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    Abseits der Pisten

    Abseits der Pisten

    Davos, die mit 1560 Metern höchstgelegene Stadt der Alpen, ist ein wahres Eldorado für Variantenfahrer und Skitourengeher. Alois Peham und Sabine Neuweg waren dort.

    Ist das Wetter schlecht, empfiehlt es sich, auf den Spuren von Thomas Manns "Der Zauberberg" zu wandeln und dem ehemaligen Sanatorium auf der Schatzalp einen Besuch abzustatten. Der Zauber jener Zeit ist im Jugendstilbau des Luxushotels noch immer zu spüren. Im Zentrum von Davos lädt das Ernst-Kirchner-Museum zu einer Auseinandersetzung mit dem Maler, der von 1917 bis zu seinem Tod 1938 hier lebte und arbeitete.

    Start vom Weissfluhgipfel

    Mit dem Skigebiet Parsenn gibt es über den 2844 Meter hohen Weissfluhgipfel eine Verbindung nach Klosters. Die Tourenwoche wird in Davos Dorf gestartet, genauer auf dem Gipfel der Weissfluh. Von hier überblickt man die gesamte Region: weite, weiße Hänge soweit das Auge blickt und ausreichend unverspurte Hänge im freien Skiraum. Davos ist nicht überlaufen, es ist viel Platz für Freerider und Tourengeher. Der Frankenkurs hat die Schweiz teuer gemacht. Die ersten Schwünge ziehen wir hinab ins Maierhoftälli, dann queren wir vom Gipfel in die Nordflanke und fahren durch weite Hänge in eine Senke ab, wo erstmals die Felle an die Skier kommen. Eine halbe Stunde dauert der Aufstieg zum Gaudergrat, bevor es durch schön kupiertes Gelände ab zur Schiferbahn geht. Den Tagesabschluss bildet eine Variantenabfahrt nach Wolfgang. Mit dem Bus geht es wieder zurück nach Davos.

    Grau in Grau zeigt sich der nächste Morgen, Nebel und Schneetreiben bestimmen das Bild. Das kleine Skigebiet Schatzalp war jahrelang geschlossen, ehe ein Investor 2010 eingestiegen ist und es unter dem Motto "Zauberberg der Langsamkeit" wiedereröffnet hat. Zum gleichnamigen Hotel gelangt man mittels Standseilbahn. Doch wir wollen weiter hinauf zum Strelapass auf 2350 Meter und müssen einen alten Sessel- und einen Schlepplift bemühen. Hier startet die Skitour ins "Whiteout". Der 2651 Meter hohe Gipfel des Chörbschhorn ist das heutige Ziel. Ein schöner Anstieg, der sich nur erahnen lässt, denn die Sicht ist zeitweise null. Unter dem Gipfel bietet eine kleine Unterstandshütte Schutz vor dem Wind. Die Orientierung für die Abfahrt erweist sich als nicht ganz einfach, aber die erfahrenen Guides geleiteten die Gruppe sicher durch das weiße Niemandsland zur Einkehr im urigen Berghaus Stafelalp – Hüttengaudi inklusive, die dem Austausch von Mundarteigenheiten mit dem Wirt geschuldet ist.

    Über die Grenze nach Vorarlberg

    Die Sonne strahlt, als tags darauf zur grenzüberschreitenden Madrisarunde aufgebrochen wird. Die Tourengeherkarte bei der Madrisabahn in Klosters beinhaltet die Auffahrt bis zum Rätschenjoch und die Fahrt mit den Liften von Gargellen zurück. Mit den Fellen an den Skiern geht es zum Schlappinerjoch, der Grenze zu Vorarlberg. Von hier sind noch 250 Höhenmeter zum 2442 Meter hohen Schlappiner Spitz zurückzulegen. Über den nach oben steiler werdenden Gipfelhang geht es in einigen Spitzkehren zum schmalen Gipfelgrat. Von der Scharte führt ein breites Kar hinab ins Wintertal und hinaus nach Gargellen. Die Abfahrt: oben ein Genuss im Pulver, unten bis zur Piste eine Herausforderung im Harsch. Vom Kristalllift erreicht man nach einer kurzen Abfahrt den Anfellplatz für den Rückweg auf 2150 Meter. Eine Stunde dauert dagegen der Aufstieg zum 2379 Meter hoch gelegenen Antönier Joch. Die Schweiz hat uns wieder. Eine lange Abfahrt führt durch das Alpeltitälli hinab nach St. Antönien und komplettiert die 28 Kilometer lange Runde auf Skiern mit mehr als 2200 Höhenmetern Abfahrt.

    Eine Gondelbahn erschließt das Pischa-Skigebiet. Hier werden keine Pisten präpariert, dafür warten links und rechts der Bergstation endlose baumfreie Hänge darauf, befahren zu werden. Das 2980 Meter hohen Pischahorn ist der höchste und letzte Gipfel dieser Woche. Mehr als 600 Höhenmeter ziehen wir eine einsame Spur zur windumtosten Bergspitze: Die Aussicht ist grandios, tief unten Davos, im Kreis der Gipfel, die Bernina, der Ortler, der Piz Buin.

    Die Abfahrt führt schließlich über weite Hänge durch das Mattjischtälli hinab und endet bei der im Winter gesperrten Fluelapass-Straße, an der entlang man zum Gasthaus Alpenrose und kurz darauf zur Talstation kommt. Mit einigen entspannten Abfahrten auf endlosen Hängen, die wir uns nur mit wenigen Freeridern teilen, klingt eine großartige Tourenwoche aus.

     

    Infos kompakt

    Davos: Etwa 12.700 Einwohner leben in den Ortschaften in und um Davos. Sechs Skigebiete erschließen die umliegenden Berge: Parsenn, Madrisa, Pischa, Jakobshorn, Rinerhorn und Schatzalp. Dazwischen bleibt jede Menge Platz für Freeride- und Skitouren-Aktivitäten. Es gibt Unterkünfte jeder Preisklasse und entsprechend international ist das Publikum.

    Anforderungen Für Touren und Variantenabfahrten ist die komplette Lawinenausrüstung mit LVS-Gerät, Schaufel und Sonde notwendig, ein Lawinen-Airbag ist zu empfehlen. Breite Variantenski erhöhen den Genussfaktor.

    Buchungen: bei Alpinveranstaltern und Alpinvereinen

    Karte und Führer: Landeskarte Schweiz Prättigau mit Skirouten Nr. 248 S, Frei/Berli/Fischer, Freeride-Guide Davos-Klosters, Rudolf und Sigrun Weiss, Rund um Davos – 50 Skitouren, Bergverlag Rother, 3. Auflage 2014

    Internet: www.davos.ch

    20.03.2017, 00:04 Uhr

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