• Reisen
    Das kleine Valletta wird große Kulturhauptstadt

    Das kleine Valletta wird große Kulturhauptstadt

    Die Hauptstadt von Malta wird 2018 gemeinsam mit der niederländischen Stadt Leeuwarden zur Europäischen Kulturhauptstadt – Valletta legt sich für diesen Anlass kräftig ins Zeug.

    Strahlendes Gelb und blitzendes Blau – mit dieser beeindruckenden Farbkombination begrüßt Valletta seit Jahrhunderten seine Besucher. Der typische Maltastein, ein weiches Kalksediment, wird durch das herbstliche Sonnenlicht in sattes Gelb getaucht, das Meer und der Herbsthimmel schimmern in tiefem Blau, die bunten Boote schaukeln sanft im Wind, und man kann auch noch Ende November abends gut in den kleinen Gastgärten sitzen und Fischsuppe löffeln. Ein Hochgenuss!

    Die erste Begegnung mit Europas Kulturhauptstadt 2018 kann einen augenblicklich ins Schwärmen bringen – doch sollte man sich seine Begeisterungsfähigkeit gut einteilen. Denn Valletta – die Hauptstadt von Malta – ist ein Ort der Superlative. Hier gibt es die dicksten Festungsmauern, die ältesten Siedlungsfunde Europas und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die meisten Kirchen pro Einwohner und Quadratmeter. 365 sollen es sein, so viele, wie ein Jahr Tage hat. Die Anzahl der Heiligenstatuen ist nicht bekannt, aber sie muss hoch sein, denn man findet sie an jeder Hausfassade, an jeder Kreuzung, in jeder noch so kleinen Gasse. Daneben stehen feuerrote Telefonzellen, die wie der Linksverkehr ein Relikt aus britischen Kolonialzeiten sind.

    Gemessen an der Fläche ist Valletta (6000 Einwohner) die kleinste Hauptstadt der EU-Staaten. Das Städtchen liegt an der Nordostküste Maltas und gilt durch seine zahlreichen Bollwerke aus dem Mittelalter als die wohl am besten geschützte Hauptstadt Europas. Von den Maltesern selbst wird Valletta als "Open-Air-Museum" bezeichnet. Im Jahr 1980 wurde die Stadt als Gesamtkunstwerk mit all seinen Monumenten als UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Jedes einzelne Haus der Altstadt steht unter Denkmalschutz. Viel Geschichte also auf allerkleinstem Raum.

    Viele kleine Bars und Kaffeehäuser

    Bis zum 1. Jänner 2018 wird hier noch auf Hochtouren gearbeitet. Valletta putzt sich heraus. Die Markthalle wird erneuert, im einst berüchtigten Rotlichtviertel Strait Street entstehen jede Menge Bars, und allüberall wird gehämmert, gebohrt, verschönert – zwischen den Baulärm mischt sich auf den großen Plätzen Weihnachtsmusik. Die wichtigste und belebteste Hauptgeschäftsstraße ist die Merchant Street. Der Republic Square, auch als Königsplatz bekannt, ist die Heimat vieler kleiner Bars und ebenso der Nationalbibliothek. Der Cappuccino, der in den Kaffehäusern 1,50 Euro kostet, könnte nicht köstlicher sein. Und es kann hier passieren, dass man meint, in Italien zu sein, genauer gesagt auf Sizilien, das nur 90 Kilometer entfernt ist. In der nächsten Sekunde wähnt man sich in Griechenland, dann wieder in Großbritannien oder Tunesien (in 280 Kilometer Entfernung).

    Das kleine Valletta wird große Kulturhauptstadt

    400 Events im Jahr 2018

    2018 wird es hier darum gehen, viele Gäste aus aller Herren Länder freudig zu empfangen. In der Geschichte Maltas ging es viele Jahrhunderte lang um das glatte Gegenteil – nämlich darum, sich vor Fremden zu schützen und dicke Mauern zu errichten. Phönizier, Römer, Ostgoten, Araber, Franzosen, Engländer: Sie alle kamen und wurden wieder vertrieben oder verabschiedet. Die bewegte Geschichte und die tapfer ertragene Vergangenheit nehmen der kleinen, großen Stadt leider viel von der Leichtigkeit, die ihr sehr gut tun würde.

    Das Kulturhauptstadtjahr soll Valletta beleben und inspirieren. Mehr als 140 Kulturprojekte und 400 Events sind geplant – von klassischer Oper über Performance Art und Design bis zu Musik und Film. Zur Eröffnungsveranstaltung am 20. Jänner wird auf den Plätzen der Stadt Musik, Theater, Tanz und viel Videokunst geboten.

    Nicht vorbei kommt man in Valletta an der St. Johns Co-Cathedral, die Ende des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Von außen gibt sich die Kathedrale eher unscheinbar, im Inneren raubt einem die prunkvoll-goldene Einrichtung fast den Atem.

    Das kleine Valletta wird große Kulturhauptstadt

    Der Großmeisterpalast ist das größte Gebäude in Valletta. Ursprünglich war er das Haupthaus für die Großmeister des Johanniterordens, bis 2015 war er Sitz des Parlaments. Heute kann er von Touristen gegen zehn Euro besichtigt werden.

    Von so viel Kultur kann man schnell durstig und auch hungrig werden. In solchen Fällen sollte man unbedingt das Nationalgetränk "Kinnie" verkosten. Die herbe Limonade ist alkoholfrei, schmeckt bittersüß und wird aus Bitterorangen und Kräutern hergestellt. Die Küche der Hauptstadt mutet teils italienisch, teils griechisch an. Empfehlenswert sind der Ziegenkäse der Nachbarinsel Gozo und die frischen Kapern. Kaninchen gelten auf der maltesischen Insel als Köstlichkeit und stehen fast überall auf der Speisekarte. Neben den kulturellen und kulinarischen Genüssen gibt’s in Valletta noch ein echtes Must-Have – und das sind die vielen kleinen Boutiquehotels, die auch das Wohnen zum (Kultur-)Erlebnis machen.

    Mit dem Bus über die Insel

    Die Insel Malta, die flächenmäßig um ein Viertel kleiner ist als Wien, hat viel mehr zu bieten als ihre Kulturhauptstadt. Sehr gut und vor allen Dingen preiswert (Ticket für eine Fahrt 1,50 Euro) lässt sich das Land mit öffentlichen Bussen erkunden. Die erste Fahrt führt uns in die alte Hauptstadt, nach Mdina. Im Gegensatz zur am Reißbrett geplanten Stadt Valletta fühlt man sich in den schmalen Gassen und zwischen den historischen Häusern sofort wie im Mittelalter. Kein Wunder, dass Malta als "Mini-Hollywood" gilt. Mit dem Film "Gladiator" kam der Durchbruch als historische Filmkulisse: "Da Vinci Code", "Graf von Monte Christo", "Asterix", "Wickie und die starken Männer": Mehr als hundert Filme und auch Szenen der US-amerikanischen Fantasy-Serie "Game of Thrones" wurden hier gedreht.

    Das kleine Valletta wird große Kulturhauptstadt

    "Wir haben das schönste Sonnenlicht, liegen auf demselben Breitengrad wie Hollywood, und unsere Sprache ist neben Maltesisch Englisch", sagen die Bewohner der Insel stolz. An vielen Plätzen hat man tatsächlich das Gefühl, in eine andere Welt abgetaucht oder auf einer Zeitreise zu sein. Doch keine Angst: Die Gegenwart holt einen schnell ein. Nur wenige Länder haben eine höhere Fahrzeugdichte als Malta. Der Verkehr ist stockend, die Stauzeiten lang, das Hupkonzert laut. In der Innenstadt von Valletta ist davon nichts zu spüren. Da übertönt derzeit die Weihnachtsmusik fast alles.

     

    Kulturhauptstadt 2018

    Das Kulturjahr wird in Valletta offiziell am 20. Jänner 2018 „eröffnet“. Auf öffentlichen Plätzen werden Musik, Theater, Tanz, Videokunst und digitale Installationen präsentiert. All dies wird sich zu einer großen „Festa“ verbinden. Festas, Patronatsfeste, sind tief in der Kultur des zu 97 Prozent katholischen Maltas verankert. Am 7. Juni findet das maritime Spektakel „Valletta Pageant of the Seas“ statt. Eine Regatta mit selbstgebauten Booten steht ebenso auf dem Programm. Infos unter www.valletta2018.org

    Wohnen: In und rund um Valletta gibt es viele kleine, feine Boutiquehotels. Eines davon ist das „Boco“, und es passt perfekt zur Kulturhauptstadt. In jedem Winkel des liebevoll renovierten Stadthauses gibt es Kunst und Kultur. Die Angestellten sind nett und freundlich und geben gerne Tipps, wo man am besten isst und wo der nächste Flohmarkt ist. Außerdem wird ein typisch maltesisches Frühstück mit Bohnen- und Olivenaufstrichen serviert.

    Die Anreise: Die Flugzeit von Wien nach Malta (Flughafen in der Nähe der Hauptstadt) beträgt zwei Stunden und 13 Minuten. Es gibt täglich einen Direktflug, freitags zwei Flüge.

     

    Barbara Rohrhofer, 02.12.2017, 00:04 Uhr

    Mehr Reisen
    Reisen Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang