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    Die schönste Sackgasse der Welt

    Die schönste Sackgasse der Welt

    Abseits von eingefahrenen, altbekannten und überlaufenen Pisten: Skifahren im Allgäu ist etwas Spezielles. Warum es sich lohnt, diese wunderbare Gegend im Westen zu besuchen, verrät Gary Sperrer.

    Folgender Pressetext liest sich vielleicht schwülstig, trifft aber den Nagel auf den Kopf: "Eine Landschaft wie Milch und Honig – aufgeschlagen wie ein bayerisches Bilderbuch, mit majestätischen Bergriesen und sanften Tälern, blühenden Almwiesen und duftenden Wildkräutern, tiefen kühlenden Wäldern und atemberaubenden Aussichten und einem Hochmoor, das an die magischen Stimmungen Kanadas erinnert." Die Rede ist vom Allgäu, wohin sich die OÖN machten, um sich jenseits der Oberösterreichern nur allzu bekannten Skigebiete umzusehen. Conclusio: mehr als lohnend.

    Zugegeben: Ums Eck liegt diese Gegend nicht gerade, doch das ist auch bei St. Anton, Lech oder anderen westösterreichischen Destinationen nicht der Fall. Die Anreisezeit von knapp fünf Stunden ab Linz ist in etwa gleich lang, also warum nicht einmal Skigenuss in einer Region erleben, die vom alpinen Charakter her nicht unbedingt sehr anders ist? Allerdings vom Flair sehr wohl.

    Wir haben zwei Allgäuer Skigebiete besucht: auf bayerischem Territorium Oberjoch. Das auf 1200 Metern Seehöhe höchst gelegene Bergdorf Bayerns ist jene Örtlichkeit, in der seriösen Messungen zufolge Deutschlands sauberste Luft eingeatmet wird. Weiters das touristisch ebenfalls dem Allgäu zuzuordnende Kleinwalsertal – eine Märchenlandschaft, die zwar zu Vorarlberg gehört, allerdings auf dem Straßenweg nur über Deutschland erreichbar ist. "Die schönste Sackgasse der Welt", wie es ein Einheimischer augenzwinkernd auf den Punkt bringt.

    Idyllisches Oberjoch

    Das Skigebiet Oberjoch wurde im Jahr 2013 vom Deutschen Skiverband zum "Besten Familienskigebiet" im Alpenraum gekürt. 15 präparierte Strecken aller Schwierigkeitsgrade auf 30 Pistenkilometern stehen im rund 100 Hektar großen Ski-Areal zur Verfügung. Seit der Modernisierung 2015 – dem größten touristischen Investitionsvorhaben in der Historie der Gemeinde Bad Hindelang, zu dem Oberjoch gehört – erreichen Skifahrer und Snowboarder das komplette Skigebiet per Sesselbahn. Oberjoch gilt seit dem Bau und der Inbetriebnahme des Schlepplifts am Iseler vor 75 Jahren als eine "Wiege des deutschen Skisports". Ein Jubiläum, das in dieser Wintersaison groß gefeiert werden soll.

    Die Pistenkilometer sind nicht die meisten in den Alpen angebotenen, aber dafür sind sie prächtig. Neben den hauptsächlich "roten" Abfahrten gibt es einige unschwierige, aber umso reizvollere Varianten in idyllischer Landschaft: unberührte Kare, umsäumt von Gipfeln, die sich auch im Sommer als Ziel wunderbarer Wanderungen anbieten. Als "Unterschlupf" (eine nahezu britisch anmutende Untertreibung) bietet sich das Vier-Stern-Superior-Panoramahotel Oberjoch an (www.panoramahotel-oberjoch.de). Auch Langläufer, sowohl Klassiker als auch Skater, kommen voll auf ihre Rechnung. 90 Loipenkilometer sollten dazu ausreichen.

    Wildromantisches Kleinwalsertal

    Mit ein und derselben Skikarte wie in Oberjoch ("Super Schnee") kann auch im Vorarlberger Kleinwalsertal über die Pisten gewedelt werden, am Ifen etwa, einem Grenzberg zum Freistaat Bayern. Das Hochplateau auf gut 2000 Metern Seehöhe trägt den Namen Gottesacker. Im Sommer ein grandioses Wandergebiet, ist diese Gegend im Winter eine weitläufige Region, die trotz unzähliger gleichzeitig die Pisten bevölkernder Skifahrer niemals überlaufen wirkt: Erstens bringt die vor wenigen Wochen eröffnete Zehner-Kabinenseilbahn (mit gratis WLAN und beheizten Sitzen) die Wintersportler in zügigem Tempo den Berg hoch, wo sie sich ebenso zügig in der Weite der Landschaft verteilen. Zweitens sind es genau eben diese Weite sowie die vielen unterschiedlich schwierigen Pisten, die zur Wahl stehen, die eine Auflockerung der Mengen verursacht. Empfohlenes Hotel in der Gegend: das Fünf-Stern-Superior Sonnenalp Ofterschwang (www.sonnenalp.de).

    Warum bei all dieser skifahrerischen und hotelleriemäßig außergewöhnlichen Qualität Österreicher (und auch Osteuropäer) nahezu exotischen Charakter aufweisen – 90 Prozent der Gäste sind Deutsche – ist unergründlich. Aber möglicherweise ändert sich das ohnehin in Bälde. Denn auch eine stets bescheiden und liebenswürdig gebliebene Gegend wie das Allgäu will seine Angebote nicht auf ewig als Geheimtipp vermarkten. Das wäre nahezu sträflich schade.

    Gary Sperrer, 17.02.2018, 15:00 Uhr

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