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    Streifzug durch Südseeparadiese

    Streifzug durch Südseeparadiese

    1961 kaufen drei Aussteiger eine abgetakelte Vanilleplantage auf Moorea. Sie zaubern daraus ein Hotel, taufen es "Bali Hai" und erfinden den Oberwasser-Bungalow mit dem Glasboden zu den Korallenfischen.

    Das Timing der Aussteiger passt. Im gleichen Jahr wird der Flughafen in Papeete eröffnet, im Jahr darauf die "Meuterei auf der Bounty" gedreht, mit Marlon Brando an Originalschauplätzen auf Moorea. Heute sind die Oberwasser-Bungalows ein Synonym für Südsee und Luxus.

    Um 5.10 Uhr taucht Moorea schemenhaft vor dem Flugzeugfenster auf. Die Lagune schillert im ersten Licht. Dichte Vegetation bedeckt die unwirklichen Felszähne und nahezu senkrechten Wände. Von einer abgelegten Gangway aus inspizieren Putzfrauen die Ankömmlinge. In der Halle klimpern drei Gitarristen unbedarft vor sich hin. Schwupp, wird mir ein üppiger Kranz aus Tiare-Blüten über die Ohren gestülpt. Ia orana – willkommen – höre ich gerade noch. Die Blüten duften schwer. Sie sind das Markenzeichen Tahitis und unverzichtbarer Teil jedes Make-ups. Links hinterm Ohr getragen heißt, ich bin noch frei.

    Streifzug durch Südseeparadiese

    Am Boulevard Pomare stockt der Verkehr, während in den Hinterhöfen emsig Tiare-Kränze fabriziert werden. Aus einem Fitnessclub dröhnt Computermusik. Die Rollläden der Juweliere rasseln hoch, und der beißende Geruch von Kopra – dem getrockneten Fruchtfleisch der Kokosnuss – weht vom Dock herüber. Gut, dass ich den Kranz noch umhabe.

    Holzklasse und Katamaran

    Die Fähre von Papeete nach Moorea braucht keine Stunde. Die Insel ist so sehr mit Urwald bewachsen, dass sie unbewohnt wirkt. Erst aus der Nähe sind einige Hütten auszumachen und eine Rauchsäule im Tal voraus. Am Pier warten ein Bus mit Holzaufbau und muskelbepackte Fahrgäste mit prächtigen Tattoos. 60 Kilometer gut ausgebaute Straße umrunden die Insel. Flammend rote Flamboyant-Bäume ziehen vorbei am offenen Busfenster, Tattoo-Shops und Dächer aus Palmblättern auf Stelzen als luftiger Gemeindesaal. Eine Sammlung entzweigerittener Surfbretter lehnt an einer Veranda. Vor seiner Hütte komponiert ein Troubadour, die blitzblaue Gitarre verkehrt auf seinen Knien und darauf die Notenblätter. Eine Telefonhütte am Straßenrand verrät eine abgelegene Siedlung unter Brotfrucht- und Mangobäumen. Draußen paddeln Kanus um die Wette, und der 900 Meter hohe Rotui ragt wie eine Kathedrale zwischen Cooks- und Oponuhu-Bay empor. Markant ist das Panorama von der Lagune aus.

    Monsieur Bernard steuert seinen Katamaran vorsichtig über die Korallenbänke. "Als ich neunundsechzig hier ankam", erzählt er, "waren wir zwanzig Weiße auf Moorea. Das kann man sich heute gar nicht vorstellen. Paradiesisch. Nichts als Sand." Bei einem kleinen Strand mit Kokospalmen zeigt er auf den Hang dahinter: "Da oben ist mein Haus", aber ich kann weder das Haus sehen im dampfenden Grün, noch, was auf Moorea nicht mehr paradiesisch wäre. Das Postkarten-Panorama ist mittlerweile in dichte Wolken verpackt, und während wir zurücktuckern, beginnt der Regen auf das Sonnensegel zu klopfen.

    Die Atmosphäre Polynesiens gleicht in ihrem manchmal raschen Wechsel der Liebesgabe Nummer eins, der schwarzen Tahitiperle. Sie schillert irisierend wie ein Wetterhimmel, bevor der Regenbogen erscheint. Die Skala reicht von gewitterblau über pfauengrün bis flanellgrau.

    Es gibt sie noch, die unberührten Motus. Diese flachen Koralleninseln umgeben schützend eine hohe, vulkanische Insel, und dazwischen liegt die Lagune. So ein Flecken weißer Korallensand mit Kokospalmen ist ein schwimmendes Gemälde, ein Traum, der die Sehnsucht nach der Unschuld der Natur stillt. Da zu ankern hat etwas. Auf Bora Bora mieten wir also ein Boot, um zu erkunden, was daran ist. Schon die Fahrt über die Lagune und der stete Wechsel der berühmten Kulisse übertreffen unsere Erwartungen. Auf manchen Motus bleiben wir dann wirklich vollkommen allein, mit dem türkisgrünen Wasser, dem weichen Sand und unserem Picknickkorb mit Papayas, Mangos und anderen tropischen Früchten.

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    Versteckte Paradiese

    Andere wiederum bergen Resorts mit Oberwasserbungalows, und dort treffen wir Leute wie Diego Maradona. Doch Luxus kann auch die Abwesenheit von diesem bedeuten. An einer Hütte aus rostendem Wellblech und morschem Flechtwerk lehnt ein mürb geschundenes Surfbrett. Das Bettzeug hängt über einer Leine in der Sonne, und auf eine Palme genagelt weist ein Schild mit der Aufschrift "TABU" darauf hin, dass man nicht gestört zu werden wünscht.

    Die Marquesas-Inseln liegen fast am Äquator, von Papeete nach Nuku Hiva dauert der Flug nochmals vier Stunden. Auf der abenteuerlichen Gebirgsinsel existieren kaum Verkehrswege, das Pferd ist als Fortbewegungsmittel häufig nicht zu ersetzen. Mitten im Urwald begegnen wir Reitern. Sie tragen alle die drei traditionellen Messer verschiedener Größe in einer Holzscheide. Auf eigene Faust durch die Wildnis zu streifen, wird nicht empfohlen, und laut unserem Führer Pita wäre man auch nicht überall willkommen.

    Unverzichtbar sind feste Wanderschuhe und wegen der Nonos – nur an den Stränden – Insektenschutz. Diese Sandfliegen versetzen einem unbemerkt hundert Stiche, die sich tags darauf entzünden können. Die Hakaui-Bucht empfängt uns mit einer überwältigenden Szenerie. Ein weiter Palmenhain und eine Brotfrucht-Pflanzung säumen den Strand. Morast, Baumriesen und armdicke Lianen bedecken das Tal, in das wir kilometerweit bis zu einem stattlichen Wasserfall vordringen. Senkrechte Felswände flankieren das Tal, auch diese dicht bewachsen.

    Zurück in der Bucht entdecken wir alte, namenlose Gräber zwischen blühenden Büschen. Doch die steinernen Kreuze sind frisch getüncht. Ein etwas zerlumpter Weißer, der hier zufrieden ohne Mangel lebt, hält sie in Ordnung. Zum Abschied holt er mit einem Korb an einer langen Stange zwei große Brotfrüchte vom Baum. Nachts hallt die Taioha´e-Bucht von Trommeln wider. Die traditionellen Tänze, die in dem Pearl Lodge Hotel gezeigt werden, füllen das Bild einer noch in weiten Teilen archaischen Welt.

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    "Die Koralle mehrt sich, die Palme wächst, aber der Mensch vergeht" – dieses uralte Sprichwort stammt von den Tuamotus. Der Archipel besteht aus flachen Korallen-Atollen, die von oben aussehen wie Colliers auf blauem Samt. Gleißender Schaum säumt das Riff. Ein leuchtend heller Ring umschließt eine Lagune wie einen Türkis, und die Inselchen darauf mit den grünen Kokospalmen wären die Smaragde auf diesem Schmuckstück. Hier spazieren wir Stunden, gleiten zwischendurch ins glasklare, lauwarme Wasser oder queren eine Korallenbank, um von einer menschenleeren Insel zur nächsten zu gelangen.

    "Bedanke dich bei den Fischen"

    Wir sind zum Tauchen gekommen. Nach dem Briefing mit Daniel von Blue Nui Diving finden wir uns bald mitten in einem Ballett bunter Korallenfische am Außenriff. In dreißig Meter Tiefe packt er mich am Arm und deutet, dass er Delfine hört. Es klingt wie Styropor auf Glas, dazwischen das Knarren eines Geigerzählers. Wir tauchen ins freie Wasser, ins Deep Blue. Aber dort sind wir alleine. Nichts, nur unser Atemgeräusch. Plötzlich erkenne ich Köpfe von Barracudas, die gut getarnt waren in der Farbe des Wassers und durch Lichtreflexe. Langsam gleiten sie uns entgegen, ein riesiger Schwarm, eine Wand. Der Schwarm, wir schätzen ihn später auf 350 Fische, teilt sich vor uns, schließt sich hinter uns, bildet über uns einen Kreis. Die sind ja fast so groß wie wir, staune ich. In der schwarzen Tiefe unter uns schlängeln sich drei dunkelgraue Haie. Als ich mich nach dem Tauchgang bei Daniel bedanke, antwortet er lakonisch: "Bedanke dich bei den Fischen."

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    Französisch-Polynesien

    Klima: tropisches Klima; kühlere Temperaturen und geringere Luftfeuchtigkeit von April-Oktober, von November-März ist es schwül, regnerisch und es besteht das Risiko von Wirbelstürmen; die Wassertemperatur schwankt zwischen 26 und 29 Grad.

    Währung/Politik: XPF, Französischer Pazifischer Franc, 1€ = 119 XPF. Die Inseln Französisch-Polynesiens sind französisches Überseeterritorium mit weitreichender Autonomie, doch nicht Teil der EU. Die etwa 275.000 Bürger sind jedoch französische Staatsbürger.

    Amtssprache: Französisch

    Gliederung und Entstehung: Die fünf Archipele mit insgesamt 118 Inseln sind allesamt vulkanischen Ursprungs. Am jüngsten sind sogenannte „Hohe Inseln“, Vulkane, die am Meeresboden entstanden und über die Meeresoberfläche ragen. Dazu gehört die dem Äquator am nächsten gelegene Gruppe der Marquesas-Inseln. Am bekanntesten sind Nuku Hiva, der Sitz der Verwaltung, und Hiva Oa.
    Im nächsten Stadium wachsen unter Wasser, an den Wänden des Vulkans, Korallen bis zur Wasseroberfläche empor und umgeben die zentrale Insel als Riff. Im weiteren Verlauf bilden sich darauf flache, meist mit Kokospalmen bewachsene Inseln, die sogenannten Motus. Von diesem Typus sind die Gambier-Inseln, die Austral-Inseln und die zentral gelegenen Gesellschaftsinseln. Zu den bekanntesten zählen Tahiti, Moorea und Bora Bora. Zuletzt versinkt der Vulkan, die Motus bleiben über, da die Korallen weiter wachsen, schließen sich zusammen und bilden das Atoll. Die Lagune ist meist nicht tiefer als 60 Meter. Zu diesem Typus zählen die Inseln des Tuamotu-Archipels.
    Beliebte Tauchreviere sind Tikehao, Fakarava und Rangiroa, die weltweit zu den größten Atollen zählen.

    Flugzeit: Ein Flug von Wien mit British Airways via London und Los Angeles nach Papeete
    dauert gut 26 Stunden.

    Veranstalter: z.B. Dertour; Telefon: 0662-21 50 60

    Informationen: Atout France – Französische Zentrale für Tourismus Tel. +43 1 503 28 92; www.france.fr,
    info.at@france.fr

    Stefan Kalmar, 30.07.2017, 00:04 Uhr

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