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    Und es wird kalt und immer kälter. . .

    Und es wird kalt und immer kälter. . .

    Zwei Seenomaden, ganz heiß auf Eis, segelten in die Arktis.

    Sie führen ein Leben mit dem Wind. Der hat Doris Renoldner und Wolfgang Slanec auf den Weltmeeren bereits zwei Mal rund um den Globus getragen. Weil sie es mit der Sesshaftigkeit nicht so haben, kreuzen die österreichischen Segler passenderweise als Seenomaden auf.

    Ihr jüngster Törn führte sie mit ihrer 13-Meter-Yacht "Nomad" über 25.000 Seemeilen von Grado nach Grönland. Dazwischen lagen 50 Grad Unterschied, sowohl in Breitengraden, als auch in der Temperatur. Das Abenteuer ins ewige Eis haben sie in die bildstarke Live-Reportage "Adria – Arktis" gepackt, mit der sie aktuell auch in Oberösterreich vor Anker gehen (siehe Termine).

    Drei Jahre lang waren die 49-Jährige und ihr um zwölf Jahre älterer Partner unterwegs. Das Gelingen stand mehr als einmal auf des Messers Schneide – im wahren Wortsinn. Mitten im Atlantik geriet das Schiff nachts in eine Gewitterbö. Weil sich im Masttop eine Leine verklemmt hatte, ließ sich das Großsegel nicht reffen. "Entweder zerfetzt es dir das Segel oder es räumt dir den Mast herunter", sagt Wolfgang Slanec. Mit Stirnlampe und scharfem Messer kletterte er die 17 Meter zur Spitze, um die Leine zu kappen. "Bei vier Meter Dünung peitscht es dich da oben zehn Meter hin und her, da darf nichts schiefgehen."

    Und es wird kalt und immer kälter. . .

    Es ging gut – bis zu den Bahamas. "Da hätten wir fast unser Boot versenkt. Plötzlich sind zehn Tonnen bei Niedrigwasser wie ein gestrandeter Wal auf dem Riff gehangen", erzählt Doris Renoldner. Ohne Leck und mit dem Glück der steigenden Tide konnten sie ihre "Nomad" retten.

    Beinahe-Katastrophen und wärmere Gefilde hinter sich lassend, zogen die Seenomanden über Labrador in den hohen Norden. Wieso sagt man Palmen freiwillig adieu, um für die Kälte die Welle zu machen? Dass ihm einmal eine Kokosnuss auf den Kopfen gefallen ist, war für Skipper Sladec jedenfalls nicht ausschlaggebend. "Grönland war immer ein Traum. Die größte Insel der Welt, die soviel Wildnis hat wie kaum ein anderes Land. Und je wilder die Natur, desto mehr spüren wir uns." Zu spüren bekamen die Segler zudem, dass eine Yacht aus Aluminium ein guter Leiter ist. "Wir haben deshalb auch von unserem ,Kühlschrankboot’ gesprochen", sagt Doris Renoldner. "Aber mit der wunderbaren Merino-Unterwäsche, zwiebelartigen Kleiderschichten und unserem kleinen Dieselofen, den der Wolfi in der Nacht durchheizen musste, war es auszuhalten."

    Und es wird kalt und immer kälter. . .

    Eine Gänsehaut beförderte auch die nautische Herausforderung. "Du segelst bei starkem Wind im Nebel zwischen Eisbergen herum, wobei die kleinen, die in jedem Wellental verschwinden, die große Gefahr sind", sagt Slanec. Und da wären dann noch die Eisbären. "Da stehen wir Menschen nicht mehr am Ende der Nahrungskette, sondern sind plötzlich selbst Futter", sagt Renoldner. Bei Landgängen war deshalb stets die Waffe dabei. Nur Eisbären haben sie nicht gesehen.

    Was nicht war, kann noch werden. Vielleicht dann, wenn sie heuer versuchen, von der kanadischen Arktis durch die Nordwestpassage nach Alaska zu segeln.

     

    Termine: "Adria – Arktis" mit den Seenomaden: Wels, Cordatussal (8. März); Steyr, Stadttheater (9. März), Linz, Neues Rathaus (10. März, jeweils 19.30 Uhr)

     

    Zur Person

    Namen: Doris Renoldner (49) und Wolfgang Slanec (61); wenn sie nicht segeln– was sie meist tun – leben sie in Puchberg am Schneeberg (NÖ).

    Beruf: Seenomaden; sie war Fremdsprachensekretärin, er Bautechniker

    Internet: seenomaden.at

     

    Bernhard Lichtenberger, 09.03.2017, 00:04 Uhr

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