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    In 27 Tagen auf Horst nach Barcelona

    In 27 Tagen auf Horst nach Barcelona

    Magdalena Wenger radelte 2500 Kilometer. Welche Hoppalas der Reisenden passierten und warum die Innviertlerin 20 Minuten nach Reisebeginn wieder umdrehen musste, erzählte sie Valentina Dirmaier.

    Du spinnst! Mit einem Kopfschütteln und einem Seufzer hat Maria Wenger reagiert, als ihr ihre 25-jährige Tochter ihr Vorhaben bei einem Besuch in die Heimat ihrer Kindheit und Jugend Kirchheim im Innkreis unterbreitete: Von Salzburg, wo die Innviertlerin seit einem halben Jahr lebt, nach Barcelona, die Stadt ihrer Träume, will sie radeln. Alleine. Dass ihre Erstgeborene ihren Plan umsetzt, daran bestand kein Zweifel. Was sich die Bergsportlerin vornimmt, zieht sie durch.

    Sturheit, Naturverbundenheit, Unerschrockenheit und ihre unbändige Abenteuerlust haben die Innviertlerin am 18. Mai aufs Mountainbike, das sie nach ihrem Onkel Horst benannte, schwingen und losfahren lassen.

    Ohne Navi und ohne Plan ging’s los und so landete sie gleich 20 Minuten später – noch in Salzburg – in der ersten Sackgasse. "Schmarrn, wo geht’s eigentlich lang?", fragte sie sich kurz und fand den richtigen Weg.

    Hoppalas, die ihr auf ihrer 2500-km-Tour, die sie über Tirol, den Brenner nach Südtirol, weiter durch die Lombardei und das Piemont in die französischen Alpen, kreuz und quer durch Südfrankreich, die Provence, durch die Pyrenäen nach Katalonien nach Barcelona brachte – mehrmals widerfuhren.

    Bei Hagel im Bushäuschen

    Kein Grund zu verzagen. Die Nerven schmiss die HTBLA-Hallstatt-Absolventin auch nicht weg, als ihr Mäuse den Essensvorrat in der Gepäcktasche auffraßen, ihr der Wind mit 60 km/h ins Gesicht blies und deswegen die Muskeln wie Feuer brannten, als ihr der Himmel tennisballgroße Hagelbrocken schickte und sie kurzerhand in einem Buswartehäuschen im Nirgendwo nächtigte oder verzweifelt auf der Suche nach einem Campingplatz war. "Auch wenn diese Momente hart waren, ich hab’ immer wieder Hilfe erfahren. Die Menschen sind tausendmal besser, als der Großteil denkt."

    Die Anekdote vom verlorenen Mobiltelefon, das ihr unbemerkt bei einer steilen Abfahrt in Turin aus der Tasche rutschte, soll das am besten bestätigen: "Ein Autofahrer hat mein Handy gefunden, mich fahren gesehen und ist mir vier Kilometer gefolgt, um es mir zu geben", sagt die 25-Jährige. Dabei strahlen ihre Augen. Das tun sie auch, wenn Magdalena Wenger über ihre Wanderungen bei den Verdon-Schluchten in Frankreich, über die Bergtouren in den Dolomiten, dem Kurzbesuch ihres Freundes während der Tour und von gemeinsamen Abendessen mit kurzfristigen Wegbegleitern erzählt. Einzig der fünftägige Aufenthalt in der bisherigen Sehnsuchtsstadt Barcelona blieb hinter den Erwartungen. Die überfüllten Touristenpfade und die lärmende Millionenmetropole standen den vielen einsamen Stunden in der Natur, häufig in der Abgeschiedenheit, um vieles nach. "Ich bin zwar generell gerne alleine unterwegs, auch auf Bergtouren. Aber es gab auf meiner Reise so viele schöne Momente, die ich gerne mit anderen geteilt hätte." Auch mit ihrer Mama, die mittlerweile sehr stolz auf Magdalena ist.

     

    Zur Person

    Name: Magdalena Wenger
    Geburtsort: Kirchheim im Innkreis (Bezirk Ried)
    Wohnort: seit Jahresbeginn in der Stadt Salzburg
    Ausbildung: HTBLA Hallstatt
    Beruf: technische Zeichnerin
    Philosophie: erstens kommt es anders, zweitens als man denkt – also nicht zu viel planen, sondern passieren lassen
    Instagram und Facebook: magdalenawenger

     

    05.08.2017, 15:00 Uhr

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