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    Das weite Land

    Das weite Land

    Wüsten, bizarre Mond- und Felslandschaften, Schluchten, Tafelberge – wer Namibia mit dem Auto erkundet, legt viele Kilometer zurück, wird aber belohnt mit grandiosen Ausblicken und kontrastreichen Landschaften. Und dann sind da noch Zebras, Elefanten & Co.

    Windhoek, die Hauptstadt Namibias, liegt gerade einmal eine halbe Stunde entfernt, schon verändert sich alles. Die Asphaltstraße ist einer Schotterpiste gewichen. Tempo 80 lässt die kleinen Steinchen unaufhörlich gegen den Unterboden des Kleinbusses klackern. Ein Geräusch, von dem angesichts der Kulisse niemand Notiz nimmt: Wolken, weiß wie Schnee, die zum Greifen nahe vom tiefblauen Himmel hängen. Neugierig gaffende Paviane am Straßenrand, vereinzelt ziehen Bäume vorbei, in Beschlag genommen von Webervögeln. Die Kolonialbrüter bauen riesige kugelförmige Nester, in denen bis zu 20 Familien siedeln, jede mit eigenem Eingang. Eine tierische Wohnungsgenossenschaft quasi.

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    Die Nester der Webervögel können mehrere Meter hoch und breit werden.

     

    Der Kleinbus rattert gen Südwesten. Die Wolken werden weniger, während die Auasberge näher rücken. Die 50 Kilometer lange Gebirgskette gipfelt auf 2300 Metern Höhe. Die Esel am Wegesrand haben dafür wenig übrig, die Radtouristen schon. Mühsam quälen sie sich nach oben, eingemummt von Kopf bis Fuß. Die Sonne brennt mittags gnadenlos vom Himmel. An die 30 Grad heiß ist die Luft.

    Das Khomas-Hochland endet am Spreetshoogte-Pass auf 1780 Metern. Der Ausblick ist grandios, geprägt von einer Weite, die einen unweigerlich einen tiefen Atemzug machen lässt. Ein exklusiver Genuss obendrein. Keine Menschenseele weit und breit. Namibias Größe, die zehnmal jener Österreichs entspricht, lässt sich hier erahnen. Auch wenn sie noch nicht zu sehen ist, der Pass verbindet das Hochland mit der Wüste. Sie gab dem Land den Namen. Namib bedeutet übersetzt "leerer Platz" oder "Ort, wo nichts ist".

    Sternenbett und Sandmeer

    Es funkelt und glitzert. Millionen von Sternen, Millionen von Jahren entfernt. Von wegen Ort, wo nichts ist. Von Leere keine Spur. Nirgendwo auf der Welt soll der Nachthimmel klarer sein als hier. Wer möchte, kann in der "Kuala Desert Lodge" auf dem Dach schlafen und sich die Nacht als Sternengucker um die Ohren schlagen. Klug ist es nicht, denn die Tage beginnen früh hier in der Wüste. Die Vormittagsstunden wollen genützt sein, die Sonne heizt die Luft tagsüber bis knapp 50 Grad auf. Noch aber ist sie kühl, noch ist der Tag in Dämmerlicht gehüllt. Die Morgensonne taucht den Sand bereits wenig später in ein intensives Rotorange. Zunächst noch hunderte Meter entfernt, rücken die Berge aus Sand immer näher. Irgendwann heißt es aus- und umsteigen in einen Jeep mit Allradantrieb. In Sossusvlei endet auch die Sandpiste. Hier ragen die höchsten Dünen der Welt empor, tragen Namen wie "Dune 45" oder "Big Mama".

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    Einzigartige Naturschönheit: die etwa 250 Meter hohe Düne „Big Mama“

     

    Mit 350 Metern Höhe gilt "Big Daddy" als die höchste, +/- 50 Meter, die dem Wind geschuldet sind. Der hat zu dieser Tageszeit noch nichts zu sagen, der 250 Meter hohe Aufstieg auf "Big Mama" ist dennoch nicht ohne. Es ist ein bisschen wie Bergsteigen, allerdings ohne Schuhe. Bloßfüßig ist’s leichter – und angenehmer. Der Sand ist noch kühl, wenn auch tückisch. Zwei Schritte vor, ein halber zurück. Neigung und Steigung tun das ihre und machen den Aufstieg zu einem mühsamen Unterfangen. Doch die Anstrengung ist jede Schweißperle wert: Der Ausspruch "Wie Sand am Meer" muss hier seinen Ursprung haben. Rundum nichts als Dünen, in unterschiedlichen Höhen und Farben. Zu "Big Mamas" Füßen breitet sich eine Lehmpfanne aus. Vor neun Jahren hat sie sich zuletzt mit Wasser gefüllt. Kommt der Regen, sammelt sich das seltene Nass und steigt bis über einen Meter hoch. Die Jungen aus der Umgebung kommen dann mit ihren Jeeps und gehen baden.

    Der Sand hat sich deutlich erwärmt. Die Wasserflasche ist geleert. Zeit, aus der Hitze zu kommen. Der Abstieg ist eine Sache von Minuten, direttissima rutscht man nach unten. Der Tag ist erst neun Stunden alt.

    Alles deutsch

    Einige hundert Kilometer weiter könnte der Kontrast kaum größer sein. Nach einer Fahrt durch eine von schwarzem Schiefer mit weißen Quarzeinlassungen geprägten Mondlandschaft, die in eine Ebene aus Steinen, Geröll und Sand übergeht, ist der Himmel wolkenverhangen. Die Fata Morganas haben sich in Luft aufgelöst. 20 Grad verursachen plötzlich ein leichtes Frösteln. Swakopmund liegt am Atlantik. Hierher kommen die Namibier, um sich abzukühlen. "Swakop", wie der beliebte Ferienort genannt wird, ist nicht nur deutlich kühler als der Rest des Landes, sondern deutscher als Deutschland, heißt es. Tatsächlich: Vor der kolonialen Vergangenheit gibt es kein Entrinnen – weder im "Café Anton" noch im "Hotel Deutsches Haus" und schon gar nicht im Brauhaus, das mit Sprüchen wie "Drei Schnitzel sind auch ein Bier" glänzt. Neben Sauerbraten, Bratwürsteln, Apfelstrudel und Wiener Schnitzel kommt in Swakop auch Fisch in sämtlichen Variationen auf den Tisch. Eine willkommene Abwechslung in einem Land, in dem Vegetariern (der) Hunger(tod) droht. Man isst Fleisch – Fleisch vom Rind, Fleisch vom Lamm, Fleisch sämtlicher Antilopenarten, Fleisch vom Zebra, Strauß oder Wildschwein. Luftgetrocknetes in Streifen geschnittenes Biltong (Fleisch) essen Namibier wie Chips.

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    Morgenstimmung mit Ausblick in der „Doro Nawas Lodge“

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    Gewaltige Tafelberge erheben sich in diesem Tal im Damaraland, das vor 30 Millionen Jahren ein Flussbett war.

     

    Der Wecker klingelt wieder früh, gefolgt von einem Klopfen an die Lodge-Tür. Aufwachen im Damaraland. Die Anfahrt zur "Doro Nawas Lodge" war lang und holprig, aber erneut voller unvergesslicher Eindrücke. Der Geruch und das Geschrei von 100.000 Seehunden auf Cape Cross haben sich noch nicht ganz verflüchtigt. Nichts für Feinnasen, dafür Natur pur. Rein ist die Luft dagegen auf der Terrasse der "Doro Nawas"-Lodge im Landesinneren. Damaraland heißt dieser Landstrich, der einmalm ehr durch Naturschönheiten glänzt. Nur schwer kann man sich von der morgendlichen Ruhe und vom Blick auf die umliegenden Berge trennen, doch die Wüstenelefanten warten.

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    Der Medizinmann beim Volksstamm der Damara ist eine Frau (re.)

     

    Den Wüstenelefanten hinterher

    Die angekündigte Flussfahrt entpuppt sich als ein Ausflug in ein ausgetrocknetes Flussbett. Master Reggie lenkt den Jeep gekonnt durch den Sand, beugt sich hin und wieder aus dem Seitenfenster, um Ausschau nach Fußspuren und kugelrundem Elefantendung zu halten. "Not fresh, from yesterday", stellt er kurz und bündig fest, und schon geht es weiter.

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    Wüstenelefantenkuh Rosi mit ihrem drei Wochen alten Baby

     

    Kleiner als ihre Artgenossen in der Savanne, sind Wüstenelefanten aufgrund der nährstoffarmen Nahrung ständig am Fressen, auch nachts. Nach einer Stunde flussabwärts wird die Spur wärmer. Reggie hält den Jeep an: "These are fresh", sagt er und weist auf die Abdrücke im Sand. Tatsächlich. Plötzlich rückt eine Elefantenkuh ins Blickfeld. Es ist Rosie, wie Reggie erklärt. Die Elefantenkuh ist nicht allein. Ein drei Wochen altes Baby versteckt sich scheu unter der Mutter, die es gleichzeitig abschirmt. Nach und nach werden auch die anderen Herdenmitglieder sichtbar. Fressend bewegen sie sich dem Flussufer entlang, unbeeindruckt von den Jeeps, die ihnen folgen. Auch wenn sie daran gewöhnt sind, gilt es Ruhe zu bewahren. Aber nach Reden ist ohnehin niemandem zumute. Wer nicht fotografiert, schaut andächtig auf die grauen Riesen.

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    30 Stunden später, wieder in einem Jeep sitzend, ist die Szenerie nicht minder spannend. Der Etosha-Nationalpark gewährt einen Blick auf seine Vielfalt von mehr als 500 Tierarten. In einem Wasserloch tummeln sich 16 Giraffen, in einem anderen senken eine Herde Zebras und Springböcke zaghaft ihre Hälse, um das lebenswichtige Nass aufzunehmen.

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    Irgendetwas lässt sie permanent innehalten. Ist es die Hyäne, die auf der gegenüberliegenden Wasserseite steht, oder der Geier, der ein Stück entfernt in der Luft seine Kreise zieht? Plötzlich stieben alle auseinander. Die Nervosität ist spürbar, der Grund dafür nicht sichtbar. Wer die Weite sucht, findet sie auch hier. Schließlich bedeutet Etosha "großer weißer Platz", benannt danach ist die Etosha-Pfanne, eine 130 Kilometer lange und 50 Kilometer breite Salzpfanne, eine grenzenlose Weite. Was sonst.

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    Geparden: Feinde der Farmer. Die Stiftung AfriCat hat sich dem Schutz und der Rettung von Großkatzen verschrieben. Auf dem Farmgelände können Touristen übernachten und die gefährdeten Tiere beobachten.

     

    Wissenswertes

    Menschen: Mit 2,3 Millionen (Wien: 1,7 Millionen) Einwohnern ist Namibia sehr dünn besiedelt. 87,5 Prozent der Bevölkerung sind schwarz, 6,5 Prozent sind gemischter Abstammung, und weitere sechs Prozent gehören der weißen Bevölkerungsschicht an.

    Junger Staat: Die Republik Namibia ist einer der jüngsten Staaten der Welt. 1990 erlangte man die Unabhängigkeit von Südafrika. Die heute gültigen Grenzen erhielt das Land erst Ende des 19. Jahrhunderts, ausgehandelt von den Kolonialmächten Portugal, Deutschland und Großbritannien.

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    Nationales Denkmal in Namibia: der Köcherbaum.

     

    Klima: Die Jahreszeiten sind denen Europas entgegengesetzt. Die Sommer dauern von November bis März mit Temperaturen bis 40 Grad, in der Namib bis 48 Grad. Im Winter (Mai bis September) beträgt die Tagestemperatur je nach Region zwischen 14 und 24 Grad.

    Infos, Buchungen: Raiffeisen Reisen bietet sowohl Kleingruppenreisen (10-16 Personen), als auch individuell geführte Touren und Selbstfahrerreisen in Namibia an.

    Preisbeispiele:
    - 13 Tage in guten Mittelklasselodges ab 2990 Euro
    - 13 Tage in sehr guten Lodges ab 3990 Euro
    - 13 Tage Selbstfahrertouren ab 1790 Euro

    Termine: 12. bis 24. Mai; 12. bis 24. Juni, 7. bis 19. August, 16. bis 28. Oktober 2018
    Flüge: zum Beispiel mit Qatar Airways oder anderen IATA- Fluggesellschaften: www.qatarairways.com

    Details und Buchungen: ÖAMTC Reisebüro Linz, Wankmüllerhofstraße 60, Telefon: 0732 34 12 75

    Roswitha Fitzinger, 14.01.2018, 12:00 Uhr

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