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    Bewohner des Reinbergs wehren sich gegen mehrgeschoßige Wohnhäuser

    Vorchdorfer Bauunternehmen kaufte Grünland – Land entscheidet nun über Umwidmung

    THALHEIM. Riesenwirbel auf dem Reinberg: Seit der Vorwoche steht beim altehrwürdigen Bruckhof – der Vierkanter ist 700 Jahre alt – ein Baukran als erstes Zeichen einer Veränderung. Nachbarn laufen Sturm. Was ist passiert? Ivelin Puchegger verkaufte 2016 den Hof und mehr als 25.000 m2 Grund mit Gebirgsblick an die Vorchdorfer „Operenzia GmbH“. Geschäftsführerin und Miteigentümerin ist Irina Scharinger aus Steinhaus; sie ist Tochter des Bauunternehmers und ehemaligen FPÖ-Parlamentariers Andreas Sodian (Vorchdorf).

    Die neuen Eigentümer wollen rund 5000 m2 von Grün- auf Bauland umwidmen lassen. Der Antrag liegt beim Land. Bürgermeister Andreas Stockinger (ÖVP) rechnet mit einer Entscheidung bis Juni und bezweifelt die Zustimmung, weil unmittelbar daneben Barbara und Johann Entenfellner ihren Reiter- und Bauernhof betreiben. Konflikte scheinen programmiert – wegen Lärm- und Geruchsbelästigung. Das Ehepaar erhob jedenfalls Einspruch.

    Gegen reine Privatinteressen

    Es führt einen Brief von Ortsplaner Mario Hayer zur „Nachnutzung Bruckhof“ aus 2013 ins Treffen: Die Erhaltung sei wünschenswert, und: „Eine Umwidmung in Bauland kann ausschließlich ... auf Basis eines Konzeptes, das nachvollziehbares öffentliches Interesse erkennen lässt – somit rein private Interessen in den Hintergrund stellt –, angedacht werden.“

    Vielen Hausbesitzern stößt sauer auf, dass Operenzia Grünland um 66 Euro/m2 erworben hat; für Bauland werden aber rund 350 Euro/m2 bezahlt. Andere laufen wegen der Dimension der beiden geplanten Häuser mit 16 Wohnungen Sturm: In Entwürfen sind dreigeschoßige Objekte zu sehen – deutlich höher als andere Häuser auf dem Reinberg, wo noch etliche Parzellen unverbaut sind: „Wenn das erlaubt wird, werden andere Bauwerber ebenfalls auf dieser Höhe bestehen“, ärgert sich ein Nachbar, der ungenannt bleiben will. Aus gutem Grund: „Anonyme Anrufer drohen mit Klage, wenn jemand weiterhin gegen das Projekt auftritt.“

    Stockinger beruft sich bei der Gebäude-Dimension auf die Geschoßflächenzahl – dem Verhältnis von Grundstücksgröße zu Wohnfläche. Die Nachbarn sprechen von 0,23 als Durchschnittswert auf dem Reinberg. Der Bürgermeister akzeptiert 0,50 – weil benachbart das Moser-Schlößl (0,68) und des ehemalige Gasthaus Bruckhof (0,45) ähnlich dimensioniert sind. Er sagt außerdem: „0,5 bedeutet nicht, dass dreigeschoßig gebaut wird.“

    Angst vor mehr Verkehr

    Außerdem befürchten die Nachbarn mehr Verkehr – vor allem, wenn die restlichen 20.000 m2 des Bruckhofs einmal Bauland werden. „Für 16 neue Wohnungen reicht die Straße. Eine weitere Umwidmung erleben wir nicht mehr: Denn dafür braucht es eine großzügige Lösung, die sehe ich derzeit nicht“, sagt Stockinger.

    Durch Umwidmung profitieren Private, Infrastruktur wird aber aus Steuergeld finanziert: Das schließt Stockinger dezidiert aus. In Laakirchen ist bei einem Sodian-Bauprojekt die Gemeinde auf diesen Kosten sitzen geblieben: „In diese Falle tappen wir nicht.“

    Der Bruckhof ist nicht denkmalgeschützt: „Jeder kann um Abbruch von Gebäuden auf eigenem Grund ansuchen. Besteht kein Schutz, ist das zu genehmigen“, behauptet der Bürgermeister.

    Andreas Stockinger, Bürgermeister (ÖVP), befürchtet Nachbarschaftskonflikte zwischen Reiterhof und den geplanten Wohnungen

    Barbara und Johann Entenfellner, Betreiber eines Bauern- und Reiterhofes in unmittelbarer Nähe zu den geplanten Wohnhäusern


    Von Friedrich M. Müller, 14.02.2018, 00:04 Uhr

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