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    Oberösterreich fliegt auf Griechenland

    Oberösterreich fliegt auf Griechenland

    Thomas-Cook-Austria-Vorstand Ioannis Afukatudis sprach mit Bernhard Lichtenberger über gefragte Urlaubsziele, Sorgenkinder und Individualisierung.

    OÖNachrichten: Was können Sie ab dem Flughafen Linz bieten?

    Ioannis Afukatudis: Ab Mitte Mai fliegen wir mit zwei Vollchartern die Zielgebiete neu an, die uns im letzten Jahr gefehlt haben – einmal pro Woche, am Donnerstag, nach Kos sowie Rhodos und Heraklion auf Kreta. Darüber hinaus haben wir ab Linz Zakynthos, drei Mal die Woche Mallorca und neben Hurghada in der Türkei auch Burgas in Bulgarien, das zu einer festen Größe geworden ist, nicht nur als Alternative zur Türkei.

    Wie entwickelt sich die Türkei?

    Ich will nicht überschwänglich erscheinen, aber die Türkei entwickelt sich hoch zweistellig im Plus. Es ist keine Kunst, diese Zahlen zu erreichen, wenn man von fast null ausgeht. In der Gunst der Oberösterreicher ist die Türkei mittlerweile die Nummer drei hinter Griechenland und Spanien.

    Warum funktioniert Griechenland nach langer Durststrecke?

    Vergangenes Jahr war schon ganz gut, das Jahr davor aus österreichischer Sicht problematisch. Erst war es die Wirtschaftskrise, dann waren es die Bilder mit Flüchtlingen, die die Menschen abgehalten haben. Das ist vorbei, und die Leute schätzen wieder die Gastfreundschaft, die Kulinarik und das hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis. Griechenland hat sich in der Krisenzeit auch weiterentwickelt, neue Hotels gebaut, ältere renoviert.

    Unterscheidet sich Oberösterreich bei den beliebtesten Reisezielen vom Bundestrend?

    Österreichweit ist Spanien vorne, gefolgt von Griechenland und der Türkei. Bulgarien ist in Oberösterreich stärker gefragt, Italien und Kroatien genießen einen größeren Zulauf, weil man sie schneller mit dem Auto erreicht. Deutschland liegt bundesweit auf Rang acht, in Oberösterreich auf Platz fünf. Anscheinend haben die Oberösterreicher auch ein höheres Budget, da die USA besser nachgefragt sind.

    Welche Sorgenkinder gibt es noch?

    Ägypten erholt sich, da hilft auch das aggressive Angebot. Zuletzt habe ich eine Anzeige gesehen: eine Woche Ägypten all inclusive mit Flug um 199 Euro. So etwas machen wir nicht, da ist ja der Flug teurer. Deshalb ist ein bisschen künstliches Wachstum da, aber so ist das Spiel.

    Mallorca ist Ihre stärkste Destination. Dort beklagen, wie auch in Venedig und Barcelona, die Bewohner den Übertourismus. Wie gehen Sie damit um?

    Wir, die Industrie, sind dafür nicht verantwortlich. Nehmen wir Mallorca: Blickt man zehn Jahre zurück, wird man feststellen, dass es seither fünf Prozent mehr Betten gibt. Derzeit sind es 250.000 in Palma de Mallorca. Die mallorquinische Regierung hat aus diesem Grund Gesetze erlassen, dass man dann neue Betten errichten darf, wenn alte abgerissen wurden. Weil das reguliert wurde, kann der Übertourismus nicht nur aus der Hotellerie kommen. Gleichzeitig wurden in den zehn Jahren zusätzliche 250.000 Betten geschaffen, durch Pensionen, Privatwohnungen usw. Das führt dazu, dass sich Preise verändern und die Einheimischen dieses Gefühl haben. Auf organisierten Tourismus ist das nicht zurückzuführen. Die Kreuzfahrten darf man dabei nicht übersehen, die im vergangenen Jahr zirka 1,5 Millionen Menschen nach Palma gebracht haben – nicht verteilt, sondern scharenweise. In Barcelona und Venedig ist es nicht viel anders, das sollte mit Steuern oder anderen Hemmnissen reguliert werden.

    Wie weit kann Individualisierung gehen – wie Ihre Sonnenliegen, die vorab reserviert werden können?

    Thomas Cook hat die Pauschalreise vor rund 175 Jahren erfunden, das war jene Zugreise von Leicester ins nahe Loughborough, zu der es Tee und ein Schinkenbrot gab. Und Pauschalreisen sind heute nicht angestaubt. Einmal im Jahr befragen wir Kunden und Experten zu Trends, die künftig wichtig werden. 90 Prozent der Kunden sagten, es wäre fein, wenn ich mein Zimmer wie den Sitz im Flugzeug vorher reservieren könnte. Diese Idee haben wir im Vorjahr aufgenommen, seither kann man sein Wunsch-Zimmer in bisher 120 Hotels für 30 Euro sechs Tage vorher reservieren. Nach dem gleichen Verfahren testen wir in drei kanarischen Hotels die Wunsch-Sonnenliege für 25 Euro pro Aufenthalt, später soll das auf 300 Hotels ausgeweitet werden.

    Wo geht Ihr Urlaub hin?

    Ohne Griechenland geht es nicht. Heuer werde ich mit der Familie eine Woche auf Karpathos oder Zakynthos verbringen und dann noch zehn bis 14 Tage in Chalkidiki.

    10.03.2018, 15:00 Uhr

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