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    Grünes, zuckersüßes Mauritius

    Nach und nach fügen sich bei einem Besuch der Insel die gängigen Bilder zusammen, die man von ihr hat. Die Kulinarik zu erforschen, hilft, ein Gefühl für die Insel zu bekommen.

    Tropische Früchte liegen verführerisch auf dem kleinen Tisch am Hafen von Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius. Dort startet die dreistündige Tour, die Besucher zu Fuß durch die quirlige Stadt und zu verschiedenen Street-Food-Lokalen führt. "Um ein Land besser kennenzulernen, ist es ein guter Weg, sich mit seinen Speisen auseinanderzusetzen", sagt die junge Mauritierin Yianna. Sie arbeitet seit kurzem für "my moris", ein Start-up, das seit drei Jahren geführte Touren zu verschiedenen Themen durch Port Louis anbietet. Diese Tour ist eine guter Einstieg, um Menschen und Speisen kennenzulernen und mehr über die Geschichte der Insel zu erfahren.

    Während Yianna in Kürze sehr informativ die Geschichte von Mauritius erzählt, wie Portugiesen, Holländer, Engländer und Franzosen die Insel für sich entdeckt und mitgeprägt haben, kommt sie immer wieder auf einen der größten Schätze der Insel zu sprechen – den Zucker. "Mit Zuckerrohr beginnt die Geschichte von Mauritius", sagt sie. Rohrzucker hat im Lauf der Jahrhunderte den Regenwald auf der Insel verdrängt und bestimmt das Landschaftsbild. Auf rund 90 Prozent der kultivierten Fläche wird Zucker angebaut. Das Zuckermuseum "L’ Aventure du Sucre" in der Nähe der Kleinstadt Pamplemousses zeigt recht anschaulich, wie Zucker Mauritius geprägt hat. Die einstige Zuckerfabrik ist zu einem aufwendig gestalteten Museum umgebaut worden und gibt einen guten Überblick über die Geschichte von Mauritius. Zucker hat auch in veredelter Form – als Rum – große Bedeutung. Nicht nur die klassischen Rumsorten, sondern auch viele aromatisierte Varianten sind erhältlich.

    Das Bild fügt sich zusammen

    Üppig grüne Vegetation, türkisblaues Meer, weiße Strände, blauer Himmel und fröhliche Menschen. Dieses Bild, das Europäer von Mauritius, dem "Diamanten im Indischen Ozean" haben, fügt sich dem Besucher erst nach und nach zusammen. Es dauert, bis man genügend Eindrücke gesammelt hat, um das Gefühl für die Insel zu bekommen.

    Dazu gehört auch der Regen. "Liquid sunshine" sagen die Mauritier, wenn ganz plötzlich ein Regenschauer niedergeht. Diese Güsse können durchaus heftig ausfallen, und Regenschirme gehören daher zur fixen Ausstattung in den Hotels. Ungemütlich wird es allerdings nur, wenn ein Zyklon die Insel trifft. Zwischen November und Mai kann es vorkommen, dass tropische Stürme über Mauritius hinwegziehen. Ein Zyklon im Jahr 1860 hat übrigens dazu geführt, dass sich die Bauweise auf der Insel geändert hat. Damals waren fast alle der bis dahin aus Holz errichteten Häuser vernichtet worden, und man begann, die Häuser aus Stein und Beton zu bauen. Holz darf bis heute erst ab dem ersten Obergeschoß verwendet werden.

    Exotische Kulinarik

    Yiannas Tour führt an Orte in Port Louis, die ein Tourist nicht entdecken würde. Hier ein Stopp, um köstliche Bäckereien zu verkosten, dort ein Halt, um das typisch mauritische Frühstück – "Gateau piment", frittierte und mit Gewürzen und Chili verfeinerte Teigbällchen – kennenzulernen. Im "kleinsten Restaurant der Stadt", wie Yianna sagt, gibt es chinesische Teigbällchen, eine Art Knödel, zu verkosten – in einem engen Hausdurchgang stehen zwei, drei kleine Tische, wo die Gäste bewirtet werden. Wenn man im kühlen Hausdurchgang sitzt, glaubt man, dass dies das kleinste Lokal der Insel ist.

    Die Küche der Insel ist vielfältig, der Einfluss der Franzosen ist ebenso zu finden wie jener der Inder, Chinesen und Kreolen.

    Im kleinen Markt "Troufanfaran" nahe der zentralen Busstation von Port Louis gibt es ein üppiges Angebot an Früchten und Gemüse. Der Markt ist nicht so überlaufen wie der berühmte "Central Market", und hier findet man kleine Essensstände, um etwa die mit Gemüsecurry gefüllten "Rougaille" zu verkosten, eine Art Crêpe mit vegetarischer Füllung, die mit Chili verfeinert wird. Essensstände an den Straßen gibt es viele, und der Besucher sollte es sich nicht entgehen lassen, die exotischen Köstlichkeiten zu probieren.

    Wer selbst als Koch aktiv sein möchte – auch dieses Angebot gibt es. Etwa im Luxus-Resort "Martitim" in der Turtle Bay. Dort kann der Gast gemeinsam mit Koch Rakesh ein dreigängiges kreolisches Menü zubereiten: Von Röllchen aus geräuchertem Marlin mit Ananas-Chutney über Scampi-Spieße mit frischen Palmherzen bis hin zu flambierten Bananen mit Rum. Es ist ein Erlebnis, zu sehen, wie Rakesh seine Kreativität optisch und lukullisch spielen lässt. Und er gibt dem Laien an seiner Seite nie das Gefühl, etwas nicht zu können. Vielleicht halt nur nicht so gut ...

    Der Berg der Sklaven

    Yianna erzählt von der Sklaverei auf der Insel, die von den Franzosen vorwiegend aus Asien, Afrika und Madagaskar zur Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen auf die Insel gebracht worden waren. Die Engländer hatten 1835 die Sklaverei verboten, danach kamen viele Einwanderer aus Indien. Rund 90.000 Menschen lebten damals auf der Insel, davon 60.000 Sklaven und 30.000 Europäer. Mehr als 400.000 Inder wanderten in der Folge nach Mauritius aus, und der Handel auf der Insel blühte auf. Heute zählt das 2000 Quadratkilometer große Mauritius 1,3 Millionen Einwohner.

    Um den markanten "Berg der Sklaven" in Le Morne im Südwesten der Insel ranken sich einige Geschichten. Etwa jene, dass sich auf ihm die Sklaven versteckt hielten. Doch als die Briten ihnen die gute Nachricht überbringen wollten, dass die Sklaverei abgeschafft wurde, sollen sie sich vom Berg gestürzt haben.

    Die Zeit vergeht wie im Flug auf dieser kulinarisch-geschichtlichen Wanderung durch Port Louis. Yianna zeichnet ein lebendiges Bild der Insel, abseits von gängigen Klischees. Das Gehörte hallt nach, lebt vereinzelt wieder auf bei der Fahrt durch die Insel, durch die riesigen Zuckerrohrplantagen oder vorbei am Le Morne Brabant mit seiner Sklavengeschichte.

    Das Grün der Insel ist in diesen Frühwinterwochen besonders saftig. Und beim Stopp auf dem Hochplateau mit Blick auf die türkisblaue, weißgesäumte Küste wird das Bild, das im Kopf schon vorhanden war, endgültig zur Wirklichkeit.

    Reise-Tipps

    1. Chateau de Labourdonnais: Dieses Kolonialhaus in Mapou im Norden von Mauritius stammt aus dem 19. Jahrhundert und gibt einen guten Einblick in den Lebensstil dieser Zeit. Es ist umgeben von einem großen Garten, dort gibt es auch eine Rum-Destillerie mit hochwertigen Produkten.
    2. Jardin Pamplemousses: Der Botanische Garten zählt zu den Top-Sehenswürdigkeiten auf Mauritius. Eine geführte Tour (ca. 1 Stunde) ist empfehlenswert. Dort sieht man nicht nur fantastische Pflanzen und Riesenbäume, sondern begegnet auch Chamäleons, Flughunden und Riesenschildkröten.
    3. L’ Aventure du Sucre: Auf Mauritius dreht sich nicht alles, aber vieles um Zucker. Wie der Zucker auf die Insel kam und wie die Zuckerproduktion Mauritius beeinflusst hat, zeigt eine interessante Schau im Museum „L’ Aventure du Sucre“ nahe Pamplemousses.

    Willis „Wapalapam“

    Der Steirerman Willi Reinbacher (45) aus der steirischen Ennstal-Gemeinde Aich hat sich mit seinem Lokal „Wapalapam“ in Le Morne Brabant im Südwesten der Insel einen Traum erfüllt. Der gelernte Koch lebt und arbeitet seit 2010 auf Mauritius und hat im September 2017 sein Inselrestaurant eröffnet. „Ich biete ‘Island Eatery’, also inseltypisches Essen“, sagt der nur so vor Ideen sprühende Steirer.

    Er ist mit Gloria, einer Mauritierin, verheiratet und hat mit seinem geschmackvoll eingerichteten Lokal und der kreativen Küche nicht nur bei den Surfern in dieser Region Erfolg. „Es kommen nicht nur Touristen, sondern auch viele Einheimische, sie fühlen sich hier sehr wohl“, erzählt Reinbacher. Seine Idee von „Island Eatery“ will Reinbacher noch ausbauen und plant ein Franchising seines „Wapalapam“: „Drei Mal Mauritius und dann weltweit – zwei Jahre hab ich mir dafür Zeit gegeben“, sagt er und verrät, dass „Wapalapam“ ein Fantasiename ist.

    Eigener Bäcker und Tischler Mit einer eigenen Bäckerei bringt der Steirer auch spezielles Brot auf den Teller, und vier Tischler sind für den Bau der massiven Inneneinrichtung zuständig, die er aus Altholz von der Insel fertigen lässt.

    Geöffnet ist das „Wapalapam“ von 7 bis 24 Uhr, ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

    Der Kellermeister und seine veredelten Lychees

    Weinreben wachsen auf Mauritius nicht, dafür ist es zu heiß und zu feucht – und dennoch gibt es auf der Insel Wein. Dieser wird aus Lychee-Früchten hergestellt. Diesen erzeugt Alexander Oxenham von der „Takamaka Winery“, der einzige zertifizierte Önologe auf der Insel. In dritter Generation führt er nun einen Weinbaubetrieb, sein Großvater hatte 1932 mit dem Handel von Rosinen auf Mauritius begonnen.

    Sein Studium hat Alexander Oxenham in Dijon absolviert, und auf seinem kleinen, feinen Weingut stellt er vier verschiedene Lychee-Weine (auch im Eichenfass ausgebaut) her. Vom Charakter her erinnern sie an europäische Dessertweine, dieser Eindruck täuscht nicht: Bei einer Blindverkostung in Frankreich wurden die Lychee-Weine als Gewürztraminer eingeordnet, wie Oxenham im Gespräch mit den OÖN sagt. Der Chef persönlich macht die sehr informativen Führungen für seine Gäste.

    Roman Kloibhofer, 02.06.2018, 00:04 Uhr

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