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    Wo hört das auf?

    Wo hört das auf?

    Bei einer Ski-Safari in den Kitzbüheler Alpen hat Bernhard Lichtenberger die Philosophie seiner Frau verstehen gelernt.

    Es ist stets das gleiche Lied: Wir haben ein verlängertes Wochenende gebucht, egal ob in einer Stadt oder in einer Wellness-Oase mit kulinarischen Ausflügen. Während sich meinereiner beim Packen asketisch zeigt, legt die Liebste einen Bekleidungsberg vor dem Trolley ab, der für eine einwöchige Reise reichte. Auf das Übermaß tadelnd angesprochen, antwortet sie jedes Mal lapidar: "Ich brauche Auswahl!"

    Was das mit den Kitzbüheler Alpen zu tun hat? Nun, zuerst steht der Freund des gepflegten Carving-Schwunges fassungslos vor einer Zahl: 2750. So viele Pistenkilometer bringen 23 Skigebiete mit 937 Aufstiegshilfen in Tirol, Salzburg, Kärnten und Oberösterreich unter den Hut der sogenannten Super Ski Card, deren Tagespreis bei 57 Euro steht. Selbst der Kernbereich der Gebirgsgruppe, in deren Mitte Kitzbühel liegt, offeriert noch mehr als 1000 Pistenkilometer. Die gingen als Panoramakarte auf keine Kuhhaut, und schon gar nicht brächte man sie in ein paar Tagen unter seinen gewachselten Belag. Aber wie sprach schon die Angetraute: "Ich brauche Auswahl!"

    Mit Guide, vulgo Skilehrer

    Wer vor lauter Kilometern die Pisten nicht mehr sieht, lässt sich bei der Auslese begleiten. Guides, zu denen man früher Skilehrer sagte, führen an drei Tagen durch mindestens drei Skigebiete. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, egal, wo das Basislager für die sportlichen Ausflüge aufgeschlagen wird – ob in Saalbach, wo sich Halli und Galli erst spät "Gute Nacht" sagen, oder wie unsereiner im ruhigen Oberndorf in Tirol.

    Peter Treichl kennt das weitverzweigte Streckennetz der Kitzbüheler Alpen wie seine Anoraktasche. Der sympathische Bauer und Pferdezüchter, 31 Jahre jung, hat als Vorfahrer einen ordentlichen Zug auf dem Snowboard, das er den Skiern vorzieht. "Tirolerbluat isch koa Nudelsuppn", erklärt er seinen kernigen Stil. Der kundige Guide kümmert sich auf einem Teil der 270 Pistenkilometer, die Fieberbrunn mit Saalbach, Hinterglemm und Leogang verbinden, dass auf schwarzen Abfahrten die Oberschenkel brennen. Im Tiefschnee-Paradies Fieberbrunn erntet Peter ungläubige Blicke, als er mit dem Zeigefinger den 2119 Meter hohen Wildseeloder aufsucht. An dessen steilen, felsdurchsetzten Flanken stürzt sich zwischen 9. und 15. März die Freerider-Elite talwärts. Das geht selbst bei den Weltbesten nicht immer gut aus. Was auch für uns gälte, hechteten wir im mondänen KitzSki-Gebiet die Mausefalle hinab. Gesünder ist es, Abschnitte der legendären Streif nur mit großen Augen zu streifen und mit einem fassungslosen "Das schaut ja noch wilder aus als im Fernsehen" zu quittieren.

    Ein Leichtes ist es für Safari-Flitzer mit Gästekarte, die Destinationen zu wechseln, nämlich gratis mit S-Bahn und Skibus – etwa in die vielfältige SkiWelt Wilder Kaiser Brixental mit der aussichtsreichen Hohen Salve und 77 Hütten, in denen bedient wird; oder ins familienfreundliche SkiStar St. Johann in Tirol mit extrabreiten Pisten, auf denen sich selbst ausufernde Carver nicht in die Quere kommen. Auf den gemäßigten Hängen empfiehlt sich ein Einkehrschwung bei der Angerer Alm, die schon 240 Jahre auf den Holzschindeln hat. Hausmannskost und feine Küche sind bei Annemarie Foidl, die sich der Slow-Food-Philosophie verschrieben hat, kein Widerspruch. Auf 1300 Meter Höhe schmecken die würzigen St. Johanner Würstel genauso wie Fischsuppe und Fasanbrust auf Püree. Ein Schatz lagert im felsigen Weinkeller: 6000 Flaschen von rund 400 Weingütern, Rares und Spannendes. "Das ist unser Wellness-Bereich", sagt die Präsidentin des Sommelierverbandes.

    Wo hört das auf?

    Regionales und Saisonales prägt auch die Speisekarte im Penzinghof in Oberndorf. Die großzügig erweiterte Unterkunft (fantastisch der 18 Meter lange und beheizte Infinity-Pool mit Blick auf den Wilden Kaiser) trumpft mit hauseigenem Skiverleih samt Skischule und der Lage direkt neben der 8er-Gondelbahn auf, mit der sich die Nordseite des Kitzbüheler Horns erschließt.

    Wo hört das auf?

    Was würde wohl der Hansi aus Kitzbühel, den wir als Stangenfahrer, Moonboot-Ikone, volkstümlichen Schlagerbarden und Schauspieler aus den "Da wo die..."-Filmen kennen, zur Safari für Pistenjäger sagen? "Diese Auswahl, bärig!"

    Ski-Guiding-Termine: 7. bis 9. und 21. bis 23 März, 240 Euro bei fünf bis sieben Teilnehmern, 270 bei drei bis vier Teilnehmern. Weitere Infos: www.ski-safari.at www.kitzalps.com/skisafari www.penzinghof.at

    10.02.2018, 12:00 Uhr

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