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    20 Jahre nach Halbe-halbe-Kampagne hat sich für Frauen zu wenig geändert

    WELS. In Wels erfolgte gestern der Startschuss für das Frauenvolksbegehren 2.0

    Geschlossen ging gestern das Welser Team, das sich für das Frauenvolksbegehren 2.0 starkmacht, ins Rathaus, um dort seine Unterstützungserklärungen abzugeben. Darunter Michaela Petz, Leiterin der Welser Arbeiterkammer. Ihr ist wichtig, deutlich zu machen, dass das Frauenvolksbegehren nicht nur für Frauen, sondern auch für die Männer gut sei. „Immer mehr junge Väter wollen sich stärker in der Kinderbetreuung engagieren. Bei den Arbeitgebern ist das Verständnis, dass Männer in Karenz gehen und weniger Stunden arbeiten wollen, oft nicht vorhanden, und sie drohen mit Kündigung“, sagt Petz.

    Bettina Reichhold vom Sozialen Netzwerk Wels verweist auf die noch immer gravierenden Einkommensunterschiede. Frauen bekämen weniger, als sie verdienten. Eine vollzeitbeschäftigte Frau erhält in Oberösterreich im Schnitt um rund 12.700 Euro im Jahr weniger als ein Mann. In Wels beträgt der Einkommensunterschied bei Vollzeitbeschäftigung 25 Prozent. „Auch 20 Jahre nach der Halbe-halbe-Kampagne ist außerdem in vielen Familien noch immer die Frau großteils für Kindererziehung, Haushaltsarbeit und Pflege von älteren Angehörigen zuständig“, sagt Reichhold. Und um das alles stemmen zu können, würden viele Frauen Teilzeit arbeiten, ergänzt Sonja Reitinger, Betriebsratsvorsitzende des Klinikums Wels-Grieskirchen. „Die Folge sind ein geringeres Einkommen und später eine geringere Pension. Viele Frauen sind dann von Altersarmut betroffen.“

    Verpflichtende Frauenquote

    Noch immer sind Frauen in der Politik sowie in den Chefetagen und Aufsichtsräten von Unternehmen unterrepräsentiert. Das Frauenvolksbegehren fordert eine Geschlechterquote von 50 Prozent. „Auf den Entscheidungstischen sitzen bei weitem noch nicht die Hälfte Frauen. Ohne verpflichtende Quote werden wir es auch nicht schaffen“, ist Michaela Petz überzeugt.

    Wesentlich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei eine gut ausgebaute Kinderbetreuung. „Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, das würde den Wiedereinstieg von Frauen nach der Karenz erleichtern“, sagt Birgit Karrer vom Frauenforum Wels. Die kostenpflichtige Nachmittagsbetreuung sei ein falscher Schritt. 

    (krai), 13.02.2018, 00:04 Uhr

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