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    Neues islamisches Vereinsgebäude: Freiheitliche fordern Volksbefragung

    VORCHDORF. Die Freiheitlichen in Vorchdorf mobilisieren weiter gegen den Neubau des islamischen Kulturzentrums außerhalb des Ortskerns und beantragen zu diesem Zweck eine Sondersitzung des Gemeinderats.

    Wie die OÖN berichteten, wurde der Pettenbacher ÖVP-Gemeinderat Bülent Arikan aus der Partei ausgeschlossen. Anlass war das Bekanntwerden seiner Mitgliedschaft beim Verein Saadet, der zur islamistischen Millî-Görüs-Bewegung gehört.

    Die Affäre schlägt auch in der Nachbargemeinde Vorchdorf hohe Wellen. Hier war Arikan bislang Sprecher des muslimischen Kulturvereins ALIF und zugleich Ansprechpartner für die Marktgemeinde (als welcher er durchaus geschätzt wurde). Durch seinen Rauswurf aus der ÖVP fühlt sich die FPÖ Vorchdorf nun bestätigt.

    Diese mobilisiert seit Monaten gegen die Pläne eines neuen ALIF-Vereinszentrums. „Der Verein lud bereits mehrmals zu politisch-islamistischen Veranstaltungen“, sagt FP-Gemeinderat Thomas Edtmeier. „Wir lehnen aber Extremismus jeglicher Art ab. Den Islamismus zu fördern, indem wir dem Verein als Marktgemeinde auch noch ein Grundstück für ein neues Vereinsgebäude verkaufen, ist verantwortungslos.“

    Mit ihrer ablehnenden Haltung blitzten die Freiheitlichen im Gemeinderat bereits einmal ab. VP, SP und Grüne bekennen sich zum Grundverkauf. „Derzeit befindet sich der Kulturverein mitten in einem dicht besiedelten Gebiet“, sagt VP-Bürgermeister Gunter Schimpl. „Der neue Standort hinter der BP-Tankstelle ist viel besser für alle.“ Zudem könne die Marktgemeinde den Grundverkauf an Bedingungen knüpfen. Der Verein ALIF müsse seinen Willen zur Integration und sein Bekenntnis zur demokratischen Rechtsordnung klar darlegen. Vor allem aber gehe es darum, die Brücken zu den 700 Vorchdorfern mit muslimischem Glauben nicht abzubrechen, indem man sie ausgrenzt.

    Der Freiheitliche Edtmeier hätte damit keine Probleme. „Der Verein kann gerne in einer anderen Gemeinde ein Gebetshaus errichten“, sagt er und fordert eine Sondersitzung des Gemeinderats, in der die Abhaltung einer Volksbefragung zum Thema beschlossen wird. Am 10. September dürfte die Sondersitzung stattfinden. Aus heutiger Sicht ist aber unwahrscheinlich, dass eine Mehrheit die Volksbefragung befürwortet.

    Stattdessen wird der Gemeinderat wohl noch heuer über den Grundverkauf abstimmen. Bürgermeister Schimpl ist optimistisch, dass die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit zustandekommt. „Das neue Vereinsgebäude verbessert die Situation für alle“, sagt er. „Wir sollten den Dialog suchen und nicht wie die Freiheitlichen ständig Öl ins Feuer gießen.“

    Drei Fragen an Gunter Schimpl

    Vorchdorfs VP-Bürgermeister hält den neuen Standort des muslimischen Vereinshauses für eine große Chance und warnt vor Panikmache.

    Können Sie den Einwänden der Freiheitlichen etwas abgewinnen? 

    Nein, ganz im Gegenteil. Der neue Standort ist eine große Chance. Die Freiheitlichen tun so, als ob sie ein Kulturzentrum verhindern möchten, aber es gibt ja längst eines. Jetzt besteht die Möglichkeit, das Zentrum vom dichten Siedlungsgebiet an einen viel besser geeigneteren Standort zu verlegen. 

    Die FPÖ Vorchdorf sieht eine Nähe des Vereins zum politischen Islam. 

    Damit grenzen die Freiheitlichen 700 Vorchdorfer aus, die der islamischen Religionsgemeinschaft angehören. Auf diese Art werden aber keine Probleme gelöst, sondern erst geschaffen. Je öffentlicher und transparenter Muslime unter uns leben können, desto geringer ist die Gefahr von Extremismus. Die Freiheitlichen gießen in Wahrheit nur Öl ins Feuer. 

    Sehen Sie auch eine Bringschuld auf Seiten des muslimischen Kulturvereins? 

    Absolut. Wir werden den Kaufvertrag an Bedingungen knüpfen. Mir ist vor allem wichtig, dass sich Vorchdorfer mit türkischen Wurzeln sprachlich nicht abkapseln. Sonst funktioniert Integration nicht. Aber genau deshalb ist es auch wichtig, den Dialog zu fördern und nicht abzubrechen.

    Edmund Brandner, 11.08.2017, 02:25 Uhr

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