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    Volksbank Almtal: Von vier Filialen bleibt nur ein einziger Standort übrig

    GRÜNAU. Nach dem Verkauf der Volksbank Almtal an die Volksbank Oberösterreich werden die vier bisherigen Standorte zu einem zusammengefasst. Kritiker im Almtal sehnen sich nach den alten Zeiten zurück.

    Als die Volksbank Almtal noch eine eigenständige Genossenschaftsbank war, galt sie unter den Volksbanken als Musterschüler. In den vier Standorten Scharnstein, Grünau, St. Konrad und Viechtwang waren 16 Mitarbeiter beschäftigt, die Eigenkapitalquote lag bei hervorragenden 30 Prozent, und das Unternehmen war ein wichtiger Partner für die Wirtschaft in der Region.

    Keine Kündigungen

    Dann fusionierten die Volksbanken des Landes zur Volksbank Oberösterreich. Die Almtaler legten sich lange quer. Sie wollten ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben. Am Ende erreichte die Genossenschaft zumindest einen Verkauf (die anderen Banken fusionierten) für 8,6 Millionen Euro. Er wurde im Vorjahr abgeschlossen.

    Die neue Muttergesellschaft schloss die beiden Standorte Viechtwang und St. Konrad. Und wie jetzt bekannt wird, zieht die Volksbank in diesem Jahr auch aus Grünau ab. Die Bank versorgt das Almtal künftig nur noch von Scharnstein aus. Entlassungen gibt es nicht, das Management spricht von einer „Zusammenlegung“ der Standorte. Durch natürliche Abgänge sank der Personalstand aber bereits stark.

    Der Konzentrationsprozess findet nicht nur im Almtal statt: Landesweit reduzierte die Volksbank die Zahl ihrer Filialen bereits von 50 auf 30 und schaffte nach schwierigen Jahren auch deshalb im Vorjahr wieder die Rückkehr in die Gewinnzone.

    Im Almtal hält sich die Freude allerdings in Grenzen. „Die Schließung der Filiale kommt für uns völlig überraschend“, sagt Johannes Stockhammer, amtsführender SP-Vizebürgermeister von Grünau. „Der Mietvertrag für die Räumlichkeiten im Amtsgebäude läuft eigentlich noch bis 2020.“ Stockhammer bedauert, dass mit dem Abzug der Bank ein wichtiger Nahversorger verschwindet. „Nicht jeder betreibt Online-Banking“, sagt er. „Viele Kunden müssen jetzt weite Wege fahren.“

    Sehnsucht nach alten Zeiten

    Zugleich wird im Almtal die Sehnsucht nach früheren Zeiten laut. „Die alte Genossenschaftsbank hätte nicht drei Viertel der Standorte geschlossen“, sagt ein ehemaliger Unternehmer, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Das Geheimnis des Erfolgs der alten Volksbank Almtal war ja genau die Tatsache, dass sie nahe bei den Leuten war.“

    Richard Ecker, Vorstandschef der Volksbank Oberösterreich, bezweifelt das. „Auch die alte Genossenschaftsbank hätte Standorte schließen müssen“, sagt er. „Die Zeiten ändern sich. 60 Prozent der Kunden betreiben heute Online-Banking. Wer zur Bank geht, sucht Beratung. Auch deshalb ist es sinnvoll, dass wir in Scharnstein alle unterschiedlichen Kompetenzen bündeln.“

    Zumindest die Ergebniszahlen scheinen Ecker recht zu geben. Die Volksbank Oberösterreich machte im Vorjahr wieder 11,4 Millionen Euro Gewinn.

    Von Edmund Brandner, 14.02.2018, 00:04 Uhr

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