fischer zu Fuß, auf Schneeschuhen und im Kajak unterwegs war. Das dünn besiedelte Land mit 25.000 Kilometer Küste, 150.000 Inseln und Schären und unzähligen Fjorden, biete noch genügend Platz für Abenteuer.

    Schlafen bei minus 37 Grad

    Zuletzt durchquerte das Paar im Winter die Hardangervidda, die größte Hochebene Europas – mit Schneeschuhen und Zugschlitten, bei Temperaturen bis zu minus 37 Grad Celsius. "Übernachtet haben wir nicht in Hütten, sondern im Zelt, in selbstgebauten Iglus oder in Schneehöhlen." Anfang Juni paddelten sie drei Wochen lang den 60 Kilometer langen Femund-See ab. An Bord war auch ein neues Familienmitglied, die junge Mischlingshündin Motte. "Sie trägt ihre Packtaschen und das Futter selbst – und eine Schwimmweste", sagt Siglinde Fischer, eine promovierte Biologin.

    Die 56-Jährige war eher in wärmeren Gegenden unterwegs – bis sie 1999 Walter kennenlernte. "Er hatte die Idee, zu Silvester auf den Ätna zu gehen. Im Schneesturm haben wir uns hochgekämpft, hinter einer Schneemauer das Zelt aufgestellt, bei minus 15 Grad mit heißem Kakao auf das Jahr 2000 angestoßen und unten in Catania die Feuerwerkspusteblumen gesehen."

    Die darauf folgende Flusstour in Alaska entfachte endgültig ihre Liebe für den Norden. "Es war einfach großartig, diese unberührte, nicht von Menschenhand gezeichnete Wildnis zu erleben und bei den ersten großen Bärenspuren am Ufer zu erkennen, dass man nicht das Ende der Nahrungskette ist."

    Zwei, die auf Kälte heiß sind

    Drohnenaufnahme des Veg-Archipels

     

    Die wenigen Begegnungen mit Menschen in den entlegenen Gefilden seien dafür intensiver. "In Alaska haben wir Freunde, die mitten in der Wildnis leben. Da bleiben wird dann schon einmal eine Woche und philosophieren über den Sinn und Unsinn des Daseins", sagt Walter Steinberg.

    Kehrt das Paar in die deutsche Zivilisation zurück, reagiert es sensibel auf den Kontrast: "Es ist laut, hektisch und jeder rennt seines Weges", sagt Siglinde Fischer.

    "Durchs wilde Norwegen" von Walter Steinberg, Kirchdorf (24. 1., Kino), Steyr (25. 1., City Kino, jeweils 19.30 Uhr)

    Nächste Vorträge: "Oman & Emirate – Wanderdünen, Weihrauchbäume & Wolkenkratzer" von Hartmut Fiebig, Kirchdorf (5. 2.), Steyr (6. 2.) "Nepal – Menschen, Berge, Götter" von Hans Thurner, Kirchdorf (28. 2.), Steyr (1. 3.) www.allesleinwand.at

     

    Die Personen

    Walter Steinberg: 55 Jahre, diplomierter Fotoingenieur, der in der Halbleiter-Industrie global beschäftigt war, bevor er sich 2008 mit seiner Frau als Abenteuer- und Vortragsreisender selbstständig machte.

    Siglinde Fischer: 56 Jahre, promovierte Biologin, die als Freiberuflerin in die Biotoechnologie-Branche abdriftete.

    Internet: walter-steinberg.de

    Bernhard Lichtenberger, 14.01.2018, 00:04 Uhr

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