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    Auf die Unterhose kommt es an

    Auf die Unterhose kommt es an

    Mit seinem siebenjährigen Lipizzaner-Wallach ritt Markus Danninger das Pferdereich der Mühlviertler Alm ab – 850 Kilometer, 25.000 Höhenmeter in 32 Tagesetappen.

    Ein halbjähriges Sabbatical diente dem 45-jährigen Teilhaber einer Werbeagentur als Steigbügel, um sich zur Erfüllung eines Traumes aufzuschwingen. Nicht ein Weg war das Ziel, sondern alle Pfade auf der Reitwegenetzkarte des Pferdereichs Mühlviertler Alm, "weil man die Heimat so wenig kennt". So sattelte er am 18. Juli 2017 bei der von der Familie betriebenen Moser-Alm in Mönchdorf, die für ihre Kutschenfahrten bekannt ist, den sieben Jahre alten Lipizzaner-Wallach Tokay und trabte los. 850 Kilometer waren es nach 32 Tagesetappen, die zwischen Liebenau im Norden, Gutau im Westen, Arbesbach im Osten und Bad Kreuzen im Süden lagen.

    Umgesattelt

    Dabei konnte ihn der Pferderücken beim ersten Versuch vor 25 Jahren nicht nachhaltig entzücken. "Die Reitstunden in der Halle waren nicht wirklich lässig", erinnert sich Danninger, der folglich die Zügel jahrelang aus der Hand gab und sie erst spät auf dem Kutschbock wieder fand.

    Erst vor wenigen Jahren kam er dem Tier wieder näher. "Ich hab’ mir das ruhigste Pferd aus unserem Stall genommen, es gesattelt und mir das Reiten quasi selbst beigebracht", sagt Danninger. Im ersten Jahr schaffte er hoch zu Ross 113 Kilometer, im folgenden waren es schon 290.

    Ein halbes Jahr arbeitete das Gespann Danninger-Tokay an der nötigen Kondition für das Abenteuer im granitenen Hügelland. Wer sich bis zu zehn Stunden am Tag im Sattel wiegt, weiß um die Gefahr, sich eine offene Stelle zu scheuern. "Dann wäre das Ganze gleich vorbei gewesen", sagt Danninger. "Also habe ich in der Vorbereitung verschiedene Unterhosen bei Tagesritten ausprobiert, bis ich die passende gefunden hatte."

    Fernab der Straße unterwegs, sammelte der Reiter Entdeckungen, zum Beispiel die Burgstallmauer in St. Georgen am Walde, "wo es ausschaut wie in Kanada, mit Steppengras, Steinen, von denen Wasser plätschert und fantastischem Licht. Solche Sachen gehst du nur im Schritt, nichts lenkt dich ab, weder Job noch Medien, du hast Zeit, links und rechts zu schauen, nur der Moment ist wichtig", sagt Danninger, dem diese Losgelöstheit abgeht.

    Und noch etwas hat sich als Erfahrung eingebrannt: die Art der Menschen. "Hätte ich überall genächtigt, wo mich die Leute eingeladen haben, doch zu bleiben, wäre ich sechs Monate lang unterwegs gewesen. Das war mehr als Gastfreundschaft."

    Danninger, Obmann des Reitverbandes Mühlviertler Alm mit rund 50 Betrieben, wird sich mit seinem Lipizzaner-Wallach am 1. Juli auf einen neuen Weg begeben, der auch touristisch vermarktet wird: der Johannesritt. Innerhalb des Reitwegenetzes wird diese fixe, 110 Kilometer lange Route markiert, die für fünf gemütliche Tage des Wanderreitens empfohlen ist. Dabei passieren die Ruhe und Entschleunigung suchenden Reiter die zwölf Stationen des beliebten Johannesweges, die Inspiration sein wollen. "In Kombination mit dem Johannesweg bringen wir die Botschaft stärker rüber, dass es gut ist, wenn der Mensch wieder zu sich selbst kommt."

    So wie Danninger auf seinen 850 Kilometern.

     

    Zur Person

    Name: Markus Danninger aus Königswiesen/Mönchdorf; 45 Jahre, drei Kinder, verheiratet

    Beruf: Geschäftsführer einer Werbeagentur für Steuerberater, Obmann des Reitverbandes Mühlviertler Alm

    Internet: pferdereich.at, www.johannesritt.at, muehlviertleralm.at

    Bernhard Lichtenberger, 14.04.2018, 15:00 Uhr

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