• Wels

    Vom Kellner zum Diener Gottes

    LAMBACH. Jungpriester Elija Oberndorfer ist mit seinen 32 Jahren das jüngste Mitglied im Benediktiner-Stift Lambach

    Die Zahl der Priesterweihen ist heuer auf einem neuen Tiefstand angelangt. In Oberösterreich gibt es heuer voraussichtlich nur zwei Neupriester. Der 32-jährige Elija Oberndorfer aus Edt bei Lambach hatte seine Weihe im November 2016. Mit den OÖNachrichten hat der jüngste Benediktiner des Barockstiftes Lambach über seine erfüllende Aufgabe, den Nachwuchsmangel und seine Ziele als Seelsorger gesprochen.

     

    Wie ist bei Ihnen die Entscheidung gereift, Priester zu werden. War das für Sie bereits als Kind der Wunschberuf?

    Elija Oberndorfer: Ich wollte tatsächlich bereits als Kind Priester werden. Ich war in Steinerkirchen Ministrant, dort hatten wir mit Pater Gregor einen großartigen Pfarrer. Mit 16, 17 habe ich ein bisschen gezweifelt. Ich habe die Tourismusschule in Bad Ischl besucht. Ich wollte immer etwas sehen von der Welt. Gekommen bin ich nur bis in die Schweiz, wo ich ein Praktikum in einem Hotel in St. Moritz gemacht habe. Mein Theologiestudium habe ich dann in Salzburg und Rom absolviert. Bereits 2005 bin ich für ein paar Monate ins Stift Lambach eingetreten und wieder ausgetreten. 2008 bin ich dann erneut eingetreten. Es gab nicht diesen einen einschneidenden Moment der Berufung. Die Entscheidung ist über die Jahre gereift.

    Worin liegen für Sie die Gründe für den Priestermangel?

    Es ist kein leichtes Leben, man hat keine Frau und vor allem keine Kinder und muss sich klar sein, warum man darauf verzichtet. Gott beruft einen zwar, aber er schreit einem nicht ins Gesicht. Man muss schon genau hinhören.

    Viele Menschen verstehen nicht, warum die Ehelosigkeit überhaupt noch notwendig sein soll.

    Es ist ein Zeichen völlig gegen die Zeit. Es gibt einen frommen Spruch: ,Ehelosigkeit um des Himmelreichswillen.’ Das muss man in die heutige Zeit übersetzen. Ich verzichte bewusst darauf, um den Dienst an Gott erfüllen zu können. Ich tue es für Gott. Eine Ehe ist viel mehr als Sex, wird aber oft darauf reduziert. Ich muss immer erreichbar sein, um für die Menschen da zu sein.

    Wie haben Familie und Freunde reagiert, als Sie gesagt haben, dass sie ins Kloster gehen?

    Meine Eltern und Großeltern hatten keine Freude, vor allem nicht meine Großeltern, deren einziges Enkelkind ich bin. Mittlerweile sind sie aber recht stolz auf mich. Meine Freunde haben es nicht unbedingt verstanden. Einige Freundschaften sind in die Brüche gegangen, die besten Freunde sind geblieben.

    Wäre es für Sie denkbar, verheiratete Pfarrer oder Frauen als Priester zu bestellen?

    Das gibt es bei anderen Glaubensgemeinschaften bereits, aber auch die haben Probleme. Einfache Lösungen wird es für den Glaubensschwund nicht geben.

    In vielen Gemeinden leeren sich die Kirchenbänke zusehends, entfernen sich die Menschen vom Glauben?

    Die Menschen sind nicht so weit weg vom Glauben, wie es viele sagen. In Lambach ist zumindest am Sonntag die Kirche fast voll, natürlich kommen in die Stiftskirche auch Auswärtige. Es verlagert sich, auf kirchliche Feierlichkeiten, beispielsweise stecken Paare ganz viel Mühe in die Vorbereitung ihrer Hochzeit. Viele Menschen vertrauen sich einem Priester an, wenn es Dinge gibt, die sie mit niemandem sonst besprechen können. Sie erzählen es lieber einem Fremden, der nichts weitersagen darf.

    Wie sieht Ihr Leben, Ihr Tagesablauf im Orden aus?

    Ich stehe um 5.45 Uhr auf, um 6.10 Uhr ist das Morgengebet und um 7 Uhr die heilige Messe, danach gibt es Frühstück und dann beginnt die Arbeitszeit. Ich bin in Lambach und Stadl-Paura eingesetzt. Um 12 Uhr folgen Mittagsgebet und Mittagessen, dann ist wieder Arbeitszeit bis zum Abendgebet um 18 Uhr. Dazwischen stehen Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse an, viele Telefonate und Organisatorisches sind zu erledigen, wie etwa für unseren Adventmarkt, der immer am Samstag vor dem Heiligen Abend stattfindet. Und das Kloster ist ja auch nicht gerade klein, es findet sich an jeder Ecke viel Arbeit. Außerdem bin ich Küchenmeister. Aber ich kann bei weitem nicht so gut kochen wie unsere Köchin.

    Was wollen Sie als Priester bewirken?

    Ich würde gerne die Welt ein Stückchen besser machen. Ich möchte immer wieder Gott aufzeigen, im Alltag wird er oft vergessen.

    Viele Priester führen zwei oder drei Pfarren, sind überlastet. Wie geht es Ihnen mit dem hohen Arbeitspensum?

    Überlastet fühle ich mich nicht. Ich bin auch einer, der es nicht aushält, wenn es zu ruhig ist. Das Wichtigste ist: Die Arbeit macht mir viel Freude. Ein Großteil der Begegnungen ist sehr herzlich. Ich komme in Kontakt mit Menschen bei den schönsten Anlässen, wenn Kinder getauft werden, wenn geheiratet wird, aber auch wenn die Menschen begraben werden. Ich bin mit allen Aspekten des Lebens konfrontiert. Das finde ich faszinierend.

     

    Am 15. August leitet der Jungpriester und Primiziant in Maria Schauersberg um 9 Uhr den Festgottesdienst, ebenso um 10.30 Uhr. Die Thalheimer Goldhaubenfrauen laden zur Kräutersegnung und zu einem Standlmarkt.

     

     

     

    Michaela Krenn-Aichinger, 07.08.2017, 05:48 Uhr

    Mehr Wels
    Wels Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang