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    "Madrid liebt dich wirklich"

    Die temperamentvolle Hauptstadt Spaniens lockt 24 Stunden am Tag mit Mode, Musik, Kultur und Kulinarik.

    Madrid ist Mode, Madrid ist Musik, Madrid ist Muse, Madrid ist jung und vor allem ruhelos. Wer die Stille sucht, ist in der Drei-Millionen-Metropole fehl am Platz. Die temperamentvolle Stadt kennt keine Pausen, keine Erholungsphasen – auch nicht in der Nacht.

    Wenn die untergehende Sonne die Hausfassaden in sattes Orange-Gelb taucht, dreht die spanische Hauptstadt ihren Turbo auf und versprüht so viel Energie, dass man mitmachen muss, egal wie müde oder unausgeschlafen man auch sein mag. In den Straßen tanzen verliebte Pärchen Salsa, in den Tapas-Bars wird das Leben mit Rotwein und Sangria gefeiert, unermüdlich, jeden Tag aufs Neue. Das Phänomen der abends und sonntags ausgestorbenen Fußgängerzonen kennt man hier nicht: Die Spanier mögen das Leben auf der Straße, zu jeder Zeit.

    Mode und Meninas

    Auch untertags sind die Verführungen groß. Die zahlreichen Boutiquen und Filialen der großen Mode-Ketten wie Mango, Zara und Desigual locken mit ihren Angeboten genauso wie die Museen mit ihrer Fülle an Kunstschätzen – von den Meninas des spanischen Malers Diego Velazquez im Prado bis hin zu Picassos "Guernica" im Reina Sofia. Die ganze Stadt ist ein Gesamtkunstwerk. Natürlich auch das historische Zentrum. "Egal, wie und wen du liebst, Madrid liebt dich wirklich und will dir eine gute Zeit bescheren", lacht der junge Spanier, der täglich um elf Uhr auf der Plaza Callao mit einer Handvoll Touristen zur "Free-Walking-Tour" durch die Stadt aufbricht.

    In drei Stunden versucht er, den Touristen die Highlights von Madrid – den Königspalast Palacio Real, den Hauptplatz Plaza Mayor und das lebendige Innenstadtviertel Huertas näherzubringen. Und vor allem schafft er es, das Lebensgefühl zu erklären, das die Stadt ohne Sperrstunde so besonders macht. Der Touristenführer mit dem lila T-Shirt verrät Geheimtipps, die in keinem Reiseführer zu finden sind. Zum Beispiel zeigt er eine kleine, unscheinbare Klingel an der Wand eines altehrwürdigen Klosters mitten in der Stadt.

    Flüssige Schokolade

    "Wer hier um zehn Uhr vormittags läutet, kann für wenig Geld die besten Kekse der Welt kaufen." Pausiert wird bei der "Free-Walking-Tour" in einer kleinen, typischen Bar ohne jeden Schnörkel, in der man zum kleinen Bier eine köstliche kleine Paella erhält. Für den Snack (hier Tapa genannt) muss man, wie früher in Spanien üblich, nichts zahlen.

    Kulinarisch lässt diese Stadt übrigens keine Wünsche offen. Es wird anscheinend immerzu und überall gegessen und getrunken. Für Zuckergoscherl aller Nationen gibt’s im historischen Café San Ginés die besten Churros con Chocolate, eine Kalorienbombe aus Teig und flüssiger Schokolade. Die Touristenmenüs, die ab zehn Euro pro Person angeboten werden, sind kein Nepp. Zur Vor- und Hauptspeise bekommt man eine Flasche Wein, Wasser und einen kleinen Kaffee serviert.

    Hoch gelegene Hauptstadt

    "Die beste Art, Madrid zu entdecken: Ziellos durch die Straßen laufen und sich vom Lebensgefühl anstecken lassen", empfiehlt uns der junge Spanier zum Abschied. Alles, was man dazu braucht: Einen Stadtplan, einen Reiseführer und weiße Turnschuhe, die hier alle tragen, die schnellen Schrittes durch die Straßen und Gassen eilen und dabei meist telefonieren oder sich intensiv unterhalten.

    Ein bisschen ruhiger wird es nur, wenn man es sich in einem der vielen großen Parks auf einer Picknickdecke gemütlich macht und darüber nachdenkt, was Madrid denn so besonders macht. Vielleicht lässt sich der temperamentvolle Charme ja mit der "Höhenluft" erklären. Madrid ist die am höchsten gelegene Hauptstadt Europas, wenn man von San Marino und Andorra einmal absieht. Eine Tafel am Sitz der Regionalregierung an der Puerta del Sol zeigt an, dass Madrid 650,7 Meter über dem Meeresspiegel liegt.

    Mit dem Zug ans Meer

    Das Meer ist einige Hundert Kilometer weit entfernt und doch flott erreichbar. 95 Minuten braucht der Hochgeschwindigkeitszug AVE von Madrid nach Valencia. Spaniens Streckennetz für Schnellzüge ist mit 2200 Kilometern das größte in ganz Europa. Auch das Umland von Madrid lässt sich mit dem Zug bequem erkunden. Ebenfalls empfehlenswert: Toledo, die ehemalige Hauptstadt Spaniens.

    Von Barbara Rohrhofer, 19.05.2018, 00:04 Uhr

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