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    Vorbildlich saniert: Alter Bauernhof ist jetzt ein geschmackvolles Seminarhaus

    Vorbildlich saniert: Alter Bauernhof ist jetzt ein geschmackvolles Seminarhaus

    NEUKIRCHEN BEI LAMBACH. Weinhändler Karl Muhr aus Ohlsdorf erfüllte sich nahe Lambach seinen Lebenstraum.

    "Für mich war immer klar, dass ich mit 55 meinen Betrieb übergebe", sagt Karl Muhr. Der Ohlsdorfer Weinhändler, Caterer und Initiator der Weinmesse im Schloss Orth blieb seinem Vorsatz treu und kaufte nach der Übergabe des Unternehmens an seine Tochter ein altes Bauernhaus. Endlich ging sein Lebenstraum in Erfüllung.

    Der "Binder z’ Willing" in Neukirchen bei Lambach – heute Hollergut – war bis hinauf in die 1970er eine Wagnerei und Fassbinderei. Der Ohlsdorfer verwandelte den Ziegelbau mit großem Garten und 3,5 Hektar Grund in ein wunderschönes Seminarhaus. "Nach meinem Ausstieg aus der Firma habe ich eine Ausbildung für systemische Aufstellung absolviert und ging mit meiner Frau Andrea noch einmal zur Schule." Im Agrarbildungszentrum Lambach legte das Paar die Facharbeiterprüfung ab.

    "Ich habe mich ständig weitergebildet", sagt Muhr nicht ohne Stolz. Bevor er sich als Weinhändler und Caterer einen Namen machte, arbeitete der Ohlsdorfer als Tischler mit Meisterprüfung. Später verkaufte er heiße Würstl am eigenen Imbissstand. Eine Zeitlang war Muhr auch in der Politik aktiv. "Ich habe immer viel gearbeitet, kann aber nicht sagen, dass mich das gestresst hätte."

    Seit langem sammelt der Vater von drei Kindern Kunst. Noch heute tritt er als Kulturförderer in Erscheinung. An einem Projekt war er zuletzt aber gescheitert. Inspiriert durch die Trasse der "Haager Lies", die sein Anwesen durchschneidet, wollte Muhr einen kleinen Teil der Bahnstrecke erhalten und sie mit drei ausrangierten Waggons touristisch vermarkten. Maßgebliche Köpfe in der Region versagten ihm dann aber ihre Unterstützung. "Das Projekt ist leider gestorben. Schade drum", bedauert der 56-Jährige.

    "Ich fuhr einen dicken BMW"

    Sein finanzielles Polster, das sich der Tausendsassa im Laufe seiner Karriere erwirtschaftete, ist inzwischen aufgebraucht. Der Kauf des Anwesens und die aufwendige Sanierung verschlangen Unsummen. Doch Muhr kann damit umgehen: "Ich bin früher einen dicken BMW gefahren. Man musste ja zeigen, dass man als Geschäftsmann erfolgreich ist. Jetzt brauche ich das alles nicht mehr, und mir geht es gut dabei."

    Seinen Gästen präsentiert der Genussmensch auch ungefragt die hübschen Details des im 19. Jahrhundert erbauten Hauses. "Das Holz des alten Dachstuhls findet sich in unserer Küche wieder." Die alten Holzböden wurde sorgsam geschliffen, gereinigt und gewachst. Die Raumhöhen blieben im Originalzustand. Auch alte Tramdecken kamen zum Vorschein. In den hell gestalteten Seminarräumen stehen edle Thonet-Stühle. In den Pausenräumen sind hölzerne Kinosessel platziert, die Muhr in der Steiermark entdeckte: "Damit habe ich ein gutes Geschäft gemacht. Was Sie hier sehen, ist der letzte Rest", grinst der Unternehmer. Natürlich darf auch ein Weinkeller nicht fehlen. "Für private Zwecke", betont Muhr.

    Pläne für einen Hofladen

    Das Seminargeschäft läuft gut an und beschert nahen Wirtshäusern Übernachtungsgäste. Heuer möchte das Ehepaar einen Hofladen eröffnen. In alten Vitrinen sind die ersten Gläser gestapelt: Marmelade und Pesto. Draußen gedeiht ein Kräuter- und Gemüsegarten. Schon jetzt im Angebot: ein mehrgängiges Hollengut-Dinner mit Weinbegleitung (maximal zehn Gäste).

    Sein schönes Gmunden vermisst der Neo-Hausruckviertler gar nicht: "Jetzt sehe ich besser auf den Traunstein als früher von meinem alten Haus in Ohlsdorf."

    Erik Famler, 12.01.2018, 00:04 Uhr

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