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    Wind, Wasser und Wallfahrtsort

    Wind, Wasser und Wallfahrtsort

    Ja freilich. Man kennt den Starnberger See und auch den Ammersee. Dass aber die Region im Süden Bayerns derart viel Abwechslung bietet, war der "Wasserratte" Philipp Braun nicht bewusst. Er setzte die Segel, beobachtete Fischer, flitzte mit dem E-Bike herum und war am Ende ganz selig.

    Gerlinde hat es richtig gemacht. Die rüstige Pensionistin mit weißen Haaren, schwarzem Badeanzug und Nickelbrille steigt ins 23 Grad warme Wasser des Ammersees. "Das ist meine Badewanne. Wunderbar", sagt die Münchnerin, die jede Gelegenheit am Schopf packt und an den 30 Kilometer entfernten Ammersee fährt. "Bei 14 Grad geh’ ich rein", ergänzt Gerlinde. Neben ihrer Leidenschaft für das Schwimmen ist sie begeisterte Seglerin. Seit den 70er Jahren setzt sie die Segel und hilft immer wieder gerne bei Ausfahrten mit. Wie bei der Albatros. Mit 112 Jahren das älteste Segelschiff auf dem Ammersee.

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    Zarhaftig

    Der Zweimaster war ein Geschenk des russischen Zaren Nikolaus II. an den damaligen württembergischen König Wilhelm II. und segelte bis 1918 unter königlicher Flagge auf dem Bodensee. 1938 wurde das Schiff an Heinrich Seidl, den Gründer der ersten BinnenSegelschule Deutschlands, verkauft. Jetzt ist es einer der charmantesten Hingucker auf dem Ammersee. Das außergewöhnliche Schiff ist nicht nur schön zu betrachten, sondern wurde vor zwölf Jahren generalüberholt und kann für besondere Anlässe gechartert werden (ab 420 Euro pro Tag).

    Stefan und Niki Marx, die Betreiber der Segelschule, geben an Bord der Albatros konkrete und leicht verständliche Anweisungen. Selbst absolute Anfänger finden sich nach wenigen Minuten auf dem Segelschiff zurecht und kennen den Unterschied verschiedener Fachtermini wie Bug und Heck, Luv und Lee, Steuer- und Backbord, Wende und Halse. Es läuft wie am Seemannsschnürchen. Das Boot kentert nicht, die gesamte Mannschaft bleibt trocken, die Crew strahlt voller Freude.

    Fischerlatein

    Das fröhliche Gemüt scheint Stefan Marx sowieso die ganze Zeit innezuwohnen. Sein tiefrotes Polo-Shirt und seine schwarz-weiße Seemannsmütze verleihen ihm den Anschein eines Seebären. Gut gelaunt, tiefenentspannt und kompetent erklärt er die wichtigsten Regeln. Als gelernter Fischer ist er aber auch mit der Fauna des Sees vertraut: "Neben Renken, Zandern, Hechten, Aalen und Karpfen schwimmen auch Waller im See", erklärt er die Vielfalt.

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    Ein Prachtexemplar eines Wallers mit der Größe von 1,85 Metern hat der Fischer Simon Rauch vor sechs Jahren aus dem Ammersee gefischt. Es war damals der zweite kolossale Fisch innerhalb von zwei Wochen. Simon Rauch ist etwas kleiner und misst 1,75 Meter. Auf den ersten Blick würde man meinen, die Tourismuswerbung der Region "Starnberg Ammersee" hat den Simon Rauch erfunden. Weißer Rauschebart, blau-weiße Hosenträger, grauer Filzhut und ein Dialekt, der das Bayerische nicht verleugnet. Aber Simon Rauch ist keine Erfindung. Er ist ein Original und fährt täglich in den Morgenstunden um vier Uhr früh auf den See. Dann ist es ruhig, nicht zu warm, und er kann bedächtig die Netze einholen und schauen, ob das Mittagessen gesichert ist. "Einmal sind es mehr Fische, einmal weniger. Jeder Tag ist eine Überraschung. Diese Saison ist es relativ gut." Innerhalb von einer Stunde werden drei dicke Karpfen und unzählige Renken ins motorisierte Fischerboot bugsiert und danach frisch an die Kunden verkauft. "Sicher gibt es im See eine gute Qualität. Aber wir schauen auch darauf. Den Ehrgeiz haben wir, sonst bist du kein Berufsfischer", sagt Rauch.

    Fünf Seen

    Die Anzahl der Berufsfischer ist in den vergangenen Jahren gesunken. Aktuell gibt es 30 Personen, die in der Region fischen. Hauptsächlich am Ammersee und Starnberger See. Etwas weniger auf dem Pilsensee und Wörthsee. Auf dem Weßlinger See findet man eher Hobbyfischer.

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    Unabhängig davon begeistert jeder See mit individuellem Charme. Der Ammersee hat die längste Seepromenade Deutschlands (9 Kilometer), der Starnberger See punktet aufgrund der urlaubenden Prominenz mit dem Glamour-Faktor. Der Pilsensee ist noch ein Geheimtipp und für Gäste gedacht, die sich nach Ruhe sehnen. Beim Wörthsee schwärmen die Einheimischen von der türkisen Farbe, und der kleinste See, der Weßlinger See, ist bei Wintersportlern beliebt, weil er während der kalten Monate schnell zufriert.

    In den Sommermonaten erblickt man auf jedem See Stand-up-Paddler, die aufrecht auf einem Board, ähnlich dem Surfbrett, stehen und sich mit Feingefühl, Balance und einem Paddel auf dem See bewegen. Die Wassersportart zählt neben Lightriding (Surfen mit leichtem Gerät) zu den Trendsportarten, die in wenigen Stunden erlernt werden können und man zumindest einmal ausprobieren sollte.

    E-Bikes boomen genauso wie Stand-up-Paddeln und Lightriding. Bis vor kurzem hat der Autor noch über das Antriebssystem der E-Bikes süffisant gelächelt. "Radfahren wird nur mit reiner Muskelkraft und Ausdauer erledigt. Alles andere entwertet den Fahrradsport", dachte er hie und da. Die Rechnung wurde allerdings ohne das E-Mountainbike Focus Bold²PLUS gemacht.

    Furioses Radfahren

    Fette Reifen, ein schwerer schwarz-blauer Rahmen und drei Knöpfe die von Eco über Trail bis zu Boost geschaltet werden können. Vergessen Sie alles, was sie bislang über das Radfahren gewusst haben. Mit ein paar Tritten beschleunigt man von 0 auf 25 km/h. Widerstand zwecklos. Jeder andere Radfahrer bekommt nur noch den Hinterreifen zu sehen. Auf dem Berganstieg sowieso, aber auch nach einer ampelgeregelten Kreuzung. E-Biken ist ein Erlebnis auf einem anderen Niveau. In kurzer Zeit können alle Seen an- und abgefahren werden. Die Radwanderwege in der Region "StarnbergAmmersee" sind dafür bestens geeignet.

    Rein in den Sattel und ab geht’s durch malerische Landschaften, uralte Eichenalleen, vorbei an grasenden Kühen, einladenden Biergärten bis hin zum Kloster Andechs, dem Magneten für Pilger und Bierliebhaber. Spätestens dort sollte man sich ein kühles Bier gönnen. Das hat man sich verdient, und man weiß – es wurde alles richtig gemacht.

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    Tipps für Bayern

    Biergarten: Der Sepperlwirt liegt im Herzen der fünf Seen. Neben schönen Zimmern lädt der lauschige Gastgarten zum Genießen von Weißwürsten mit Brezn, süßem Senf und Weißbier ein.
    sepperlwirt.de

    Unterkunft: Fünf Schritte und abtauchen. Das Hotel Seehof Herrsching befindet sich direkt am Ammersee. Netter Gastgarten und gute Küche.
    seehof-ammersee.de

    Fahrradverleih: Es gibt in der Region verschiedene Anbieter von E-Bikes, die Kalkhoff-Räder im Angebot haben. Das Focus BOLD² PLUS-Mountainbike muss extra angefragt werden. Zum Beispiel über Movelo.
    Alle Miet- und Ladestationen finden Sie unter www.ebike-holiday.com

    Segelschule: Seit 1928 wird in der Ammersee-Segelschule unterrichtet. Kurse finden von Mai bis September ab 230 Euro statt. Die Albatros kann mit Skipper gechartert werden.
    ammersee-segelschule.de

    Eisladen: Das beste Eis gibt es in der Eismacherei und Manufaktur in Inning-Stegen am Ammersee. Handgefertigt, cremig und etwas ausgefallen.
    fischer-ammersee.com

    „Lightriding“: Innerhalb kürzester Zeit kann man Surfen erlernen. Aufblasbare Bretter und Maste machen es möglich.
    nordbad.de

    Andechs: Das Kloster Andechs ist der älteste Wallfahrtsort Bayerns und lockt mit einer feinen Auswahl an Bieren.
    andechs.de

    Infos und Anreise: Die Region ist per Auto von München in weniger als einer halben Stunde zu erreichen.
    Tourist Information, Hauptstraße 1, 82319 Starnberg;
    Tel.: 0049/(0)8151/90600;
    touristinfo@gwt-starnberg.de; sta5.de

    06.08.2017, 15:00 Uhr

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