• Reisen
    Meckern erlaubt

    Meckern erlaubt

    Sie sind ein unglaubliches Gespann: Mutter und Tochter Kurz und ihre sechs Ziegen. Gemeinsam mit ihnen kann man durch das ZweiTälerLand im Schwarzwald wandern – in einer Ziege-to-go-Tour.

    Amarillo, Pollux, Kastor, Marzipan, Krabat und Munan grasen gemächlich auf der Wiese. Um sie herum: Schwarzwald-Idylle. Neben dem Kauen der Ziegen sind nur der Wind in den Bäumen, das Zwitschern der Vögel und leises Grillenzirpen zu hören. Doch nicht mehr lange, denn jetzt ist Betrieb angesagt. Über den Hof schallt das Kommando von Andrea Kurz. Ein langgezogenes "Kommt Jungs!" reicht, und tatsächlich, die Ziegen blicken auf und sprinten sofort an den Zaun. Kaum zu glauben, dass die Junggesellen-Truppe derart gehorcht und gleich zur Stelle ist. "Das sind die motiviertesten Mitarbeiter, die man sich wünschen kann. Die haben immer Bock", sagt Leonie Kurz begeistert.

    Kaum aus dem eingezäunten Bereich entlassen, umkreisen die Ziegen neugierig die Gäste der Führung. Die "Jungs" genießen die Aufmerksamkeit, die kleinen Streicheleinheiten der Besucher, das freudige Lachen der Kinder und die Leckerlis. Doch hin und wieder büxen sie aus. Schnell in Richtung Wohnhaus der Familie Kurz. Dorthin, wo die Blumenbeete sind. "Efeu und Rosen sind ihre Leibspeise", erklärt Leonie.

    Direkt vor dem Haus startet die Ziege-to-go-Tour. Ganz ohne Leine laufen die Tiere mit den Teilnehmern. Mal rennen sie vor, mal bleiben sie hinten und kommen plötzlich wieder angerannt. Dann drängen sie sich vor die Gruppe und warten wieder, bis alle beisammen sind. Auf einem Kiesweg geht es in den kühlen Waldschatten. Zur Freude der Ziegen. Die Äste der Laubbäume eignen sich schließlich hervorragend zum Abknabbern. Doch auf das Kommando "Komme, komme" von Andrea und Leonie hören sie trotzdem. Fast bedingungslos. Der Ruf zieht sich deshalb wie ein roter Faden durch die Wanderung und wird zu einem Spaß für alle Teilnehmer.

    Meckern erlaubt

    Gemeinsam mit Andrea, Leonie und den Ziegen durchqueren die Besucher die Täler des Elztals. Es geht hinauf zu einzigartigen Aussichtsplätzen mit Panoramablick bis zu den Vogesen. Während der Führung gibt es immer wieder kleine Pausen, um die Sicht aufs ZweiTälerLand zu genießen. Sogar ein gemeinsames Picknick ist möglich. Da legen sich die Ziegen auch zum Gekraultwerden in den Schoß. Doch Vorsicht: Pausenbrote klauen sie gerne mal einfach über die Schulter hinweg. Aber böse sein kann ihnen sowieso niemand. Zwischendurch beobachten die Gäste einfach nur die Tiere. Wie sie langsam kauen, wie sie hüpfen oder wie sie miteinander kuscheln.

    Jede Ziege ein eigener Charakter

    "Man sieht dabei genau, dass jedes Tier einen eigenen Charakter hat", sagt Leonie. "Marzipan, der Weiße, der genießt sein Leben." Er ist der Entdecker und Abenteurer der Truppe. Außerdem passt er gerne auf die Tour-Teilnehmer auf. Sobald jemand zurückbleibt oder vorrennt, ist auch Marzipan mit dabei, um ihn nicht alleine zu lassen. "Die Menschen werden schnell aufgenommen in die Herde, und die Tiere fühlen sich dann verantwortlich", erklärt Leonie. Pollux ist der Sportliche und für jeden Spaß zu haben. "Er ist unser Frechdachs." Sein Zwillingsbruder Kastor hingegen ist sehr verantwortungsbewusst. Wie Marzipan macht er sich Sorgen, wenn ein Herdenmitglied, egal ob Mensch oder Ziege, "verloren" geht, und ruft laut, um zu zeigen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Im Umgang mit seinen Mitziegen und den Menschen ist er "ein wahrer Gentleman", meint Andrea. Der Chef der Bande, Amarillo, gibt das Kommando an. Er bestimmt die Rangordnung. Außerdem hat Amarillo die Verantwortung für seine Truppe. "Alle stehen unter dem Schutz des Chefs. Wenn man Chef ist, heißt das eben auch, dass man auf die anderen schauen muss", so Leonie.

    Meckern erlaubt

    Die Ziege-to-go-Wanderungen machen nicht nur Spaß, sondern haben mitunter auch einen pädagogischen Effekt. So kann eine Ziegenwanderung etwa Kindern die Angst vor Tieren nehmen. "Klein Imme aus den Niederlanden hat durch unsere Ziegen ihre Angst vor Hunden verloren. Am Anfang hat sie aus Angst vor den Ziegen geweint, am Ende, weil sie wieder von ihnen wegmusste", erzählt Andrea. Noch heute hängt über Immes Bett ein Bild von Krabat, ihrer Lieblingsziege.

     

    Informativ

    Die Tour: Eine Ziege-To-Go-Tour mit drei Personen kostet 8 Euro pro Kind oder 16 Euro pro Erwachsenem. Je mehr Teilnehmer es sind, desto günstiger wird der Einzelpreis.

    Das Tal: Das ZweiTälerLand liegt inmitten des Schwarzwaldes nordöstlich von Freiburg und ist ein touristischer Zusammenschluss des Elz- und des Simonswäldertals. Wanderer erwartet ein 800 Kilometer, Radfahrer und Mountainbiker ein 400 Kilometer langes Wegenetz. Ausflugsziele in der Nähe sind unter anderem Freiburg, das benachbarte Elsass sowie der Europapark Rust.

    www.zweitaelerland.de

    23.07.2017, 10:00 Uhr

    Mehr Reisen
    Reisen Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang