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    Glückshormone in der Wintersonne

    Glückshormone in der Wintersonne

    Der Lungau verbucht im Winter die meisten Sonnenstunden Österreichs. Das spezielle Höhen-Reizklima auf mehr als tausend Metern ist ausgesprochen gesund.

    Wegen der vielen Sonne gibt es auch jede Menge Sonnenuhren. Manche sind Hunderte Jahre alt und blicken von Gasthäusern, Burgen und Privathäusern nach Süden. Die meisten befinden sich auf "Troadkästen".

    Auf einer Anhöhe über St. Margarethen steht so ein traditioneller Getreidespeicher, aufwendig restauriert, nur der Zeiger der Sonnenuhr fehlt. Wir halten und sprechen den Mann, der den Schnee davor wegschaufelt, darauf an. Er wendet den Kopf zur Uhr, hält erstaunt inne und fragt nach kurzem Überlegen, ob wir öfter im Lungau sind. Wir bejahen und er macht uns ein Angebot: "Wenn ihr wieder kommt und der Zeiger dann nicht montiert ist, könnt’s uns bei die Loser påck’n." Die Loser sind die Ohren.

    Alois Lankmayer würde die alten Lungauer Ausdrücke am liebsten in einem Wörterbuch gesammelt sehen. Mit rüstigen 84 Jahren hatte er ein bewegtes Leben und immer wieder neue Ideen. Die größte Liebe aber gehört den Pferden. Wir begegnen ihm mit dem Islandpferd Vindur (Wind, gesprochen: Windür) am Halfter, an einem Waldpfad entlang der Straße und bewundern den jungen Hengst. Er ist anthrazitgrau mit flachsblonder Mähne und Schweif bis zum Boden.

    Glückshormone in der Wintersonne

    "Der muss jetzt alles kennenlernen", sagt sein Herr, "auch den Verkehr". Herr Lankmayer hat mit neun Jahren im Sattel gesessen, und da sitzt er heute noch gern. Das Gestüt in Mariapfarr leitet seit 2016 seine Tochter. Inger Lankmayer ist staatlich geprüfte Reitlehrerin und Fachärztin für Neurologie. "Der Arztberuf lässt sich gut mit Reittherapie kombinieren", sagt sie. Aber man kann natürlich auch als Gesunder durch einen halben Meter Tiefschnee reiten. Man wird dann noch gesünder. Islandpferde sind dafür bestens geeignet, sie haben eine spezielle, besonders weiche Gangart, den Tölt.

    165 Kilometer Loipen

    Rekordverdächtige 165 Kilometer Loipen führen den Langläufer vorbei an stillen Weilern, durch tief verschneite Wälder und zu urigen Skihütten; zumeist begleitet von Skating-Loipen und Winterwanderwegen. Drei Höhenloipen versprechen besondere Genüsse. Südlich der Mur liegen die Nockberge. Ihre abgerundeten Kuppen täuschen über stattliche Höhen hinweg, und von frischen Schneehauben bedeckt erinnern sie gar an Salzburger Nockerl.

    Die Schönfeld-Loipe schlängelt sich 24 Kilometer durch offenen Zirbenbestand und über Almen bis zum Rosaninsee auf 2050 Metern Höhe. Das Schönfeld war Österreichs erstes Gebiet für Skitouren und in den frühen 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte die Dr.-Joseph-Mehrl-Hütte bereits Zentralheizung und Fließwasser in jedem Zimmer. Betuchte Romantiker aus Wien reisten mit Bahn und Kutsche an.

    Heute ist es stiller geworden auf dem Schönfeld und ich bin mit den letzten Sonnenstrahlen allein unterwegs. Gegenüber, an der Südseite des Alpenhauptkamms, führt eine Loipe auf ca. 1350 Metern Seehöhe ins Lignitztal. In dem anfangs weiten Tal wechseln dichter Wald von hohen, kräftigen Fichten und weite Lichtungen einander ab. Nach etwa sieben Kilometern rücken die Berge zusammen und zu beiden Seiten türmen sich strahlend weiße, über 2600 Meter hohe Gipfel vor dem tiefblauen Himmel.

    Glückshormone in der Wintersonne

    Geheimtipp für Tourengeher

    Näher heran kommen Tourengeher. Die Gensgitsch ist noch ein Geheimtipp. Unter Einheimischen hat sie dem schon etwas überlaufenen Preber den Rang abgelaufen. Der Berg am Eingang des Tals eröffnet den Reigen der Bergriesen. Nach tausend Höhenmetern Aufstieg, die Hälfte davon durch Wald, steht man auf Atemnähe mit ihnen. Abfahren über die freie, tief verschneite Kuppe ist die reinste Sonntagstour und der Einkehrschwung landet direkt beim Wielandhof. Auf den Teller kommt vielleicht ein herzhafter Ochs vom Hof mit Semmelkren und Rösti, und zur Nachspeise das typische Lungauer Rahmkoch.

    Die meistbefahrene Loipe umrundet auf durchwegs sonnigen 1500 Metern den Prebersee. Die alte Ludlalm war dem Ansturm von Loipe, Rodelbahn und Tourengehern nicht mehr gewachsen und wurde abgerissen. Zahlreiche Unkenrufe hatten die alt

    gewohnte Hütte retten wollen, und vor einem gesichtslosen Neubau gewarnt. Die neue Hütte fügt sich jedoch in das Landschaftsschutzgebiet, als hätte sie immer dort gestanden. Gemütlich und hell, punktet sie mit Lungauer Schmankerln. Die Hasenöhrl mit Sauerkraut sind ein Gedicht, auf dem Tisch stehen stets frische Blumen.

    Eine Zirbe zum Umarmen

    Vor der Hütte parken ebenso bunte, wie stabile Rodeln. Mittlerweile schwören nicht nur Einheimische auf die Qualität handgemachter Rodeln von Christian Lassacher. Er ist Wagnermeister in Tamsweg. Die Liebe zum Holz hat sich über fünf Generationen vererbt. Sein Vater Hans drückt es so aus: "I geh narrisch gern in den Wald. Wenn ich so eine schöne Lärche sehe, oder eine Zirbe, dann muss ich sie umarmen. Dann spür’ ich, wie die Energie von unten aufsteigt." Auch die Eisstöcke aus Ahorn- und Kirschholz sind wahre Kunstwerke und halten ewig. G’standene Mannsbilder habe ihren eigenen Eisstock griffbereit im Schrank.

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    Haubenküche in der "Stubn"

    Zwei ganz verschiedene Dinge sind wunderbare Hausmannskost und das Haubenrestaurant "Die Stubn" in Mariapfarr. Wir nehmen in einer stilsicher eingerichteten Stube aus dem Jahr 1842 Platz und schließen unsere Gaumen auf mit einem Schluck Grünen Veltliner vom Jurtschitsch zur Räucherforelle an Macarones, getoppt von gepopptem Schweinebauch. Die hausgemachten Ochsenschwanzravioli flankieren Artischocke und Trüffel, begleitet von Hirsch-Riesling aus Zöbing. Dann thront, anders lässt es sich nicht sagen, der Merlot "unplugged" vom Hannes Reeh am Tisch und blickt wohlwollend auf das Entenzweierlei: zartrosa Brust und ein knackiges Bügerl, umrundet von Rotkraut, Eachtlingtalern und eingelegten Vogelbeeren.

    Um wieder in Schwung zu kommen, stehen drei Skigebiete mit 150 Pistenkilometern zur Verfügung. Die höchstgelegene Bergstation liegt am Speiereck auf 2411 Metern. Von der Südabfahrt nach St. Martin reicht der Blick bis zu den Eisdomen des Nationalparks Hohe Tauern. Die Mittagssonne verwandelt den Schnee in einen Firnteppich und kann leicht einen Stoß Glückshormone erzeugen. Strategisch gut liegt die Zirmbar am Fanningberg. Drei fulminante Abfahrten, der Rader- und der Weißpriacher Steilhang sowie die Tiefschneevariante, die ein wenig überzogen Mausefalle heißt, münden direkt beim Zapfhahn und der Speckjause. Und falls jemand zufällig schon wieder hungrig ist, besucht er die Edelweißhütte, wegen der ebenso feinen wie üppigen Portionen und wegen dem Otsch, dem Wirt, der eine Art richtig netter Tobias-Moretti-Typ ist.

    Das größte Skigebiet des Lungau ist mit 70 Kilometern Piste die Skischaukel Katschberg mit dem Tschaneck und dem Aineck zu beiden Seiten des Passes. Geheimtipps sind die beiden äußersten, wegen der langsamen Schlepplifte wenig befahrenen Pisten im Süden vom Tschaneck.

     

    Information: Ferienregion Salzburger Lungau, Tel. 06477 /89 88, [email protected], www.lungau.at Islandpferde: Thomalhof, Dr. Inger Lankmayer, Tel. 0664 / 45 41 719, [email protected] Restaurant Die Stubn: Pichl 12, 5571 Mariapfarr, Tel. 0664 /54 64 690, [email protected], www.stubn.at

    Stefan Kalmar, 24.02.2018, 08:00 Uhr

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