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    Die drei Welten Yucatans

    Die drei Welten Yucatans

    Die üppig grüne Karsthalbinsel Yucatan mit weißen Traumstränden ist das Badeparadies Mexikos. Neben preiswerten Luxushotels locken spannende Maya-Stätten, Urwald-Abenteuer und nasse Erlebnisse in der Unterwelt.

    Erinnert ihr euch an den 21. Dezember 2012?" Guide Jacob schüttelt sich vor Lachen. "Was für ein Blödsinn, als alle glaubten, der Maya-Kalender gehe zu Ende und die Welt sei dem Untergang geweiht. Eine völlige Fehlinterpretation. Die Leute haben nicht verstanden, dass die antiken Maya in Perioden rechneten." Jacob gibt sich mit Hand und Fuß (der tatsächlichen Basis der Maya-Mathematik) alle Mühe, uns dies näherzubringen: Das numerische System der Maya war kein Dezimal-, sondern ein Zwanziger-System. Jacob erläutert die Punkt-Strich-Schreibweise, das Stellenwert-System mit der Zahlenfolge 1, 20, 400, 8000, 160.000 usw. und addiert Striche mit Knödeln. Mysteriös.

    Schade, knapp verpasst

    Doch auch ohne tieferes Mathematik-Verständnis ist die präkolumbische Maya-Ruinenstätte Tulum auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan äußerst beeindruckend. Wir sind zwar am 21. März zeitig des Morgens gestartet, aber leider trotzdem zu spät dran: Haargenau zur Tag-Nacht-Gleiche zeigt sich das astronomische Genie der Maya – allerdings nur im Moment des Sonnenaufgangs. Dann verwandelt ein Lichtstrahl, der durch das "Castillo", den höchsten Punkt der Anlage, dringt, das Fenster des Heiligtums in einen hell leuchtenden Stern. Schade, knapp verpasst.

    Trotzdem begeistert Tulum: Die mehr als tausend Jahre alte Ruinenstätte offenbart sich mit ihrer Lage auf dunklen Felsen oberhalb des weißen Sandstrandes und türkisblauen Karibikfluten als wahre Postkartenidylle. Stolz ragt der trutzige Bau des Castillo in den azurblauen Himmel, harmonisch fügen sich die restlichen Steingebäude des Regierungs- und Tempelbezirks in das üppig tropische Grün. Eine Gruppe strahlend weiß gewandeter Pilger marschiert trommelnd und die Muschelflöte blasend über das Areal, der weiße Rauch des Baumharzes Cuprum steigt auf. Rituale und Schamanen sind in Mexiko populär – nicht nur am 21. März.

    Die drei Welten Yucatans

    Tags darauf kommen wir den Maya-Göttern noch näher. Das Weltbild der indigenen Urbevölkerung, die glaubte, die Erde sei flach und viereckig wie ein Pizzakarton, basierte auf drei Ebenen: Himmel, Erde (der Ort für die Menschen) und Unterwelt. Die Götter der Maya hatten ihren Platz sowohl im Himmel als auch in der Unterwelt, was die Verbindung zwischen Leben und Tod darstellt.

    Mayastätte zum Kraxeln

    In der im dichten Urwald des Landesinneren versteckten und von den spanischen Eroberern niemals entdeckten Mayastätte Cobá klettern wir dem Himmel entgegen und erklimmen die Steinpyramide Nohoch-Mul. Sie ist die höchste Yucatans (42 Meter) und die letzte, auf die man kraxeln darf. Das Unterfangen ist allerdings nicht unanstrengend: 121 steile, hohe und teils stark verwitterte Stufen erfordern Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Das morsche Halteseil in der Mitte der Treppenanlage bietet wenig Hilfe, doch hat man schnaufend die oberste Plattform des Tempels erreicht, wird man mit einem grandiosen Rundblick belohnt.

    Auch ein Besuch der Unterwelt gehört in Yucatan zwingend dazu – zumal sie hier wunderschön und leicht zu erreichen ist: Der flache Kalkstein- und Karst-Sockel der Halbinsel ist wie ein Emmentaler von unzähligen geheimnisvollen Tropfsteinhöhlen, Grotten und unterirdischen Flussläufen perforiert. Im Lauf der Jahrtausende brachen viele der porösen Höhlendecken ein und bildeten sogenannte Cenotes, wassergefüllte Löcher.

    Niemand weiß, wie viele Abertausende Cenotes sich in den Tiefen des dichten Dschungels verstecken, allein zwischen dem Badeort Playa del Carmen und der Inka-Ruinenstätte Tulum (rund 60 Kilometer) sind 1500 bekannt. Sie waren nicht nur bedeutende Kultstätten und das mystische Zwischenreich der Maya, sondern auch Trinkwasser-Reserve. Bis heute. "Viele Cenotes befinden sich in Gärten von Privatpersonen", erklärt Tomás, unser Höhlenguide. "Aber alle gehören dem Staat – genauso wie das blitzsaubere Süßwasser darin."

    Tomás verkleidet uns mit Neoprenanzügen, Sturzhelmen, Stirnlampen, klobigen Schwimmwesten und Badelatschen. So ausgerüstet steigen wir auf rutschigen Lehm-pfaden hinab in die Unterwelt. Eine großartige, völlig naturbelassene Tropfsteinhöhle umgibt uns: Rio Secreto. Wir marschieren durch Sand, klettern über Felsen, entdecken Spuren eines Jaguars (der zum Trinken herkam), waten durchs Wasser, bestaunen verspielte Tropfstein-Formationen und dringen immer tiefer in das Berginnere vor.

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    Irgendwann ist das Wasser so tief, dass niemand mehr stehen kann. 14 Meter tief im Erdinneren treiben wir nun auf den Schwimmwesten. Tomás bittet uns, uns im Kreis ins Wasser zu legen, die Helmlampen abzuschalten und uns an den Händen zu halten. Als Letzter knipst er sein Licht aus.

    Ein Moment des Jenseits?

    Es ist still. Und absolut dunkel. Ein kohlrabenschwarzes, geräuschloses Nichts. Die anfängliche Beklemmung weicht bald totaler Entspannung. Tomás lässt uns gefühlte Ewigkeiten Zeit, sagt nichts. Plötzlich fällt ein Wassertropfen – platsch – und bricht die erhabene Stille. Haben wir gerade für einen winzigen Moment das Jenseits gespürt? Wäre in einem Land wie Mexiko, das einen unglaublichen Totenkult lebt und Souvenirgeschäfte wie Restaurants mit Skeletten aller Art vollstopft, ja kein Wunder. Nach knapp zwei Stunden Unterwelt-Wanderung im Rio Secreto kehren wir dorthin zurück, wo der Mensch hingehört: auf die Erde.

    Die drei Welten Yucatans

    Um Yucatan und seine Maya-Bevölkerung (aktuell gehören sechs Millionen dem indigenen Stamm an) näher kennenzulernen, bieten Agenturen Ausflüge in Maya-Dörfer sowie Urwald-Erlebnisse wie Zip-Lining (Seilrutschen), Paddeln, Abseilen und Schwimmen in Cenotes an.

    Die Abenteurer werden zusätzlich von Schamanen gesegnet und von Dorf-Mamas bekocht. Aber Achtung: So manches "authentische Dorf" entpuppt sich als aufgemotzter Touristenrummel im Regenwald, viel zu große Gruppen und laut brüllende Guides nehmen dem Dschungel jede Mystik. Wir haben mit der Agentur "Cancun Adventure" (www.cancunadventure.net) gute Erfahrungen gemacht, mitunter droht aber auch Nepp.

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    Garantiert kein Reinfall ist, wenn sich der ruhesuchende Gast im TRS Yucatan Hotel der Palladium-Gruppe (rund 20 Kilometer nördlich von Tulum) einquartiert. Das Fünf-Sterne-"Adults-only"-All inclusive-Hotel mit 450 Suiten und Bungalows (die im Dezember 2017 nach Totalrenovierung neu eröffneten) liegt eingebettet in einen Mangrovenwald und palmengesäumten Sandstrand der Riviera Maya und ist speziell für Erwachsene konzipiert und dekoriert. Die Riesenanlage der Grand Palladium Resorts besteht aus vier Hotels mit insgesamt 1550 Zimmern, wobei das TRS das exklusivste ist: TRS-Gäste genießen Zutritt zu allen Einrichtungen sowie Butlerservice; exklusiv für sie gibt’s zwei Poolbereiche am Meer, fünf Restaurants und drei Bars, VIP-Strand mit balinesischen Betten und Kellner-Service, Shuttleservice und Zutritt zum Spa-&-Wellness-Bereich Zentropia. Eine eigene Urlaubswelt für sich.

    Die drei Welten Yucatans

    Wissenswert

    Anreise:
    Eurowings (www.eurowings.com) fliegt ab Deutschland (mehrere Flughäfen, auch München) nonstop nach Cancun auf Yucatan, ab 159,99 Euro pro Strecke. Achtung: Alles muss extra bezahlt werden, sogar die Musik im Bordprogramm und eine Decke.
    Condor (www.condor.com) verbindet sechsmal wöchentlich Frankfurt nonstop mit Cancun, beide Strecken kosten ab 599 Euro.

    Besichtigungen Mayastätten – Spezialtipps
    Tulum: Untertags ist die traumhaft schöne Ruinenstätte überlaufen. Wer etwas mehr für den Eintritt bezahlt, darf von 17 bis 19 Uhr hinein – und ist dann fast allein.
    Cobá: Die sehr weitläufige, bewaldete und schattige Ruinenstätte um mehrere Seen lässt sich am besten per Fahrrad erkunden; Leih-Drahtesel gibt es um ca. 2,50 Euro/Tag.

    Hoteltipp: Grand Palladium Resorts und TRS Yucatan Hotel 5*, Akumal/Yucatan
    Die Grand Palladium Resorts an der Riviera Maya bieten vier Hotels mit insgesamt 1550 Zimmern, 15 Restaurants, 22 Bars und acht Pools. Die gewaltige Größe spürt man nicht: Die extrem weitläufige Anlage ist umweltschonend in weitläufige Mangrovenwälder und einen langen, mit Palmen bestandenen Sandstrand eingegliedert. Flaggschiff ist das neue Adults-only-Luxushotel TRS: Eine Nacht all inclusive für zwei Personen gibt es ab ca. 240 Euro. palladiumhotelgroup.com

    Günstige Pauschalangebote bietet Thomas Cook Signature thomascook.de/signature

    Claudia Jörg-Brosche, 29.04.2018, 00:04 Uhr

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