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    Serengeti – eine unendliche Weite

    Serengeti – eine unendliche Weite

    Die Serengeti und der Ngorongoro-Krater in Tansania versprechen eine ergiebige Safari auf Touristenpfaden – in Musoma am Victoriasee sind nur wenige Urlauber zu finden. Gemütlich findet es Thomas Fellhofer gerade deshalb.

    Karibu! schallt es einem entgegen, sobald die Beamten-Armada am Flughafen alle aus ihrer Sicht nötigen Einreiseformalitäten erledigt und 50 Dollar eingesackt hat. Jetzt ist man endlich in Tansania angekommen und wird willkommen geheißen – mit dem allgegenwärtigen "Karibu!". Tansania ist auch abseits vom Kilimanjaro-Gipfelsieg oder dem Strand der Gewürzinsel Sansibar eine Reise wert. Land und Leute ziehen auch den unerfahrenen Afrika-Reisenden schnell in ihren Bann. Hat man erst die pulsierende Metropole Mwanza mit all ihren Großstadtproblemen hinter sich gelassen, bietet die Provinzhauptstadt Musoma direkt am Victoriasee einen authentischeren Eindruck vom Leben im Land. Annähernd europäische Annehmlichkeiten gibt es im Acacia-Hotel. Es verwundert, dass keine Touristenschwärme den drittgrößten See der Welt bevölkern, glitzert er doch einladend in der Abendsonne. Bilharziose lautet die Antwort. Diese Wurminfektion bekommt der unwissende Badende mit großer Wahrscheinlichkeit mit auf den Heimweg.

    Lauwarmes Bier bei der Polizei

    Dem atemberaubenden Anblick in der kurzen Dämmerung tut das freilich keinen Abbruch. Ein Kilimanjaro-Bier im Polizei-Strandrestaurant am Seeufer – ein wahres Erlebnis. Die Temperaturen von Bier und Gegrilltem – vor allem der Victoria-Barsch ist eine Köstlichkeit – nähern sich ebenso schnell an, wie die Sonne hinter dem Horizont hinunterfällt. Beides lauwarm zu genießen, sollte einen in Tansania nicht stören. Ein kleines Trinkgeld reicht allerdings meistens, um zumindest dem Bier einen Platz im Gefrierschrank zu sichern. Am Wasser wär’s gemütlich, würden nicht kurz nach Einbruch der Dunkelheit Moskitoschwärme das Strandlokal heimsuchen.

    Jagd auf die "Big Five"

    Neben dem Kilimanjaro und Sansibar ist die Serengeti die wohl anziehendste Touristenattraktion des Landes. Einer der größten und bekanntesten Nationalparks der Welt darf im Kalender des Tansania-Reisenden nicht fehlen. Mit den ersten Sonnenstrahlen geht es per Landrover mit offenem Dach in die unendliche Savanne der Serengeti.

    Die ersten Zebras und Gnus lassen nicht lange auf sich warten. Kameras klicken, und man lernt schnell: erst abdrücken, wenn der Rover ruhig steht. Jeder im Auto will die "Big Five" sehen, nicht alle geben es offen zu. "Wir werden sicher Elefanten und Löwen sehen", verspricht Henry, der erfahrene Safari-Guide. Vorher gibt es aber noch Springböcke, vielerlei Affen und Heerscharen an Gnus und Zebras. Auch die majestätischen Giraffen lassen nicht lange auf sich warten. Nach einem Stopp am Wasserloch – hier genießen Dutzende Hippos und Krokodile den Müßiggang – knackt der Funk, und Henry fährt im Zickzack-Kurs durch die Gnu-Herde. Unvermittelt stoppt er, flüstert: "Lion". Direkt neben dem Auto liegen sie und verdauen ihr Frühstück unbeeindruckt von dem guten Dutzend Landrovern, die rund um den Schattenbaum stehen. Einer der "Big Five" wäre im Kasten. Dann geht es Schlag auf Schlag. Elefantengruppen kreuzen, und unter den zehntausenden Gnus geht gemächlich ein Büffel seines Weges – wir halten bei drei. Wieder bekommt Henry per Funk einen Tipp, und er bringt die Gruppe zu einem großen Felsen – mit dem Fernglas und dem Kamera-Objektiv lässt sich Nummer vier, der Leopard, beim Faulenzen beobachten. Fehlt nur noch das Nashorn. Dieses sollte kein Problem werden, geht es doch weiter durch Massai-Gebiet zur Rhino-Lodge am Rande des Ngorongoro-Kraters.

    Der Landrover schraubt sich über Schotterpisten die 2300 Meter zum Kraterrand empor. In der Dämmerung gibt es dann im Vorüberfahren ein Rhino zu sehen – nur kurz, aber immerhin. Die Freude auf den nächsten Tag am Krater steigt. Nach einer kühlen Nacht in der Rhino-Lodge – man sollte das Angebot annehmen, den kleinen eisernen Ofen heizen zu lassen – geht es im Morgennebel in den Krater. Wieder Löwen, Zebras, Gnus, Hyänen und Elefanten. Dazu tausende Flamingos, Antilopen und Flusspferde – alles, nur keine Nashörner. Man beschließt im Landrover, das Dämmerungs-Rhino als Big-Five-Vollendung gelten zu lassen, bevor es im Einbahnsystem wieder aus dem Krater hinausgeht.

    Thomas Fellhofer, 16.07.2017, 12:00 Uhr

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