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    Kinderbetreuung: "Wir schaffen es nicht, alle Kinder unterzubringen"

    WELS. Bürgermeister Andreas Rabl will im Herbst zusätzliche Gruppen provisorisch einrichten

    Die Zahl jener Eltern, die für ihr Kind in Wels einen Platz in einer Krabbelstube oder einem Kindergarten brauchen, steigt weiter. Für Herbst gibt es mehr Nachfrage als Angebot. „Wir schaffen es nicht, alle unterzubringen. Um möglichst allen Kindern einen Betreuungsplatz geben zu können, werden wir zusätzliche Gruppen provisorisch etablieren“, sagt der Welser Bürgermeister Andreas Rabl (FP). So sollen etwa in der VHS-Noitzmühle die ehemaligen Räumlichkeiten des Jugendzentrums adaptiert werden.

    Doppelte Anmeldungen

    Ungewiss ist nach wie vor, wie es nach den finanziellen Problemen der DaVinci-Akademie mit dem dortigen Kindergarten weitergeht. Erschwert wird die Planung auch dadurch, dass viele Eltern ihre Kinder sowohl in einem städtischen als auch privaten Kindergarten anmelden, um am Ende nicht ohne Betreuung für ihre Tochter oder ihren Sohn dazustehen.

    Aufgesperrt wird im Herbst in Wimpassing die Kinderbetreuungseinrichtung der FP-nahen Vorfeldorganisation „Abenteuer Familie“ mit zwei Krabbelstuben- und zwei Kindergartengruppen. In Planung sind die Neuerrichtung des Kindergartens Pernau und eine Kleinkindbetreuung im „Haus der Generationen“ in der Linzer Straße. Weiters sind zwei Betriebskindergärten in Prüfung.

    Aktuell werden in den städtischen und privaten Kindergärten, Krabbelstuben und Horten fast 2800 Mädchen und Buben betreut. Besonders herausfordernd ist laut Generationen-Stadträtin Margarete Josseck-Herdt die Nachbesetzung offener Stellen. „Heuer stehen einige Pensionierungen an, wir müssen verstärkt um Kindergärtnerinnen und Hortpädagoginnen werben“, so Josseck-Herdt. Die Welser Stadtpolitiker fordern wie berichtet eine Bildungsanstalt oder ein Kolleg für Elementarpädagogik in der zweitgrößten oberösterreichischen Stadt, um dem wachsenden Bedarf an qualifiziertem Personal gerecht zu werden. Demnächst gibt es dazu auch ein Gespräch mit Bildungslandesrätin Christine Haberlander (VP).

    Eingeführt werden soll laut Rabl auch eine Software für optimierten Personaleinsatz, „mit der wir auf einen Blick wissen, wo wir Personal abziehen können, weil in einer Gruppe mittags beispielsweise bereits zehn Kinder abgeholt werden.“ Dem kann die ausgebildete Pädagogin und Welser SP-Landtagsabgeordnete Petra Müllner wenig abgewinnen. „Rabl will das Personal wie in einem Produktionsbetrieb optimiert einsetzen, es geht im Kindergarten aber um Beziehungsarbeit. Drei- bis Sechsjährige sollen sich nicht ständig auf neue Bezugsperson einstellen müssen“, betont Müllner.

    Starke Kritik von der SPÖ gibt es weiterhin, weil in den Gruppen städtischer Kindergärten nur mehr eine statt bisher zwei Pädagoginnen arbeiten. Unterstützt wird sie von einer Helferin. Die freigespielten Fachkräfte arbeiten als Sprachförderer. „Wir brauchen in diesem wichtigen Bereich mehr Personal und Angebot, das aber nicht zu Lasten der Personalsituation in den Gruppen gehen darf“, sagt Müllner. (krai)

    In einigen städtischen Kindergärten haben 90 Prozent der Kinder Migrationshintergrund. Deshalb ist die Förderung durch die Sprachpädagoginnen so enorm wichtig.“

    Margarete Josseck-Herdt, Welser Generationenstadträtin (FP)

    Rabl will das Personal wie in einem Produktionsbetrieb optimiert einsetzen. Es geht im Kindergarten aber um Beziehungsarbeit. Die Bezugspersonen sollen nicht ständig wechseln.“

    Petra Müllner, SP-Landtagsabgeordnete und Pädagogin

    17.05.2017, 03:23 Uhr

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