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    Unsere Pfahlbauer waren perfekte Kopierer von bayerischen Erntegeräten

    Unsere Pfahlbauer waren perfekte Kopierer von bayerischen Erntegeräten

    VÖCKLABRUCK. Geoarchäologe Binsteiner: Ein Drittel importiert, der Rest wurde einfach nachgebaut.

    Eine 5500 Jahre alte Produktpiraterie hat der Geoarchäologe Alexander Binsteiner aufgedeckt. Dabei spielt eine Erntesichel eine Rolle, die unlängst im Heimathaus Vöcklabruck wiederentdeckt wurde und derzeit im Nordico-Museum der Stadt Linz in der Ausstellung "Urbayerisches in Oberösterreich" zu sehen ist.

    Binsteiner hat herausgefunden, dass die Pfahlbauer an Mond- und Attersee nicht nur die benötigten Ernte- und Schneidegeräte aus Bayern importiert hatten. Sie haben dann nach dem Vorbild der bayerischen Importe aus heimischen Hornsteinen diese Sicheln nachgebaut.

    Den letzten Hinweis gab ein perfekt gearbeitetes Sichelblatt aus der Pfahlbaustation Seewalchen. Der wertvolle Fund, von dem es bislang nur eine schlechte Fotografie aus den 1960er Jahren gab, galt lange Zeit als verschollen. Bei einer erneuten Materialaufnahme im Zuge einer Ausstellungsvorbereitung tauchte er jetzt im Heimathaus Vöcklabruck wieder auf und konnte unlängst im Nordico Linz unter einem Spezialmikroskop untersucht werden.

    Binsteiner: "Ohne Zweifel stammt die Sichel aus der bayerischen Altheimer Kultur, deren größtes Abbaugebiet für Plattenhornsteine in Baiersdorf bei Riedenburg im Altmühltal lag." Von dort wurde das Stück in einem Zeitraum zwischen 3800 und 3400 v. Chr. bereits als Fertigprodukt direkt in die Siedlung am Attersee verhandelt.

    Eine identisch gearbeitete Sichel kannte man bereits von See am Mondsee, die allerdings nicht aus bayerischem Material, sondern aus einem heimischen Plattenhornstein aus dem Salzburger Land gefertigt wurde. "Offensichtlich konnten die Pfahlbauer der Mondseekultur die großformatigen Sicheln aus Niederbayern perfekt nachbauen", fasst der Geoarchäologe zusammen.

    Der Seewalchener Pfahlbau-Experte Gerald Egger findet Binsteiners Entdeckung durchaus spannend. "Es belegt, dass bereits damals Handel betrieben wurde." Offensichtlich haben die Pfahlbauer in Bayern Originale gekauft und dann Kopien nachgeschlagen.

    Apropos Kopien: Der Pfahlbauverein will nächstes Jahr mit einer neuen Attraktion aufwarten – dem Nachbau eines Einbaums. Die Bundesforste werden dazu zwei Rohlinge liefern, die in Zusammenarbeit mit der Uni Wien zu Einbäumen verarbeitet und im See versenkt werden. Im Sommer sollen sie dann herausgeholt werden und beim Welterbefest erstmals präsentiert werden.

    Gerhard Hüttner, 20.11.2015, 00:04 Uhr

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