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    Wale und Wellen vor Hawaii

    Wale und Wellen vor Hawaii

    Jeden Winter kommen die Buckelwale bis an die Küste vor Maui, die Surfer bleiben das ganze Jahr auf der Insel. Philipp Braun schnupperte ein paar Tage Südseefeeling, beobachtete die Meeressäuger, ritt auf Wellen und tauchte mit Schildkröten ab.

    Vergessen Sie den einbeinigen Kapitän Ahab, der, wutentbrannt und voller Zorn, Jagd auf den weißen Pottwal Moby Dick gemacht hat. Die Zeiten des erbitterten Walfangs sind vorbei. Speere und Harpunen wurden zur Seite gelegt (in den meisten Ländern) und gegen Kameras, Fotoapparate und Mobiltelefone eingetauscht.

    Die Motivation der medienaffinen Walfänger von heute ist eine andere: Erinnerungen festhalten, einen Traum verwirklichen, das Außergewöhnliche erleben. Das Motiv: Buckelwale, die jeden Winter bis vor die Küste Mauis schwimmen, dort gebären, ehe sie dann weiter bis nach Alaska ziehen.

    Wale und Wellen vor Hawaii

    Das offene Meer ...

    Das türkisfarbene Meer bei der Hafenstadt Lãhainã ist angenehm ruhig. Nur eine leichte Prise zieht über die Wellen und macht die Hitze auf der Insel Maui erträglich. Es ist spät am Nachmittag. Die Sonne wird bald untergehen, und den Horizont in feurige Rottöne verwandeln. Bis sie verschwindet, gibt es eine wichtige Aufgabe zu erledigen.

    15 Personen sitzen ungeduldig im Boot und harren des bevorstehenden Ausflugs aufs offene Meer, um einen Wal vor die Linse zu bekommen. Einen Buckelwal, 20 Meter lang, und mit bis zu 36 Tonnen Körpergewicht sechsmal schwerer als ein ausgewachsener afrikanischer Elefant. In den Tiefen des Pazifischen Ozeans durchsiebt der Bartwal mit seinem charakteristischen Maul das Meer nach kleinen Krebsen (Krill) und kleinen Fischen.

    Die Stimmung auf dem wendigen und schnellen Schlauchboot ist gut und ausgelassen. Die Aufnahmegeräte werden kontrolliert und in Stellung gebracht. Motto: Einmal einen kolossalen Wal aus der Nähe betrachten und vielleicht diesen einzigen Schuss zu erzielen, von dem die Enkelkinder noch in Jahrzehnten immer wieder zu hören bekommen.

    Einzig, das Meer ist kein Zoo, deren Bewohner kommen und gehen, wann sie wollen. Ergreifende Naturmomente kann man nicht erzwingen. Hier auf offener See ist man demütig und hofft auf die Portion Fortune. Von Jänner bis März liegt die Latte aber nicht sehr hoch. Die anerkannte "Pacific Whale Foundation", eine Non-Profit-Organisation, die sich dem Schutz der Ozeane verschrieben hat, weist in diesem Zeitraum eine Erfolgsquote von 97 Prozent aus und garantiert die Sichtung der Meeressäuger. Wenn keine Wale beobachtet werden können, darf man bei der nächsten Tour gratis mitfahren.

    Video zum Wal- und Schnorchelausflug:

     

    ... und der buckelige Wal

    Von der Pier erspähen die Besucher immer wieder eine Schwanzflosse, oder eine Fontäne. An eine wallose Zeit ist nicht zu denken. Trotzdem. Man ist vorsichtig, schraubt die Erwartungen nach unten, und will nicht enttäuscht werden. Zum Glück hat sich die Population der Buckelwale erholt und wurde vergangenen August von der Liste der bedrohten Tierarten gestrichen. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass die Situation der Meere alles andere als befriedigend ist. Plastikmüll, Umweltverschmutzung, Lebensraumverlust, Nahrungsmangel, Ertrinken in Fischernetzen oder ausbeuterische Fischereimethoden bringen das Ökosystem ins Wanken. Ein nicht nachhaltiger Whale-Watching-Tourismus, der Richtlinien ignoriert, tut das Seine dazu: "Wir dürfen in das Verhalten der Wale nicht eingreifen, sie weder hetzen,und auch nicht zu nahe heran fahren. Mindestens 15 Meter Abstand sollen es sein" sagt der 28-jährige Meeresbiologie Chris, der den Ausflug begleitet und intensiv das Leben der Buckelwale erforscht. "Wir wissen noch viel zu wenig. Trotz jahrzehntelanger wissenschaftlicher Arbeit. Es konnte zum Beispiel noch nie ein Wal bei einer Geburt fotografiert oder gefilmt werden. Passiert das im flachen oder tiefen Wasser, bei Tag oder bei Nacht? Wir wissen es einfach nicht genau."

    Chris begleitet die Wale bei ihrer Tour das ganze Jahr. Bis in den Norden, wo sie mehr Futter finden, und erklärt auf dem kleinen Schinakel das Verhalten, die Sprache, den Gesang sowie die Intelligenz der Buckelwale. Gespannt spitzen die Walbeobachter die Ohren und schielen aus den Augenwinkeln aufs offene Meer. Plötzlich spritzt in unmittelbarer Nähe eine Fontäne in die Höhe. Ihr folgt ein dunkler Körper, der sich wie ein mächtiger Wurm aus dem Wasser hebt. Die Stimmung ist unruhig, ein wenig fahrig. Jeder greift hektisch zu seinem Equipment. Niemanden hält es jetzt auf seinem Sitz. "Wal, Wal. Auf zwei Uhr" wird geschrien. Immer wieder taucht ein Buckelwal auf. Einmal ist es ein Bulle, einmal eine Kälbin, einmal ein Junges. Markantes Zeichen – die wellenförmige Schwanzflosse, die aus dem Wasser lugt. Manchmal klatscht die weiß gefärbte Brustflosse auf das Wasser auf. Der Höhepunkt ist dennoch, wenn der Koloss des Meeres mit seinem imposanten Körper fast zur Gänze aus dem Wasser springt. Platsch!

    Die US-Amerikaner nennen das Verhalten "breaching", was auch als Liebeswerbung gedeutet werden kann. Demütig betrachten wir die Wale in ihren Bewegungen. Immer und immer wieder. Das Schauspiel ist faszinierend und berührend. Genauso wie die Schildkröten, die gemächlich und stoisch im Meer schwimmen und sich etwas östlich von Pã’ia den Hookipa Beach Park mit den Surfern teilen.

    Wale und Wellen vor Hawaii

    Die perfekte Welle

    Wellenreiten (hawaiianisch: he’e nalu) gilt auf Hawaii als Nationalsport und wird bereits seit über 4000 Jahren praktiziert. Geändert hat sich im Prinzip wenig. Man nehme ein Brett, eine Schnur (Leash), mit der das Board am Fuß gesichert wird, viel Muskelschmalz und etwas Feingefühl.

    Couragiert paddeln die Wellenreiter auf ihren Brettern ins offene Meer hinaus, bleiben kurz auf dem Brett sitzen und halten Ausschau nach der perfekten Welle. An wenigen Tagen im Jahr werden Höhen von 20 Metern (die Größe eines stattlichen Buckelwals) erreicht – für Anfänger nicht zu empfehlen. An den ruhigen Tagen gelingt aber auch Amateuren der Ritt auf dem Brett. Mit ein paar kräftigen Armbewegungen wird die Welle erwischt, man hüpft aufs Brett und surft zu einem neuen Lebensgefühl.

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    Auswandern

    Einer der jede Welle kennt, ist Jade Lucas (45), erster Staatsmeister aus Maui. Der ehemalige Profisurfer moderiert nun Sportveranstaltungen, und hat erfolgreich um die Hand der Oberösterreicherin Barbara Lucas angehalten. Die Hausruckviertlerin zögerte keinen Moment, und wanderte aus. "Ich habe mich beim ersten Aufenthalt wie zu Hause gefühlt. Außerdem kann ich jeden Tag surfen gehen, bin aber genauso schnell in den Bergen im Hinterland", sagt die Mutter des sieben Monate alten Jasiah mit einem glücklichen Lächeln. Freilich fehlt die österreichische Familie, "sie waren nicht begeistert, aber ich bin eine Reisende, und sie verstehen das". Auch die Sehnsucht nach "Schweinsbraten und Leberkäsesemmerl" ist da, aber Barbara möchte hierbleiben. Wegen der Kinderfreundlichkeit und wegen Aloha, dem hawaiianischen Gruß, der viel mehr bedeutet. Die Anfangsbuchstaben stehen für Geduld, Einheit, Liebenswürdigkeit, Bescheidenheit und Demut.

    Aloha Hawaii.

    Gut zu wissen

    Haleakala: Der Krater vom „größten ruhenden Vulkan der Erde“ ist 12 km breit, 4 km lang und 914 m tief. Mit dem Auto kann man auf einer asphaltierten Straße bis knapp zum Gipfel fahren, dort parken und sich vom Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang verzaubern lassen.

    Sterndeutung: Jan Roberson ist mit einem Teleskop, einem Laserpointer und einem umfangreichen Wissen ausgestattet. Beste Voraussetzungen, um den Sternenhimmel am Haleakala zu analysieren. mauistargazing.com
    Essen Vergessen Sie die Mythen über Bier und Toast Hawaii. Ersteres gibt es (sogar in guter Qualität), das andere nicht. Traditionell wird Poke (roh marinierter Fisch) oder Poi (gekochte und pürierte Tarowurzel) gegessen. Ansonsten bestimmen viele Fast-Food-Ketten und Importwaren den Speiseplan.

    Restaurant: Als bestes Lokal auf der Insel gilt Mama’s Fish House, etwas außerhalb von Pa’ia. Nicht ganz günstig, aber empfehlenswert. Reservierung erforderlich. mamasfishhouse.com

    Hotel: Es gibt viele Unterkünfte verschiedener Preisklassen. Schöne Apartments mit Meerblick in Lahaina:
    lahainaoceansedge.com

     

    Philipp Braun, 25.03.2017, 00:04 Uhr

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